Bezirksgericht Meilen

War es rasende Eifersucht oder eine unglaubliche Lügengeschichte?

Ein 24-Jähriger soll seine Ex-Freundin vergewaltigt und geschlagen haben. Dies, weil er es nicht ertrug, dass sie mit anderen Männern Kontakt hatte. Alles gelogen, sagt der Beschuldigte.

Klassisches Vier-Augen-Delikt am Bezirksgericht Meilen: Einem 24-Jährigen wird vorgeworfen, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben. Alles gelogen, sagt der Beschuldigte.

Klassisches Vier-Augen-Delikt am Bezirksgericht Meilen: Einem 24-Jährigen wird vorgeworfen, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben. Alles gelogen, sagt der Beschuldigte.

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Tatort ist ein abgelegener Parkplatz im Bezirk Meilen. Ein junges Pärchen trifft sich hier im September 2015, wie schon früher. Doch es wird nicht romantisch. Er will sie zur Rede stellen. Sie sagt, sie habe ihm nichts verheimlicht. Dann kommt sein bester Freund dazu. Die beiden konfrontieren die junge Frau damit, dass sie mit anderen Männern schlafe. Sie streitet das ab.

Gemäss Anklageschrift und der Version der jungen Frau wird es danach brutal. Der Beschuldigte giesst eine Flüssigkeit über sein Opfer, droht es anzuzünden. Er beschimpft seine Freundin übelst und schlägt sie permanent. Die beiden Männer zwingen sie zu gestehen, dass sie eine «Schlampe» sei. Das «Geständnis» filmen sie. Dann entfernt sich das Pärchen vom Kollegen, der Beschuldigte nötigt seine Freundin zum Oralverkehr. Schliesslich kommt es gemäss Anklage zur Vergewaltigung. Die Frau sagt, sie habe sich aus Angst nicht gewehrt, wollte den Geschlechtsverkehr aber nicht. Auf dem Rückweg habe er sie noch mit einer Eisenstange bedroht und sie gewarnt, niemandem etwas zu ­erzählen. Warum ihr damaliger Freund auf sie losgegangen ist, kann sie sich nicht erklären.

Rätsel um Sex

Ein ganz anderes Bild zeigen der Beschuldigte und sein Verteidiger auf. Das Treffen habe zwar stattgefunden. «Ja, ich war wütend und enttäuscht», sagt der in der Schweiz aufgewachsene Kosovare vor Gericht. Sein Freund habe ihm kurz vorher erzählt, dass seine Freundin mit anderen Männern verkehre. Sie habe ihn belogen und betrogen. Aber er würde nie gewalttätig werden. Zumindest nicht so, wie es in der Anklageschrift beschrieben ist. Er habe seinem Freund gesagt, er solle das Video machen. Und er habe die Frau beschimpft und bedrängt. Geschlagen habe er sie nicht, nur eine «Stoss-Ohrfeige» gegeben.

Seltsam ist, wie der Abend weiterging. Kaum hatten die beiden Männer die junge Frau nach ­Hause gebracht, meldete sich der 24-Jährige wieder bei ihr. Sie liess ihn herein, er entschuldigte sich und weinte. Sie verzieh ihm und es kam, so sagen es beide Parteien, zu einvernehmlichem Sex. Der Staatsanwalt erklärte das mit der Unsicherheit der Frau. Für den Verteidiger ist es schlicht unverständlich, dass sie sich zum Geschlechtsverkehr bereit erklärt, kurz nachdem sie von der gleichen Person vergewaltigt wurde. Zur Polizei ging sie erst neun Wochen nach dem Vorfall. Offenbar hatte sie in der Zwischenzeit noch festgestellt, dass sie schwanger ist.

Knacknuss für Gericht

Das Gericht muss in einem klassischen Vier-Augen-Delikt entscheiden. Beweise gibt es nicht, ein Geständnis des Beschuldigten liegt auch nicht vor. Der Zeuge, bester Freund des Beschuldigten, ist kaum unabhängig. Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass das mutmassliche Opfer die Wahrheit sagt. Ihre Beschreibungen des Tatablaufs seien lebendig und detailreich. Zudem habe sie einer Freundin schon am Tag nach der Tat gesagt, sie sei vergewaltigt worden. Er fordert wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Nötigung und weiteren Delikten eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Er zeichnete das Bild eines patriarchalen Mannes, der seine Frau kontrollieren wollte. Als dies nicht gelang, habe er sie gedemütigt und erniedrigt. Der Verteidiger des Kosovaren forderte eine bedingte Geldstrafe wegen Nötigung. Alle anderen Vorwürfe liessen sich nicht erhärten oder seien zu spät erhoben worden. Möglicherweise habe sie ihren Eltern die ungewollte Schwangerschaft durch die Vergewaltigung erklären wollen. Sein Mandant stehe zu dem, was er gemacht habe. Alles andere habe die Ex-Freundin erfunden. Der Beschuldigte selber wirkte vor Gericht höflich. Nur, als er über die Vorwürfe sprach, wurde er laut. Es wäre nicht gerecht, wenn er dafür verurteilt würde, meinte er.

Die Richter werden das Urteil zu einem späteren Zeitpunkt ­fällen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.09.2017, 08:37 Uhr

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