Küsnacht

Was alles noch auf das Küsnachter Gewerbe zukommt

Die Baustelle auf der Seestrasse und kommende Bauprojekte bereiten den Küsnachter Gewerbetreibenden Sorge. An einem Infoanlass versuchte die Gemeinde nun zu beschwichtigen.

Die Verkehrssituation in Küsnacht – hier eine Ausweichroute durchs Quartier wegen der Seestrassen-Baustelle – macht den Gewerbetreibenden Sorgen.

Die Verkehrssituation in Küsnacht – hier eine Ausweichroute durchs Quartier wegen der Seestrassen-Baustelle – macht den Gewerbetreibenden Sorgen. Bild: Archiv Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wieso dauern die Bauarbeiten so lange? Weshalb wird der Verkehr nicht in beide Richtungen mit einem Wechselregime über die Seestrasse geführt? Welche Baustellen sind für 2020 geplant? Wird ein Kreisel zwischen Coop und Migros gebaut?

Das sind nur einige der Fragen, die Gewerbetreibende eingereicht hatten. Zu ihrer Beantwortung war am Dienstagabend fast die komplette Abteilung Tiefbau, samt ihrem Vorsteher, Gemeinderat Walter Matti (parteilos) und mehrere Vertreter der Werke am Zürichsee an einen Informationsanlass zwischen Gewerbe und Gemeinde gekommen. Nicht vertreten war der Bauherr des aktuell im Fokus stehenden Bauprojekts: das kantonale Tiefbauamt, unter dessen Obhut die Sanierung der Seestrasse bläuft.

Küsnachts Tiefbauleiter Albi Thrier und sein Stellvertreter Rolf Steiner nutzten die Gelegenheit dieses Austauschs, um den Anwesenden die Unabdingbarkeit des Strassenunterhalts aufzuzeigen.

«Keine Vergoldung»

Für die stetige Überprüfung und Sanierung des 91 Kilometer langen Netzes an Gemeindestrassen stehen der Abteilung Tiefbau jährlich 20 Millionen Franken zur Verfügung. Dieser Betrag sei momentan vergleichsweise hoch, führte Steiner aus, weil in vergangen Jahren zu wenig investiert wurde und viele Leitungen und Strassen bald das Ende ihrer 40- bis 70-jährigen Lebensdauer erreicht hätten.«Wir machen aber keine Vergoldung», sagte der stellvertretende Abteilungsleiter. Es gehe stets um eine reine Werterhaltung und darum Rohrleitungsbrüche, wie es zum Beispiel 2012 an der Oberwachtstrasse passierte, vorzubeugen.

Wie die Verantwortlichen betonten, legt die Gemeinde bei Strassensanierungen stets grossen Wert darauf, Strassenabschnitte mit der darunterliegenden Kanalisation und den Leitungen für Strom, Wasser, Gas, Kommunikationsnetze und Fernwärme als Gesamtpaket zu betrachten. Dies erkläre auch, weshalb gewisse Bauprojekte lange dauern. «Wir bauen in dreieinhalb bis sechs Metern Tiefe», sagte Steiner. Dafür würden einmal sanierte Strassen nachher mit einer Sperrfrist von fünf Jahren belegt.

Wenn auch in Küsnacht die selbe Strasse nicht in kurzer Abfolgen mehrmals hintereinander aufgerissen wird, stehen in den nächsten Jahren trotzdem zahlreiche Strassensanierungen an. In einer Auswahl der für 2020 anstehenden Projekte taucht etwa die Sanierung der Alten Forchstrasse, der Felseneggstrasse und des Bahnwegs auf. Für 2021 und später plant die Gemeinde momentan die Sanierung von sechs Strassen, unter anderem den oberen Bereich des Schiedhaldensteigs und die Kohlrainstrasse. Hinzu kommt jedes Jahr auch der behindertengerechter Umbau mindestens einer Bushaltestelle.

Minikreisel bereitet Sorgen

Weitreichender als die Sanierung von Gemeindestrassen sind allerdings die angedachten Projekte des Kantons. Dazu gehört ein Trottoirbau an der Schiedhaldenstrasse (2020), ein Abwassersanierung an der Alten Landstrasse (2021) sowie die Umgestaltung und Instandsetzung der Oberwachstrasse und Schiedhaldenstrasse (ab 2020).

Mit Letzterem war dann das nächste brisante Thema angesprochen. Die Umgestaltung der Oberwachstrasse wurde 2012 vom Volk an der Unre angenommen, hätte dann aber integriert in die Zentrumsgestaltung umgesetzt werden sollen. Sie beinhaltet einen Minikreisel und die Abschaffung der Lichtsignalanlage. Das Vorhaben hat schon mehrfach für Kritik gesorgt, so auch am Dienstag. Ein Gewerbler meinte, dass es wegen der Fahrbahnbushaltestelle und den Fussgängerstreifen gleich an mehreren Orten zu Rückstau komme.

Küsnacht, als noch immer attraktive Einkaufsstadt, profitiere aktuell davon, dass andere Gemeinden Läden verlieren, sagte auch Sabine Schneidewind, Vorstandsmitglied des Gewerbeverein. Sie befürchte allerdings, das bei einer erneuten Baustelle die Kunden bald nicht mehr nach Küsnacht kommen würden. Ein realistischer Zeitpunkt für den Baubeginn sei wohl erst 2024, schaltete sich Gemeinderat Matti wieder ein. «Bis dann hat das Küsnachter Gewerbe also noch Zeit sich zu stärken und zu dem zu werden, was man sein möchte». Die Gemeindevertreter bekräftigten aber auch, dass man immer Hand bieten wolle für gemeinsame Massnahmen, wie zum Beispiel einer Beschilderung während der Bauzeit. Dies habe ja auch bei der Sanierung der Dorfstrasse ganz gut geklappt.

«Nicht zumutbar»

Wenn auch die aktuelle Umfahrung der Seestrassenbaustelle an diesem Abend weniger stark Thema war, als allseits angenommen, erklärt Albi Thrier, weshalb eine beidseitige Streckenführung mit Lichtsignalanlage auf der Baustellenpassage nicht möglich ist. «Der Kanton hat dies geprüft, aber die Seestrasse ist in diesem Teil zu stark befahren. Dazu kommt die Einmündung der Oberwachstrasse, die den Verkehrsfluss zusätzlich mindert.» Dies würde die Bauzeit um mindestens sechs Monate verlängern. «Und es gäbe genauso Rückstau und Schleichverkehr. Das wäre über eine so lang Zeit schlicht nicht zumutbar.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.05.2019, 17:26 Uhr

Artikel zum Thema

Minikreisel und verdichtetes Bauen gaben in Küsnacht zu reden

Küsnacht Am politischen Themenabend informierte der Gemeinderat über die politischen Ziele der kommenden Jahre. Mehr...

Und noch eine Baustelle auf der Seestrasse

Herrliberg / Feldmeilen Um die Verkehrssicherheit für Velofahrer zu erhöhen, wird die Lichtsignalanlage an der Kreuzung Seestrasse/Forchstrasse in den kommenden Wochen umgebaut. Mehr...

Seestrassen-Baustellen sorgen für Aufregung

Herrliberg Am Donnerstagabend kam es an den beiden Baustellen auf der Seestrasse in Herrliberg zu chaotischen Szenen. Manch einem Autofahrer riss wegen des Rückstaus der Geduldsfaden. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben