Wädenswil

Bei den Dreharbeiten tauchte plötzlich die Polizei auf

Der Wädenswiler Uwe Schwarzwälder hat als Statist in Los Angeles viel Erfahrung gesammelt, bevor er am Zürichsee seinen Erstlingsfilm gedreht hat.

Uwe Schwarzwälder in seiner Wohnung in Wädenswil, in der er wichtige Szenen seines Films gedreht hat.

Uwe Schwarzwälder in seiner Wohnung in Wädenswil, in der er wichtige Szenen seines Films gedreht hat. Bild: Moritz Hager

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Plötzlich stand eine Einheit der Zürcher Kantonspolizei im Wohnzimmer von Uwe Schwarzwälder. Die Polizisten waren offenbar von einem Nachbarn alarmiert worden, dass ein Mann mit einer Pistole seit Stunden auf der Veranda vor der Wohnung auf und ab gehe. Uwe Schwarzwälder musste der Polizei dann kleinlaut erklären, dass niemand in Gefahr war. Es handelte sich nämlich um einen Filmdreh. «Jetzt ist es schon lustig, aber den Polizisten war es damals todernst», erzählt Schwarzwälder. Er habe der Polizei hoch und heilig versprechen müssen, beim nächsten Mal solche Szenen anzumelden. Das tat der 52-Jährige dann auch, bevor er eine Kampfszene in der Au drehte. Diesmal ohne Polizeieinsatz.

Solche Fehler sind Schwarzwälder unterlaufen, weil er zum ersten Mal einen Film gedreht hat. Er ist Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in einer Person in «The Radicalization of Jeff Boyd» (dt. «Die Radikalisierung des Jeff Boyd»). Der Film erzählt in holprigem Englisch, wie der Titelheld eine extreme Abscheu vor der Finanzwelt und Rohstoffspekulanten entwickelt, bis er zu extremen Mitteln greift, um die sogenannten Herren des Universums zu bestrafen. Schwarzwälder beschreibt den Film als politische Unterhaltung.

Brenzlige Situation

Die Idee zum Film kam Schwarzwälder aufgrund der immer wiederkehrenden Schlagzeilen über die fragwürdigen Praktiken von Grosskonzernen, die auch aus der Schweiz agieren. Eine der ersten Szenen im Film ist denn auch eine antikapitalistische Demonstration. Schwarzwälder hat sie an mehreren 1.-Mai-Demonstrationen am Helvetiaplatz in der Stadt Zürich gedreht. Die Situation sei brenzlig geworden: «Plötzlich waren wir von der Polizei eingekesselt.» Da er Angst hatte,sein Filmmaterial werde konfisziert, schlüpfte er unauffällig davon.

Den grössten Teil des Filmes hat Schwarzwälder innerhalb von knapp drei Wochen im Raum Zürich abgedreht. Doch dann fügte er noch während beinahe eines Jahres immer wieder Szenen hinzu. Die Nachbearbeitung des Filmmaterials inklusive Schnitt dauerte im Anschluss nochmals etwa eineinhalb Jahre, schätzt der Wädenswiler. «Da gab es Momente der Tragik, wenn etwas nicht so zusammenpasste, wie ich mir das vorgestellt hatte.» Am Ende fand er jedoch immer eine Lösung. Die nötigen Fertigkeiten hat er sich via Erklärvideos im Internet angeeignet. Finanziert habe er die gesamte Produktion selbst, mithilfe eines Bürojobs. «The Radicalization of Jeff Boyd» ist schon an vielen kleinen Filmfestivals rund um die Welt gezeigt worden, etwa in London, Kalkutta oder New York. Das Werk hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Der offizielle Trailer des Films «The Radicalization of Jeff Boyd».

Bei zahlreichen Serien dabei

Schwarzwälder hat auch versucht, in Hollywood als Schauspieler Fuss zu fassen. «Es war schon immer mein Traum, Schauspieler zu werden.» Dieser Traum kam in Griffnähe, als er in der sogenannten Green Card Lotterie eine Aufenthaltsbewilligung für die USA erhielt. So reiste er in den Nullerjahren immer wieder nach Los Angeles, um dort als Schauspieler zu arbeiten. Sein Eintrag auf der Internetseite International Movie Database (Imdb) listet 53 Rollen auf. Er war im Hintergrund von Fernsehserien wie «The Practice» und «NCIS: Los Angeles» und in Filmen wie «Bruce Almighty» und «Die Muppets» zu sehen.

«Diese Arbeit besteht häufig aus Warten.» Am schlimmsten sei es, wenn eine grosse Szene mit vielen Statisten gedreht werde, da merke man schnell, dass man eben nicht der Hauptdarsteller sei. «Da kriegt man den ganzen Tag lang vielleicht ein Subway-Sandwich.» Ganz anders sei es auf Filmsets, die den Gewerkschaftsregeln unterstehen. «Dort hat es Imbisswagen, an denen man sich am Morgen Rührei bestellen kann.» Die Hackordnung bleibt allerdings bestehen, wie Schwarzwälder am Set der Serie «24» merken musste. Dort hatte er sich trotz Warnung eine Schale Reis geschnappt, bevor die Crew mit dem Essen fertig war. Prompt wurde er vom Set geworfen.Schwarzwälder verlor schliesslich seine Aufenthaltsbewilligung, weil er sich zu wenig in den USA aufhielt.

Nun konzentriert er sich auf seinen Film, den er bald via Video-on-Demand Plattformen wie i-Tunes für ein breites Publikum zugänglich machen will. Beim Zurich Film Festival hat sich der Erstlingsregisseur mit seinem Film mehrmals vergebens beworben. Damit «The Radicalization of Jeff Boyd»in der Schweiz trotzdem auf der Kinoleinwand zu sehen ist, plant Schwarzwälder im April einige Vorstellungen im Kino Stüssihof in Zürich.

Erstellt: 21.03.2019, 17:37 Uhr

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