Küsnacht

Wenn das Ortsmuseum Töne zeigt

Ortsmuseum und Musikschule haben sich zusammengetan und ihre Türen geöffnet. Im Rahmen der Veranstaltung «Klingende Museen» gab es Einblicke in Entstehendes – in vielerlei Hinsicht.

Instrumente kennen lernen und das Ortsmuseum akustisch erleben – beides war in Küsnacht möglich.

Instrumente kennen lernen und das Ortsmuseum akustisch erleben – beides war in Küsnacht möglich. Bild: Michael Trost

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Darauf ist selbst der Lehrer nicht ganz gefasst gewesen. Christian Hertel zuckt jedenfalls mit einem überraschten Lachen zusammen. Und auch die übrigen in dem Raum anwesenden Personen zeigen ein kurzes, bald heiteres Erschrecken. Ihre Blicke richten sich auf Hertels Saxofon. Einem Weckruf gleich ist daraus ein Ton erklungen. Nicht vom Küsnachter Musiklehrer selber hervorgebracht, sondern von einem Mädchen im Unterstufenalter. Dessen zierliche Erscheinung denn auch umgekehrt proportional zur Lautstärke des erzeugten Tons steht. Die Schülerin versucht sich in jenem Moment zum ersten Mal überhaupt am Blasinstrument. Die Zuhörer rundum hatten wohl eher mit einem weniger prägnanten Ton gerechnet.

Unerwartete, schräge, laute oder auch nur einem Lufthauch gleichende Töne erklingen auch aus zahlreichen anderen Ecken des Gebäudes am Küsnachter Tobelweg. Anlass dazu ist die öffentliche Instrumentenvorstellung der dort beheimateten Musikschule der Gemeinde – aber nicht nur: Der vergangene Samstag stand daselbst auch im Zeichen der Veranstaltung «Klingende Museen». Diese hat am Wochenende kantonsweit an 20 verschiedenen Standorten stattgefunden.

Linien, Pfeile, Kreise

Dass auch Küsnacht dazu gehört, scheint schon fast auf der Hand zu liegen. Ist doch im ehemaligen Mühlegebäude nicht nur die Musikschule, sondern auch das Ortsmuseum zu Hause. Damit aber, dass in einigen Räumlichkeiten der Dauerausstellung Flöten erprobt werden, war es mit dem Erklingen-Lassen des Museums nicht getan.

Im Untergeschoss desselben arrangiert Cellolehrerin Theres Christ ein paar Stühle: für sich und ihre fünf Schüler und für einige Zuschauer. Derweil gruppiert sich um Elisabeth Abgottspon eine Handvoll Leute. Die Museumskuratorin hält ein A4-Blatt in den Händen. Darauf: kreativ-chaotisch angeordnete Linien, Pfeile, Kreise – und dazwischen in rasanter Handschrift geschriebene Begriffe wie «Kies», «Flachdächer» oder «Trockenwiesen»: zum Ausstellungsplan geronnene Gedankengänge zur neusten Sonderausstellung. Sie wird an ebendieser Stelle in gut zwei Wochen zum Thema «Natur in Siedlungsräumen» eröffnet werden. Noch aber ist sie am Entstehen.

Blick hinter die Kulisse

Die Kuratorin nutzt den Anlass, um die Anwesenden hinter die Kulissen ihrer Arbeit blicken zu lassen. Da ist etwa die Gestaltung mit einem grünen Band, das sich durch den Raum zieht. Es soll die Besucher zu Ausstellungsmodellen führen, die verschiedene Lebensräume im Siedlungsgebiet veranschaulichen. Dahinter wiederum liege der Gedanke, den Reichtum an Lebewesen in der unmittelbaren Umgebung aufzuzeigen. «Ich war selber überrascht», sagt Abgottspon, «dass dieser grösser ist als auf landwirtschaftlichen Flächen.» Neu sei für sie auch gewesen, dass zahlreiche Pflanzen, an denen man gerne achtlos vorüber gehe, essbar seien – Gundelrebe, Brennnessel und so weiter: Stichworte, die unter ihren Zuhörenden sogleich für Diskussion sorgen. «Die Brennnessel ist der Klassiker», wirft eine Dame ein, «viele Leute reissen sie aus, dabei ist sie so nährstoffreich.» Sagt es und lässt gleich ein paar Rezeptvorschläge folgen. In der neuen Sonderausstellung wird eine Hörstation mehr über diesen Aspekt einbringen. Sinnlich erfahrbar werden soll zudem, was sich des Nachts um das Ortsmuseum herum bewegt. Die Kuratorin hat sich dafür den Einsatz einer Fotofalle und eines Futtertunnels einfallen lassen.

Abgottspon hat die Ausstellung unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Naturnetz Pfannenstil und dem Natur- und Vogelschutzverein Küsnacht konzipiert. Letzterer feiert heuer sein 80-jähriges Bestehen. «Das war ein Grund für das Ausstellungsthema», sagt sie. Daneben habe sie gefunden, die Zeit sei wieder mal reif für ein Naturthema.

Natur in der Musik

Das Ausstellungsthema habe auch sie umsetzen wollen, sagt kurz darauf Cellolehrerin Christ. Um dann mit ihren Schülern eine musikalische Etüde über Krebse zum Besten zu geben. Das Kurzkonzert, dem noch einige Schreit- und Springtänze aus verschiedenen Ländern folgen, ist eines von vielen an diesem Tag. Damit zeigt die Musikschule, was entstehen kann, wenn sich Kinder denn auch für ein Instrument entscheiden.

Damit kann man offenbar weder zu früh noch zu spät beginnen. «Die Anfragen von Erwachsenen boomen», sagt Schulleiter Peter Renfordt. Aber auch die musikalische Früherziehung zieht an diesem Anlass einige Interessenten an. «Sie fördert die Feinmotorik, das Gehör, aber auch das soziale Verhalten und die Persönlichkeitsentwicklung», sagt die zuständige Lehrerin Allegra Zumsteg. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.05.2019, 10:32 Uhr

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