Küsnacht

Bald fliesst das Zumiker Abwasser nach Küsnacht

65 Millionen Franken haben die Gemeinden am Unteren Zürichsee in den letzten Jahren in die ARA in Küsnacht und die Werke investiert. Nun steht deren Erweiterung und Modernisierung vor dem Abschluss.

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Es ist ein eigenartiger Kontrast: schneeweiss leuchtet das Federkleid einer Ente, die gemütlich in einem der Küsnachter Klärbecken umherschwimmt. Dieses ist bis zum Rand mit dunklem Wasser gefüllt. «Hier gibt es öfters Enten», erzählt der Küsnachter Tiefbauvorsteher und Präsident der ARA-Betriebskommission Walter Matti (parteilos) an einem Medienrundgang. Es handle sich um ein Nachklärbecken.

Tatsächlich offenbart ein zweiter Blick, dass das Wasser zwar dunkel, aber frei von Fäkalienrückständen ist. Es besteht also keine Gefahr, dass sich der Wasservogel kontaminiert.

Direkt neben den im Freien liegenden Becken fällt der Blick auf ein stattliches neues Gebäude aus Alublech in hellen Naturfarben. Parallel zu den S-Bahngleisen, dort, wo sich früher die hölzerne Wasserwerkscheune befand, steht nun die neue Fernwärmezentrale, mit der Gebäude in Küsnacht und Erlenbach CO2-neutral geheizt werden können.

Laut dem Küsnachter Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) können dank der Fernwärme jährlich sogar 2000 Tonnen CO2 eingespart werden. Mit dem Bau der Zentrale stehen Abwässer und Heizen neu in einem engen Zusammenhang. Mithilfe von Wärmepumpen wird gereinigtes Abwasser auf etwa 70 Grad erhitzt und in die Liegenschaften weitergeleitet. Dort wird dem Wasser ein Teil dieser Wärme wieder entzogen und so geheizt.

Gaskessel für den Notfall

In der Fernwärmezentrale selbst befindet sich ein Raum mit Wärmepumpen, Rohren und einem länglichen Wärmeaustauscher in silbergrau. Bald soll noch ein weiterer solcher Raum entstehen, um die Kapazität zu erhöhen. Doch allein auf die Abwärme des Abwassers will sich der Betreiber, die Werke am Zürichsee AG, nicht verlassen. Im Gebäude befinden sich zusätzlich zwei rote Gaskessel. Sie sind eine Art Versicherung. «Damit wir auch im Winter bei einer Spitzenlast den Heizbedarf abdecken können, sind Gaskessel installiert», erläutert Ernst. In den Häusern selbst werden künftig keine grossen Heizkessel mehr benötigt. Ein kleiner Kasten, die Fernwärme- Übergabestation soll genügen.

Ab diesem Sommer läuft die Versorgung mit Fernwärme. «Es war unser politischer Wille, dass es keine Anschlusspflicht gibt», erklärt Ernst. Trotzdem gebe es schon 80 unterzeichnete Wärmelieferverträge. Versorgt werden können allerdings aus technischen Gründen nicht alle Küsnachter. Im Westen reicht das Gebiet bis kurz vor den Dorfbach, während es in Erlenbach etwa bis zu Migros und Coop geht. Bergseitig verläuft das Areal etwa bis zur Alten Landstrasse/Rainweg. Eine Ausnahme bildet der Küsnachter Dorfplatz: Da dort im Untergrund entsprechende Apparatuen angebracht wurden, werden künftig auch das Gemeindehaus, die reformierte Kirche und die Kanti mit Abwärme aus der Ableitung beliefert.

Verzögerung als Chance

Wenn man von der Fernwärmezentrale aus in den unterirdischen Werkteil steigt, empfängt einem ein beissender Geruch. Hier wurden drei neue Klärbecken erstellt, um die mit dem Zumiker Anschluss steigende Menge an Abwässern zu bewältigen. Zwei der drei Becken sind schon gefüllt. Es handelt sich bei ihnen um so genante biologische Becken. «Hier arbeiten Bakterien für uns», erklärt Hanspeter Amsler, Leiter der ARA KEZ. Die Vorreinigung mit einem Rechen fände hingegen noch im alten Teil der ARA statt.

