Stäfa

Wenn der Broadway plötzlich am Zürichsee liegt

Der Männedörfler Schlagzeuger Thomas Bernold gastierte mit «A magic Night on Broadway» im Rössli und präsentierte mit seiner Band bekannte Melodien aus dem Great American Songbook.

Nikolaus Schmid und Veronique Spiteri zogen das Publikum mit Broadway-Hits in ihren Bann.

Nikolaus Schmid und Veronique Spiteri zogen das Publikum mit Broadway-Hits in ihren Bann. Bild: Moritz Hager

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Nicht in T-Shirts und verwaschenen Jeans, sondern geschniegelt im schwarzen Anzug mitsamt der Fliege – nur die Saxophonistin trägt keine – treten die sechs Musiker auf die Bühne. In diesem eleganten Outfit werden sie in den folgenden 90 Minuten längst vergangene Zeiten aus der amerikanischen Popmusik der 1910er-, 20er- und 30er-Jahre aufleben lassen, Zeiten, in denen die weltbekannten Melodien entstanden sind, die im Great American Songbook verewigt sind und damit der Nachwelt erhalten blieben. Gerade diese Jahre haben der Moderne mit ihrem Übermut, ihren wilden Rhythmen und ihren grellen Lichtern den Stempel aufgedrückt. Eine ganz besondere Strasse in New York verkörperte zu Beginn des 20. Jahrhunderts dieses neue Lebensgefühl: Der Broadway! Und mittendrin eine völlig neue, uramerikanische Theaterwelt, welche Drama, Musik und Tanz zu einem aufregenden Ganzen verband.

Das Gefühl und den Glamour rund um diese geniale Musik, die vielen Komponisten zu Weltruhm verhalf, hat den Männedörfler Thomas Bernold bewogen, mit Musikerkollegen das Project «A Magic Night on Broadway» zu realisieren. Der leidenschaftliche Schlagzeuger, den der Jazzvirus schon im zarten Alter von acht Jahren befiel, schart seit 50 Jahren mit der Band Rebecca & The Sophistocats erfahrene Musiker um sich, die in erfolgreichen Formationen und wechselnden Programmen in und um Zürich spielen. Als «Timescope Musicw standen sie am Freitagabend auf der Stäfner Rösslibühne.

In den Fussstapfen von Fred Astaire

Während sie die ersten Takte des Songs „Puttin’ on the Ritz“ anschlagen, springt die quirlige Veronique Spiteri aus dem Dunkel des Saals die Bühnenstufen hinauf ins Rampenlicht und stimmt diesen Klassiker an. Fred Astaire hat dem Song bereits 1926 zur Unvergesslichkeit verholfen, und sogar Robbie Williams nahm ihn 2013 in eines seiner Alben auf. Die Sängerin mit englischen Wurzeln, in weisser Bluse und weit geschnittener Hose, hat nicht nur eine sensationelle Stimme, sie brilliert auch mit ihrem Steptanz:  Das mitreissende «Get Happy», einst von Judy Garland gesungen, interpretiert sie singend und tanzend in einem Tempo, dass es einem den Atem verschlägt. Daneben kokettiert sie mit schauspielerischen Einlagen. Denn das Programm wird dem Publikum mit kleinen historischen Rückblenden und Projektionen serviert, deren Moderation sich Spiteri mit Schauspieler und Sänger Nikolaus Schmid teilt.

So erfährt man, dass der Hit «Alexander’s Ragtime Band» aus dem Jahr 1907, der erste Song aus der Feder des jüdischen Amerikaners Irving Berlin war, der vom Strassenjungen zu einem der bekanntesten Komponisten seiner Zeit aufstieg. Berlin hinterliess über 1000 Songs und starb 1989 mit 101 Jahren. Im Duett ertönen «Making’ Whoopee», mit dem in den 1920er Jahren Eddie Cantor zum Star wurde, oder George Gershwins «Swanee», das dieser 1919 in nur 15 Minuten während einer Busfahrt niedergeschrieben haben soll. Sein «Summertime» aus dem Musical Porgy and Bess, als Solo von Veronique Spiteri in Begleitung des Pianisten vorgetragen, ist der meist gecoverte Song der Musikgeschichte, wie Entertainer Nikolaus Schmid erzählt. Es existierten 73'000 Aufnahmen davon.

Längst vergangene Zeit

Die Songs erlauben den Musikern immer wieder solistische Improvisationen: Denise Steinegger auf ihrem Tenorsaxofon, Philipp Rellstab mit seinen Trompetenarrangements, Richard Pechota am Bass und Immanuel Witschi am Flügel. Einzig Bandleader Thomas Bernold bleibt mit seinem Schlagzeug als Rhythmusgeber im Hintergrund, zumal er auch physisch am Bühnenrand aufgestellt ist.

Der Grossteil der Bühne bleibt den beiden Sängern überlassen: Mit «All the Things you are», «You are the Top“ und vielen Hits mehr versetzen sie diese Zeitzeugen einer überbordenden Kreativität aus einer längst vergangenen Zeit in die Gegenwart und haben ihr Publikum damit begeistert und berührt. Der anhaltende Schlussapplaus bewies es.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.04.2019, 17:38 Uhr

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