Küsnacht

Weisse Ritterin im digitalen Krieg

Die israelische Datensicherheits-Spezialistin Shira Kaplan will von Küsnacht aus den Schweizer Markt erobern. Zu diesem Zweck hat sie mit einer Partnerin die Firma Cyverse gegründet.

Für Shira Kaplan ist das Sicherheitsbewusstsein in der Schweiz bezüglich der Cyberkriminalität noch unterentwickelt: Hier will die Israelin mit der Firma Cyverse ansetzen.

Für Shira Kaplan ist das Sicherheitsbewusstsein in der Schweiz bezüglich der Cyberkriminalität noch unterentwickelt: Hier will die Israelin mit der Firma Cyverse ansetzen. Bild: Dagmar Caminada

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«Der Cyberkrieg findet statt, hier und jetzt, und er läuft auf vollen Touren»: Die Israelin Shira Kaplan weiss, wovon sie spricht. Sie hat zwei Jahre im Geheimdienst der israelischen Armee gedient, als Datenanalystin in der Einheit für neue Technologien. Dass Israel in den letzten Jahren zum weltweiten Hotspot für eine noch junge Sicherheitsindustrie gegen Cyberattacken geworden ist, die bereits an die 400 Start-ups hervorgebracht hat, erstaunt angesichts der strategisch exponierten Lage des Landes nicht.

Terror lauert im Netz

Diese Jungfirmen, deren hoch spezialisiertes Know-how meist der israelischen Armee entspringt, beschäftigen sich ausschliesslich mit der Entwicklung von Strategien und Software für Unternehmen, die sich gegen Hackerangriffe und Viren im Netz schützen wollen. Das Geschäft boomt, die Nachfrage steigt.

Die Rolle von Shira Kaplan in diesem Feldzug gegen die digitale Unterwelt ist relativ einfach: Sie sieht sich als Türöffnerin für Schweizer Firmen mit IT-sicherheitskritischer Umgebung und einem Bedarf an professioneller Beratung in Sachen Cyber Security. Für Kaplan lauert der Terror des 21. Jahrhunderts im Netz. Laut dem US-Wirtschaftsmagazin «Forbes»beträgt der Schaden, den Cyberkriminalität bei Firmen weltweit anrichtet, jährlich rund 9000 Milliarden Franken, Tendenz schnell steigend.

In der Schweiz kam Shira Kaplan, die in Harvard und St. Gallen studiert hat (MBA), mit der Tech-Unternehmerin Anat Bar-Gera in Kontakt. Mit der in Erlenbach wohnhaften 58-jährigen Israel-Schweizerin hat Kaplan vor gut einem Jahr in Küsnacht die Firma Cyverse aus der Taufe gehoben. In der Schweiz entwickle sich das Bewusstsein für diesen virtuellen Gefahrenherd nur langsam: «Die Schweiz war im Gegensatz zu Israel immer ein Hort des Friedens.» Das Sicherheitsdenken sei hier viel weniger ausgeprägt.

Die 33-jährige Ökonomin, die einst für die Privatbank Julius Bär in Tel Aviv arbeitete, sorgt dafür, dass die hiesigen Kunden mit den richtigen Problemlösern in Israel zusammenkommen. Zu deren Inventar gehört etwa eine Software, mit der das Verhalten von Mitarbeitenden in Onlinekanälen analysiert werden kann, oder biometrische Identifikationen, die es erlauben, die Nutzer von digitalen Portemonnaies anhand des Umgangs mit der Tastatur ihres mobilen Gerätes zu bestimmen. Hoch im Kurs ist bei Schweizer Banken aktuell auch eine Software, die nach Schwachstellen in Programmiercodes sucht.

Zu den Interessenten und Abnehmern von Shira Kaplans und Anat Bar-Geras Angebot respektive demjenigen ihrer Firma Cyverse gehören hierzulande denn auch in erster Linie die Grossbanken, die Pharmaindustrie, Unternehmen aus dem Energiesektor sowie Firmen, die sich mit Finanztechnologien beschäftigen (Fintech). Kaplan hatte schon früh erkannt, dass unser Land im Bereich «Sicherheit im Netz» einen weissen Fleck darstellt, und sieht sich in dieser Hinsicht hierzulande deshalb nicht nur in einer Art Pionierrolle, sondern hat auch ein grosses Marktpotenzial geortet. Vor kurzem habe Cyverse ein sehr grosses und schnell wachsendes Schweizer Unternehmen mit einem israelischen Start-up zusammengebracht: «Die Zusammenarbeit war schon nach kurzer Zeit besiegelt, da aufseiten des Schweizer Unternehmens ein enormes Bedürfnis nach fertigen Lösungen und Technologien spürbar war.» Da brauche Cyverse nicht mehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Einen weiten Weg zu gehen

Allerdings ist die Firma erst seit kurzem auf dem Markt und von daher beim Zielpublikum noch relativ unbekannt. Diese Lücke gilt es mit grossem persönlichem Einsatz und permanentem Klinkenputzen zu schliessen. Langfristig setzen sich Kaplan und Anat Bar-Gera ambitiöse Ziele: Sie wollen in der Schweiz die Nummer-eins-Adresse als Ansprechpartner für die Finanzindustrie und für «Big Pharma» im Bereich Cyber Security werden. Das Insiderwissen über den israelischen Markt habe hier sonst niemand, gibt sich Kaplan selbstbewusst. Den Weg dahin bezeichnet sie allerdings als noch weit, «denn in der Schweiz basiert jede gute Geschäftsbeziehung auf Reputation und Vertrauen». Erst das mache den Aufbau von langfristigen und nachhaltigen Kundenbeziehungen überhaupt möglich. Ob die beiden diesen Weg bis zum Schluss von Küsnacht aus verfolgen werden, ist ungewiss: «Es ist eine schöne Gegend, aber für eine im Bereich Cyber Security tätige Firma ist die Umgebung fast zu ruhig.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.02.2016, 17:00 Uhr

Europäischer Brückenkopf

Zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Anat Bar-Gera hat Shira Kaplan im Januar 2015 die Firma Cyverse in Küsnacht gegründet. Laut Kaplan schreibt das komplett eigenfinanzierte Unternehmen bereits schwarze Zahlen. Kaplan geht davon aus, «dass wir spätestens ab 2017 einen schönen Profit erzielen».

Vorerst gehe es aber vor allem darum, vom Zürichsee aus einen europäischen Brückenkopf für israelisches Datensicherheits-Know-how zu errichten. Dabei diene das Start-up als Plattform, um das Wissen der israelischen Firmen über Cyber Security auch für Schweizer Firmen verfügbar zu machen und es gezielt einzusetzen. Sie hielten auch nicht aktiv Ausschau nach Investoren, «weil wir zu 100 Prozent an das glauben, was wir tun», betont Kaplan. Falls sich eines Tages aber ein Investor melde, «der das Thema Einsatz von Cyber-Security-Technologien in der Schweiz für ein interessantes Geschäftsmodell hält, werden wir ihn mit offenen Armen empfangen». (ths)

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