Meilen

Wenn eine 30-Millionen-Villa für 6 Millionen weggeht

Über den Schweizer Immobilienmarkt lässt sich auch mit Humor referieren. Wie das geht, veranschaulichte Immobilienexperte Donato Scognamiglio.

Donato Scognamiglio, Titularprofessor an der Universität Bern sprach über Chancen und Risiken des Immobilienmarktes an der Goldküste.

Donato Scognamiglio, Titularprofessor an der Universität Bern sprach über Chancen und Risiken des Immobilienmarktes an der Goldküste. Bild: Moritz Hager

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Schon der Beginn des Referats von Donato Scognamiglio lässt darauf schliessen, dass der Gastredner gewillt ist, seine Zuhörerschaft nicht nur mit Fakten, sondern vor allem auch mit einer Prise trockenen Humors zu fesseln. «Ich bin der Sohn eines Franziskanermönchs.» Und nach einer kleinen Kunstpause: «Er hat sich im Kloster in eine Touristin verliebt und sie geheiratet. Den Glauben an Gott hat er dadurch nicht verloren, aber er musste den Verein wechseln.»

Dieser Einstieg kommt am Donnerstagabend im bis auf den letzten Platz besetzten General-Wille-Saal im Meilemer Restaurant Löwen für die rund 300 Zuhörerinnen und Zuhörer eher unerwartet. So zahlreich ist das Publikum der Einladung der Hauseigentümerverbände Pfannenstiel sowie Küsnacht und Umgebung gefolgt. Der Gastredner ist der wohl bekannteste Immobilienexperte der Schweiz. Donato lehrt an der Universität Bern als Titularprofessor, und als CEO der Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien AG in Zürich kennt er den Markt auch aus der Praxis.

Gruselkabinett

Er werde nun bewusst provozieren, schickt Scognamiglio voraus. In der Folge nimmt er in der Tat kein Blatt vor den Mund. Während seiner Powerpoint-Präsentation tauchen auf der Leinwand in rascher Folge immer wieder Bilder von Personen auf, die er als «Gruselkabinett» bezeichnet. Eingeblendet werden Donald Trump, Kim Jong-un, Recep Tayyip Erdogan oder Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank. Spricht der smarte Berner über das Luxussegment auf dem Immobilienmarkt, lächelt einem das schillernde Paar Irina und Walter Beller entgegen, geht es darum, Wunsch und Realität eines jungen Ehepaares, das ein Eigenheim kaufen möchte, zu illustrieren, verkommt das Traumhaus zu einer Telefonkabine.

Er müsse schwarzmalen, sagt der Referent und lacht dabei. Heute rentiere nichts mehr, weil zu viel Geld im Umlauf sei. Es habe 2007 mit der Immobilienkrise und faulen Krediten begonnen, heute drucke die Europäische Zentralbank 80 Milliarden Euro jeden Monat und kaufe damit die Schulden jener Länder zusammen, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten. In der Folge habe die Schweizerische Nationalbank den Negativzins eingeführt, obwohl überhaupt nicht klar sei, welche Nebenwirkungen dies habe.

Tiefe Rendite

«Die Risiken haben massiv zugenommen», fasst Scognamiglio zusammen. Als Beweis dafür verweist er auf die Hypothekarverschuldung, die mittlerweile ins Unermessliche gestiegen sei und in keiner Relation zur Schweizer Wirtschaftsleistung mehr stünde. Damit ist die Schweiz anfällig für Korrekturen am Immobilienmarkt. Und diese zeichneten sich ab, meint Scognamiglio. Im Luxussegment und bei den Ferienhäusern habe die Korrektur bereits eingesetzt, sagt er und illustriert dies mit einer Villa, die mit einem Marktwert von 30 Millionen veranschlagt, aber am Ende für 6 Millionen Franken von der Bank übernommen wird. Zudem seien die Leerstände am Steigen, die Zuwanderung nehme ab und mit ihr die Nachfrage nach Wohnraum. «Wie kommt es zu dieser risikogeladenen Situation?», stellt er die rhetorische Frage. «Aus Mangel an Alternativen – Stichwort: Negativzins – haben zuletzt vor allem institutionelle Investoren Immobilien gekauft. Das praktisch zu jedem Preis und mit entsprechend tiefer Rendite.»

Um sich eine Immobilie zum Preis von rund 1 Million Franken leisten zu können, müsse das jährliche Haushaltseinkommen bereits über 200 000 Franken liegen, fährt Scognamiglio fort. «Das können sich die wenigsten leisten.» Der Referent schliesst seinen Vortrag jedoch mit einem versöhnlichen Ausblick ab. «Die konjunkturelle Entwicklung im Lande ist positiv, wie auch der Wechselkurs von Euro und Schweizer Franken, der Stellenmarkt legt zu, und es kommen wieder mehr Touristen ins Land.» Am Schluss seines Auftrittes brandet Applaus auf. Scognamiglio wusste die Zuhörerschaft vor allem auch mit seinem trockenen Humor in seinen Bann zu ziehen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.10.2017, 17:51 Uhr

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