Meilen

Wendegleis-Streit geht in die nächste Runde

Anwohner des neuen Wendegleises beim Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen beklagen sich über den Lärm, der durch das Abstellen der S16 verursacht wird. Nun gelangen sie mit ihrem Anliegen ans Bundesamt für Verkehr.

Ein geschlossener Zug der S16 auf dem Weg zum Wendegleis.

Ein geschlossener Zug der S16 auf dem Weg zum Wendegleis. Bild: Sabine Rock

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Seit dem Frühsommer ist das neue Wendegleis beim Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen fertig gestellt. Mit dem Ende der Bauarbeiten ist aber nicht etwa Ruhe eingekehrt im Gebiet zwischen der General-Wille- und der Heerenstrasse in Feldmeilen. «Jetzt quietscht und rattert es erbärmlich, wenn die S16 auf das Wendegleis geschoben wird - und zurück, also viermal pro Stunde, Tag und Nacht, sieben Tage die Woche.» So beschreibt es ein Anwohner in einem Leserbrief, der im Meilemer Anzeiger abgedruckt wurde. In einem weiteren Leserbrief heisst es gar, die Traumwohnung sei zur «Albtraumwohnung» geworden, an erholsamen Schlaf sei nicht mehr zu denken.

Für die Anwohner ist vor allem unverständlich, dass alle Züge der S16 auf das Wendegleis gefahren werden. Schliesslich habe die SBB vor Baubeginn in einer Medienmitteilung geschrieben, auf dem neuen Wendegleis werde die S16 nur abgestellt, während die neue S20 den Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen passiere. Dies ist am Morgen viermal und am Abend dreimal der Fall. Nun wird aber jede halbe Stunde eine Zugkomposition auf das Wendegleis verschoben, und bleibt dort, bis sie den Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen wieder in Richtung Flughafen verlässt.

Auch stehende Züge lärmen

Laut SBB-Sprecher Martin Meier entspricht die Nutzung des Wendegleises dem öffentlich aufgelegten Projekt. «Die S16 steht im Wendegleis, bis sie wieder in Umlauf gebracht wird», schreibt Meier. So könne einerseits die S20 überholen und zudem blieben im Bahnhof Herrrliberg-Feldmeilen beide Gleise betrieblich nutzbar. Ausserdem kann die Abfahrt der S16 neu ab Gleis 2 statt ab Gleis 3 erfolgen. Dies kommt auch den Zugpassagieren zu guten, denn laut Meier wird so die Stabilität des Fahrplans – und damit auch die Pünktlichkeit – verbessert. Ausserdem hält der SBB-Sprecher fest, dass das Abstellen eines Zuges in der Nacht nicht vorgesehen sei.

In der Meilemer Lokalzeitung beschreiben in Leserbriefen mehrere Anwohner die Lärmquellen, die für sie stark belastend seien: Einerseits verursacht das Verschieben des Zugs auf das Abstellgleis unangenehmen Lärm. Aus dem Vorbeigleiten sei aufgrund der neuen Weiche ein Vorbeirattern geworden, schreibt einer der Anwohner.

Anderseits zische und brumme der stehende Zug auch auf dem Abstellgleis vor sich hin. Wie er von der SBB erfahren habe, seien für diese Geräusche Klimaanlagen, Ventilatoren und Kompressoren der Bremsen, verantwortlich. Das Problem der sogenannten «Schnarchzüge» ist bereits aus Rapperswil bekannt.

Beschwerde beim BAV

Schon vor Baubeginn des Wendegleises haben Anwohner das Projekt bis vor Bundesgericht bekämpft – ohne Erfolg. 2017 wurde ihre Beschwerde von der obersten Instanz abgewiesen, mit mehrjähriger Verzögerung konnte das Projekt schliesslich im Frühjahr abgeschlossen werden.

Doch der Kampf der Anwohner geht weiter. Nachdem die Anwohner von den SBB mehrfach hören mussten, dass gegen den Lärm nichts zu machen sei, haben zwei von Ihnen nun beim Bundesamt für Verkehr (BAV) ein Rechtsverfahren beantragt. Dies zeigt ein Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Anstandsverfahren, in welchem das BAV als Aufsichtsbehörde der SBB beide Parteien anhören und danach über allfällige Massnahmen entscheiden wird. Das BAV konnte auf Anfrage keine Auskunft zum Verfahren geben. Aus Sicht der Anwohner wäre die Lösung einfach: Alle Betroffenen wären damit einverstanden, wenn sich die SBB bereit erklären würde, die S16 nur dann auf das Wendegleis zurückzustellen, wenn die S20 durchfährt. «Wir wollen nur keinen durchgehenden Lärm», sagt einer der Anwohner.

In den Streit eingeschalten hat sich auch der Meilemer Gemeinderat. Mitte Juli habe er die SBB gebeten, Lärmmessungen vorzunehmen und über weitere Schritte in Kenntnis gesetzt zu werden, sagt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Ob die Messungen nun bereits gemacht wurden, weiss er nicht. Man sei darüber informiert worden, dass es den SBB wegen des laufenden Rechtsverfahrens nicht möglich sei, Angaben zum Stand der Abklärungen oder zu möglichen Massnahmen zu machen. Damit ist klar: Fortsetzung folgt.

Erstellt: 22.08.2019, 18:18 Uhr

Anwohner protestierten in Rapperswil erfolgreich

Der Standlärm von S-Bahn-Zügen sorgt nicht zum ersten Mal für Ärger am Zürichsee. Am Bahnhof Rapperswil protestierten Anwohner, aber auch die Stadt Rapperswil-Jona selbst, vor einigen Jahren mit Erfolg gegen die sogenannten «Schnarchzüge». Allerdings brauchten sie dafür einen langen Schnauf: Der Streit durchlief in den Jahren von 2011 bis 2015 mehrere Rechtsinstanzen.

Weil der Bahnhof Rapperswil über mehrere Abstellgleise verfügt, stand vor allem der Standlärm während der Nacht im Vordergrund des Streits. 2015 wies das Bundesamt für Verkehr die Schweizerischen Bundesbahnen an, den Lärm zu reduzieren. Das Bahnunternehmen wurde unter anderem verpflichtet, die lärmigsten Züge so weit weg von sensiblen Wohnzonen, wie es die Betriebsabläufe zulassen, abzustellen. Zudem müssen seitdem leise Fahrzeuge den Lärm der lauten abschirmen. Sowohl die Anwohner als auch die Stadt wollten auf den Bau von Lärmschutzwänden verzichten - diese müssten nämlich eine Höhe von sechs Metern aufweisen, um den Lärm sinnvoll abzuschirmen. (ckn)

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