Valentinstag

Zwei, die Feuer und Flamme füreinander sind

Die Familie, das Geschäft und die Feuerwehr: Es gibt kaum einen Moment, den das Ehepaar Yvonne und Reto Bont nicht teilt. Zu viel wurde es für die beiden nur einmal – und nur für kurze Zeit. Ein Porträt zum Valentinstag.

Auch in der Feuerwehr gemeinsam unterwegs: Yvonne und Reto Bont aus Herrliberg.

Auch in der Feuerwehr gemeinsam unterwegs: Yvonne und Reto Bont aus Herrliberg. Bild: Manuela Matt

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Yvonne Bont hört die Bemerkung immer wieder. Halb bewundernd, halb abwehrend äussern sie Kolleginnen, Kundinnen ihres Gartenbaugeschäfts und andere Geschlechtsgenossinnen ihr gegenüber: «Das könnte ich nie.» Sie meinen damit nicht einmal so sehr, sich ständig für die unplanbaren Feuerwehreinsätze bereitzuhalten. Auch nicht, dabei brand- oder unfallverletzte Menschen in der Nähe zu wissen.

Sondern vielmehr: das Engagement für die Feuerwehr gemeinsam mit dem Ehemann zu betreiben, und das schon seit Längerem. Sowie mit diesem ein eigenes Geschäft zu führen. Und den Freundeskreis mit ihm zu teilen, wie auch die meisten der verbleibenden Freizeitaktivitäten. Also tagein, tagaus und fast permanent als Paar zu agieren.

Viele Gespräche als Basis

Dies ist der Lebensentwurf von Bont. So selbstverständlich ist er für sie, wie für andere Frauen das Bedürfnis nach Ehemann-freien Zonen im Alltag. Für Frischverliebte halten könnte man im ersten Moment die Herrlibergerin und ihren Mann Reto – die sich am heutigen Valentinstag womöglich mit Schokoladeherzen und Blumen beschenken. Doch mit ihren schon bald 24 gemeinsamen Jahren, davon 19 Ehejahre, passen sie nicht recht in diese Kategorie. «Wir reden viel miteinander», liefert die 42-Jährige eine Erklärung für das Funktionieren ihrer fast schon symbiotischen Ehe, «die Diskussion geht uns nie aus.» Was sie etwa bei den gemeinsamen Feuerwehreinsätzen erlebt hätten, würden sie seit je am Familientisch, gemeinsam mit den drei Töchtern, besprechen. «Damit verarbeiten wir die Ereignisse, das schweisst zusammen.»

«Wir haben das ganze Jahr über Gelegenheit, uns unsere Liebe zu bezeugen.»
Yvonne und Reto Bont

Auch die Wochenenden, die sie hin und wieder als bewusst gewählte Auszeiten von Feuerwehr und Geschäft im Ferienhaus in Obersaxen verbringen, würden dem «Zusammenschweissen» dienen. Das gilt auch für das neu entdeckte Hobby Gleitschirmfliegen oder das auswärts Abendessen, das sich das Paar ab und zu gönnt.

Berührende Briefe der Kinder

Gar kein Bedürfnis also, mal nur für sich zu sein? Das stimmt nicht ganz: «Meine Joggingrunden sind mir heilig», stellt Yvonne Bont klar. «Und vier Tage im Jahr fahre ich allein ins Ferienhaus.» Ja, sie sei diejenige, die noch eher Freiräume brauche und auch einen eigenen Freundeskreis pflege. Ihm aber «geht nichts ab» sagt ihr Mann, wenn Familie, Geschäft und Feuerwehr eng aufeinander folgend den Tag bestimmen würden. Auch nicht, wenn die Abende mit kleineren Übungen oder Sitzungen gefüllt seien, wie dies seine Funktion als Zugskommandant erfordere. Einzig einen Saunaabend mit einem Kollegen pflege er regelmässig. Mehr Freiraum brauche er nicht.

Das war nicht immer so: «Vor fünf Jahren wurde es mir zu viel», sagt Reto Bont, «und ich wollte aus der Feuerwehr austreten.» Doch dann hätten ihm die Kinder, damals zwölf, elf und neun Jahre alt, Briefe geschrieben. Sie seien eine Feuerwehrfamilie, und sie, die Töchter, würden das nicht wollen, wenn er quasi wegen ihnen bei der Feuerwehr aufhöre.

Dass er den Kindern nicht ganz gerecht werden könnte, war denn auch ein Grund, weswegen er sich mal den Austritt überlegte. Oft genug hatten er und seine Frau deren Verständnis auf die Probe gestellt, wenn bereits gefasste Pläne für den Nachmittag oder das Wochenende durch einen Alarm über den Haufen geworfen wurden. «Die Briefe der Kinder haben uns so berührt, dass ich den Austrittsgedanken sofort verworfen habe», sagt der 44-Jährige.

Breite Unterstützung

«Den Rückhalt in der Familie haben wir von Anfang gespürt», meint seine Frau. Und nicht nur in der Familie. Als die gelernte Buchhändlerin 2004, vier Jahre nach ihrem Mann, der Kommandozentrale der Feuerwehr beitrat, waren die Kinder noch klein. Doch: «Ich konnte jederzeit auf unsere Nachbarn zählen.» Diese hätten die Kinder in den Kindergarten gebracht oder zu sich nach Hause genommen, wenn sie in einen Einsatz mussten. «Unsere Töchter haben früh gelernt, selbständig zu werden», resümiert Yvonne Bont.

«Auch unsere Mitarbeiter und Kunden reagieren stets flexibel, wenn uns ein Einsatz von der Arbeit wegholt.» Die breite Unterstützung scheint aussergewöhnlich zu sein: In der Feuerwehr Herrliberg-Meilen sind Yvonne und Reto Bont das einzige Paar, das zudem ein Geschäft führt.

Den Valentinstag übrigens zelebrieren die beiden nicht: «Wir haben», sagen sie, «das ganze Jahr über Gelegenheit, uns unsere Liebe zu bezeugen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.02.2018, 14:07 Uhr

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