Stäfa

Wenn Museumsobjekte zu Geschichten inspirieren

Das Museum zur Farb hat im Rahmen seiner Ausstellung «Familien im Wandel der Zeit» zur Begegnung und zum Austausch zwischen den Generationen eingeladen. Kinder und Erwachsene durften Geschichten erfinden.

Ein Spass für Jung und Alt: Kinder und Erwachsene erfinden im Museum zur Farb ihre eigenen Geschichten.

Ein Spass für Jung und Alt: Kinder und Erwachsene erfinden im Museum zur Farb ihre eigenen Geschichten. Bild: Manuela Matt

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Die zierliche Yuri ist fünf Jahre alt, Livia hingegen erst vier. Beide sind übermütig, toben sich vergnügt im Foyer des Stäfner Museums zur Farb aus. Es scheint, als könnten sie es kaum erwarten, dass es endlich losgeht. An diesem Sonntagnachmittag hat Kuratorin Nicole Peter Erwachsene und Kinder zu einem gemeinsamen Rundgang durch die aktuelle Ausstellung «Tanze, schaffe, zäme sii – Familien im Wandel der Zeit» geladen. Dabei sollen sie sich ein Museumsobjekt aussuchen und zu ihm ihre eigene Geschichte erfinden.

Im Anschluss werden diese dann den anderen Besuchern erzählt.Yuri ist in Begleitung ihres 26-jährigen Bruders Andrej Peter gekommen, der sie zu mehr Ruhe ermahnt, während die Kuratorin in der Caféteria im ersten Stock den Ablauf des Rundgangs erklärt. Als sie von Gegenständen spricht, unterbricht sie Yuri mit der Frage: «Was ist ein Gegenstand?»

Die Erklärung folgt. Livia wird ebenfalls von ihrer älteren Schwester Lena Geeler begleitet. Da sich an diesem schönen Nachmittag keine weiteren Teilnehmer für diese Veranstaltung einfinden, machen sich halt nur die beiden Geschwisterpaare auf die Suche nach Objekten, die Älteren ausgestattet mit Stift und Papierbogen, um ihre Gedanken zu notieren.

Protagonistin der Geschichte

Yuri zieht ihren Bruder zu einer Vitrine im Nebenraum, in der Utensilien von Johann Caspar Pfenninger, einer führenden Persönlichkeit im Stäfner Handel, präsentiert sind. Die silberne Gabel, Teil seines Reisebestecks, hat es der Kleinen angetan. Sie erkürt sie zur Protagonistin einer Geschichte, die aber erst im obersten Stock an einem runden Tisch, auf dem unter Glas eine Landkarte die Fluchtbewegungen im 18. und 21. Jahrhundert aufgezeigt sind, Formen annimmt.

Im Dialog mit dem älteren Bruder, der die Kleine über mögliche Beweggründe von Auswanderern aufklärt, lässt Yuri die Gabel, die im Urwald aufgewachsen ist und wo es ihr zu heiss ist, durch die ganze Welt reisen. Schliesslich landet sie in der Schweiz, genau am Spielplatz am Wipkingerplatz, so will es Yuri, und findet dort endlich neue Freunde.

Livia entdeckt die reich verzierte Standuhr. Sie steht im schönsten Raum des Museums, das in einem im 15. Jahrhundert erstellten Haus untergebracht ist und als ältestes Gebäude von Stäfa gilt. Der Raum diente einem betuchten Hausherrn, der im 18. Jahrhundert hier gelebt haben soll, als Stube.

Eine Zauberuhr vom Riesen

Das erfahren die wenigen Besucher vom ehemaligen Kustos Werner Liechti. Fast 45 Jahre stand der heute 82-Jährige als Ausstellungsmacher im Einsatz und stösst nun mit seiner Frau Erika zum Rundgang. Von Lena Geeler wird man aufgeklärt, dass Livia, die neu in den Kindergarten eingetreten ist und daher früh ins Bett muss, dies aber gar nicht schätzt. Daher hat sich die Vierjährige ausgedacht, dass sie im Wald von einem Riesen diese Zauberuhr geschenkt bekommt, bei der sie nach Wunsch die Zeit verschieben kann. Also wird Livia jeweils abends die Zeit um zwei Stunden zurückstellen, um länger aufbleiben zu dürfen.

Nicole Peter hat sich mangels Teilnehmern mit der älteren Erika Liechti, die ihre Mutter sein könnte, zusammengetan. Vor dem reich geschnitzten Holzbuffet mit Baujahr 1762, in dem in einer Nische ein blecherner Wasserbehälter mit Waschbecken einfasst sind, stellen sich die beiden vor, wie die Gäste des Hausherrn dort die Hände waschen mussten, bevor sie zu Tisch gebeten würden. Erika Liechti meint, «dass die Magd Anna jeweils den Behälter mit Wasser auszufüllen hatte».

Die Veranstaltung hat das Stäfner Museum gemeinsam mit «GiM – Generationen im Museum», einem Projekt von Migros Kulturprozent, durchführt, wie Nicole Peter erzählt hat. «Bei dem Projekt können Museen aller Arten mitmachen», sagt sie.

Verschiedene Lebenswelten

Das Besondere sei, dass neue Verbindungen zwischen Generationen oder Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten geschaffen würden. So hat die Kuratorin bereits im Mai Primarschüler aus dem Moritzberg und Senioren aus dem Alterszentrum Lanzeln im Depot des Museums zusammen geführt und sie in Gruppen ihre Geschichten zu den Gegenständen dort erfinden lassen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.08.2018, 15:30 Uhr

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