Uetikon

Wenn der Alltag aus den Fugen gerät

Schlag auf Schlag geht es zu und her in der diesjährigen Produktion des Dramatischen Vereins Uetikon. «Floh im Ohr» von Georges Feydeau feierte am Samstag seine Premiere.

Heinz Brunner als Carlos Homenides de Histangua zeigt sein spanisches Temperament an Gege Kunz als Emmanuel Chandebise.

Heinz Brunner als Carlos Homenides de Histangua zeigt sein spanisches Temperament an Gege Kunz als Emmanuel Chandebise. Bild: David Baer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es läuft Emmanuel Chandebise nicht mehr recht beim Konjugieren und Deklinieren der «ehe­lichen Grammatik»: Im entscheidenden Moment versagt ihm ­seine Physis ihren Dienst. Umso mehr überrascht den Geknickten ein anonymer Liebesbrief. Von einer «Dummheit, die ich mit Ihnen begehen will» sprechen die Zeilen. Dafür soll er sich in dem nicht über alle Zweifel erhabenen Etablissement Pussy Cat einfinden. Während sich Chandebise noch wundert, lässt sein Freund und Geschäftspartner Romain Tournel seinen amüsiert-hämischen Spitzen freien Lauf. War­um sollte sich auch eine Frau in den hässlichen Chandebise verlieben – wo er, Tournel, doch der allseits Begehrte sei.Ja, warum auch? Und was hätte er der Unbekannten schon zu bieten, angesichts seines eben etwas, na ja, delikaten Problems?, pflichtet ihm Chandebise schliesslich bei – solle doch der Freund der mysteriösen Einladung folgen, der Brief habe wohl ohnehin dem attraktiven Frauenschwarm gegolten.

Eifersüchtige Gattin

Keine gute Idee, wie sich bald her­aus­stellen wird. Damit nämlich gerät vollends aus den Fugen, was Chandebises Ehefrau, an­gestachelt durch ihre Eifersucht, bereits in Lauf gesetzt hat. Dieser sind die körperlichen Unpässlichkeiten ihres Gatten nicht verborgen geblieben. Verausgabt er sich, für dessen Treue sie bis vor kurzem noch die Hand ins Feuer gelegt hätte, etwa mit einer Anderen? Eine Vermutung, die sich ihr als immer penetranter werdender Floh ins Ohr setzt. Ein Paar Hosenträger, dem Mann per Post nach Hause gesandt, bringen das Fass zum Überlaufen – sagt doch der Absender des Pakets – Hotel Pussy Cat – alles. Et voilà: Schnell ist die Freundin angestiftet, um den Liebesbrief zu schreiben, der den Mann überführen soll: Dies die Ausgangslage der Komödie «Floh im Ohr» des französischen Dichters Georges Feydeau. Der Dramatische Verein Uetikon hat sich heuer des Stücks angenommen – am Samstag hat er damit im ausverkauften Riedstegsaal seine Premiere gefeiert.

Überzeugende Figuren

Nachdem die Hosenträger von Chandebise den Stein ins Rollen gebracht haben, wird das Publikum gut zwei Stunden lang Zeuge, wie sich die Figuren immer mehr in Missverständnisse, Verwechslungen, Irrungen und Wirrungen verstricken. Niemand auf der Bühne bleibt von der ehelichen Abrechnung verschont. Das ist für die Zuschauer schlicht grandios mitzuerleben – ein Vergnügen, das der aus­gezeichneten Spielweise der 14 Laienspieler geschuldet ist. Sie gehen in ihren Figuren auf, verstehen es, ihre Charaktere in Mimik, Gestik und sprachlichem Ausdruck absolut überzeugend herauszuschälen. Bei der gezeigten Komödie ist dies denn auch essenziell. Schnelle Dialoge, die präzise aufeinander abgestimmt sein müssen, die richtige Be­tonung, um Witz, Ironie, Ent­setzen oder Überraschung zu zeigen, körperliche Fitness – all dies verlangt das Stück, das übrigens vor ziemlich genau 111 Jahren in Paris uraufgeführt wurde.

Sehenswert ist die Uetiker Inszenierung unter der Regie von Christof Oswald wegen jeder einzelnen Rolle. Nicht nur die Hauptdarsteller Gege Kunz, dieser in anspruchsvoller Doppelrolle als Chandebise und Hausknecht, Hubert Basler als Tournel oder Corsin Sac als Doktor Finache gilt es, stellvertretend für die anderen, zu erwähnen, auch die Nebenrollen sind eine Freude mitzuerleben. Susanne Böckli als wenig motivierte Hotelangestellte Eugenie erntete gar Szenenapplaus, Heinz Brunners spanisches Temperament gab der ohnehin rasanten Vorstellung noch einen Zacken drauf. Hervorzuheben ist aber doch jemand: Marco Landolt alias Sekretär Camille, der aufgrund eines Sprachfehlers nur Vokabeln aussprechen kann – das gelingt Landolt denn auch durchs Band. Regisseur Oswald zeigte sich zufrieden mit der Umsetzung der herausfordernden Komödie. Dreimal pro Woche hatten er und das Ensemble seit September geprobt – es hat sich gelohnt, wie der begeisterte Premierenapplaus bewiesen hat.


Weitere Vorstellungen. Februar: Dienstag, 13.; Freitag bis Sonntag,16. bis 18.; Mittwoch, 21.; Freitag, 23.; Dienstag, 27. ­– März: Freitag bis Sonntag, 2. bis 4.; Dienstag, 6.;Freitag und Samstag, 9. und 10. (zsz.ch)

Erstellt: 11.02.2018, 14:48 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!