Doch auch dieser Teil der Anlage wurde im Zuge des Neubaus modernisiert, etwa mit Biofiltern versehen. Eine Erneuerung, die im ursprünglichen Projekt nicht vorgesehen war. «Die Verzögerung war auch eine Chance», sagt Walter Matti. So habe man neue Ideen prüfen können.

Ebenfalls in den letzten Zügen ist die Fertigstellung der Sammelstelle für Wertstoffe. Das Gebäude, das an der Ecke Gartenstrasse /Seestrasse auf dem ARA-Gelände steht, wird am 22. Juli in Betrieb genommen. Der Neubau der Sammelstelle kostete vergleichsweise günstige 1 Million Franken. Doch insgesamt haben die Gemeinden in den letzten Jahren 65 Millionen Franken für die Erneuerung des Geländes und den Anschluss von Zumikon auf den Tisch gelegt.

Anschliessend muss nur noch die ARA in Zumikon rückgebaut werden, was bereits vorbereitet ist und bis 2020 realisiert werden soll. Mit der Einführung der so genannten fünften Reinigungsstufe steht allerdings bereits ein neues Projekt an. Bei dieser gesetzlichen Vorgabe geht es darum, dass etwa Rückstände aus Medikamenten oder Hormone aus den Abwässern gefiltert werden.

Erstellt: 19.06.2019, 15:51 Uhr

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Zehn Jahre Werke am Zürichsee

Vor zehn Jahren schlossen die Gemeinden Küsnacht, Erlenbach und Zollikon ihre Werke zusammen. Mittlerweile beliefern die Werke am Zürichsee die drei Gemeinden mit einem unterschiedlichen Angebot. Die meisten Dienstleistungen gibt es für die Standortgemeinde Küsnacht, die Strom, Gas, Wasser, Telefonie und Internet sowie Fernwärme von der AG an der Freihofstrasse bezieht. «Die Infrastruktur liess man mit den Netzanstalten im Besitz der Gemeinden, aber mit den Werken am Zürichsee gibt es einen gemeinsamen Betreiber», erläutert Verwaltungsratspräsident Markus Gericke das Firmenkonstrukt an einem Mediengespräch.

Gericke lobt vor allem die Synergieeffekte, die durch die Zusammenlegung entstanden sind. Etwa bei der Zusammenlegung von Rechnungslegung und Kundendienst oder auch dadurch dass es neu nur noch eines statt drei Werkgebäuden braucht. «Das führt dazu, dass man überall Geld einsparen kann», sagt er. Man habe sogar Gewinne an die Bevökerung rückerstatten können. So zahlte das Unternehmen, das zuletzt einen Umsatz von 67 Millionen machte, über drei Jahre 5 Millionen Franken in Form von Rabatten zurück.

Weniger erfolgreich waren die Werke damit geographisch zu expandieren: eine Aufnahme Männedorfs in den Verbund lehnte die Gemeindeversammlung im Jahr 2015 ab. Eine künftige Herausforderung stellt die Energiestrategie 2050 für die Werke dar, wenn der Kunde seinen Stromanbieter selbst wählen kann. «Das ist einiges an Organisation und wir müssen es lange im Voraus planen», sagt Gericke. (phs)

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 6. Juli findet der Tag der offenen Tür der Werke am Zürichsee AG sowie des Zweckverbands ARA Küsnacht-Erlenbach-Zumikon statt. Besucher können die ARA, die Fernwärmezentrale und die neue Wertstoffsammelstelle in Küsnacht besichtigen. Zusätzlich gibt es noch Attraktionen wie eine Hebebühne und einen Hau-den-Lukas-Stand. Für das leibliche Wohl wird ebenfalls gesorgt. Da vor Ort keine Parkplätze vorhanden sind, empfiehlt sich die Anreise mit dem ÖV, am besten vom Bahnhof Erlenbach aus. (phs)

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