Meilen

Wenn Mutters Worte für Turbulenzen auf dem Bauernhof sorgen

Wie es an einem Hof voller Narren zu- und hergeht, ist in Meilen zu erleben. Das Theater Bergmeilen führt das gleichnamige Stück auf und geht in einem besonderen Jahr zurück zu den Wurzeln.

Eine mitreissende musikalische Umrahmung gestaltet das Stück zum 30-Jahr-Bühnenjubiläum des Bergtheaters Meilen.

Eine mitreissende musikalische Umrahmung gestaltet das Stück zum 30-Jahr-Bühnenjubiläum des Bergtheaters Meilen. Bild: Moritz Hager

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«Was habe ich nur gemacht?», fragt sich Bauernsohn Jonas. Die Verzweiflung, mit der er sich die Haare rauft, die Unruhe, in der er auf und ab geht, verrät: Er hat sich in eine verzwickte Situation gebracht. Soeben nämlich hat er seine verdutzte Familie wissen lassen, dass er schon längst verlobt sei. Ja, noch schlimmer: Er werde seine Braut demnächst vorstellen. Nur, in Tat und Wahrheit gibt es keine Braut. Denn Jonas liebt Detlef.

Aber, er liebt eben auch seinen Bauernhof. Und um den steht es schlecht. Nur noch eine Spezialisierung kann ihn retten. Doch ob als Biohof oder Geflügelfarm, darüber ist er sich mit Schwester Esther alles andere als einig. Eines nur verbindet die Geschwister. Es ist dies die klare Ansage der verwitweten Mutter: Wer zuerst heiratet, erbt den Hof und bestimmt über dessen weiteres Schicksal. Indes, nicht zuletzt Jonas’ vorschnelle Ankündigung macht aus dem Hof vorerst einen Hof voller Narren, auf dem die eigentümlichsten Charaktere aufeinandertreffen. Dies zeigt sich demnächst im Jürg-Wille-Saal in Meilen. Dort nämlich befindet sich ab kommenden Freitag dieser «Hof voller Narren» – dargestellt vom Theater Bergmeilen.

Aktuelle Themen

Mit der Komödie von Winnie Abel geht das Theater «zurück zu den Wurzeln», wie Regisseur Massimo Della Monica erklärt, der nun zum zweiten Mal mit von der Partie ist. Zurück zu den Wurzeln, das heisst, da hin, als sich das Theater anno 1954 gründet, nämlich als Theater von Bergmeilemer Bauern. Als solches sorgt es jeweils in den Wintermonaten im Saal des Restaurants Vorderer Pfannenstiel mit Bauernschwänken für Unterhaltung. Bis der Abriss des Restaurants in seiner damaligen Form zum einen und der fehlende Nachwuchs zum andern dem Theater 1965 den Garaus machen. Vorübergehend, zumindest: Erlebt es doch 1989 seine Wiederauferstehung, dies in der neuen Spielstätte im Löwensaal im Dorf. Und das wiederum bedeutet 30 Jahre Bühnenjubiläum und gibt den Anlass für die Stückauswahl mit Bezug zu den Ursprüngen. Anlass übrigens auch für eine revueartige, musikalische Umrahmung durch Roberto Carrasco.

Gleichwohl, mit der Homosexualität von Jonas – um nur ein Beispiel zu nennen – fehlen die Bezüge zu Themen der Gegenwart nicht. Der Regisseur hat zudem mit der Textautorin eine Art Collage aus deren weiteren Stücken geschaffen, um so dem ganzen Ensemble eine Rolle zu ermöglichen. Denn, das Theater versteht sich auch als Generationentheater, in dem junge bis langjährige Mitglieder Seite an Seite miteinander spielen.

Starke Präsenz

Einer der langjährigen Schauspieler ist der bald 80-jährige Sepp Züger. Er mimt im Stück den schwerhörigen Grossvater. «Schon in meiner allerersten Rolle als 18-Jähriger habe ich einen alten Mann gespielt», stellt er lachend fest. Mithilfe einer Glatzenperücke habe er damit bereits eine Hauptrolle innegehabt, den Vormund aus dem Stück «S Mündel». Was ihn so reizt am Theaterspielen? Er muss nicht lange überlegen: die Kameradschaft. Etwas den Leuten bieten.

Die Kameradschaft, das zeigt sich an einer Probe letzte Woche, ist eine Stärke des Theaters als harmonisches Miteinander der Spieler. Und, sichtlich ist auch, wie sich jeder der Darsteller in seiner Rolle zu Hause fühlt und eine starke Bühnenpräsenz beweist. Della Monica sind diese Aspekte denn auch wichtig, um so ein «Spiel der Wahrhaftigkeit» zu erreichen. Dafür habe er mit dem Ensemble unter anderem viel an Rhythmus und Raumgefühl gearbeitet, sagt der Profiregisseur und zeigt sich beeindruckt von der »erfrischenden Spielfreude der zwölf Amateure.

Tatsächlich wissen sie alle ihre überspitzten Charaktere überzeugend darzustellen. Wie sich etwa Hansueli Müller als Jonas immer wieder aus neuen Fallstricken rettet, sorgt für manches Amüsement. Sein Charakter kommt besonders gut zur Geltung, da er in der Interpretation von Schwester Esthers zynischem Wesenszug durch Maja Walthert einen starken Gegenpart findet. Eine besonders skurrile Nebenfigur stellt die zackige, jagdpassionierte Beamtin vom Ausländeramt in der gelungenen Umsetzung von Katherine Ruoss dar. Die Erwähnten mögen als Beispiele für alle gelten – nicht zuletzt auch, was die Textsicherheit angeht.

Erstellt: 19.03.2019, 16:13 Uhr

Die Aufführungen

Premiere mit Liveband: Freitag, 22. März, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 24. März, Donnerstag bis Sonntag, 28. bis 31. März. Sonntage jeweils um 17 Uhr, sonstige Tage um 20 Uhr. Vorverkauf: Drogerie Roth, Meilen; Telefon 044 923 20 09 (Montag 9 bis 11 Uhr). www.theater-bergmeilen.ch

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