Meilen

«Wachstum schafft Platzprobleme»

Für Peter Brändle liegen die Wachstumschancen von Midor vor allem im Ausland. Der neue Geschäftsführer des Glacé- und Backwaren-Produzenten will gewisse Kostennachteile in Meilen durch bessere Qualität wettmachen.

Für Midor-Chef Peter Brändle wird das Thema Gesundheit im Schweizer Glacé- und Backwarenmarkt in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.

Für Midor-Chef Peter Brändle wird das Thema Gesundheit im Schweizer Glacé- und Backwarenmarkt in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Bild: Manuela Matt

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Peter Brändle, Sie sind seit dem April neuer Unternehmensleiter von Midor: Wie fällt Ihr Fazit nach 150 Tagen im Amt aus?
Peter Brändle: Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, die Herausforderung bei Midor anzunehmen. Ich habe Trouvaillen im an sich schon sehr reichhaltigen Sortiment entdeckt, die ich noch nicht kannte. Das schönste Erlebnis in dieser Zeit aber ist der Austausch mit den Menschen selbst. Ich habe jede Abteilung besucht. Es ist mir wichtig, von Zeit zu Zeit selbst am Produktionsband zu stehen. Wir arbeiten hier fast rund um die Uhr, im Drei-Schicht-Betrieb. Auch am Wochenende, gerade im Sommer, wenn die Glacéproduktion auf Hochtouren läuft.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt oder eher nicht?
Grundsätzlich gehe ich immer offen an meine Aufgabe heran. Aber ich denke, die Chancen, mit Midor Erfolg zu haben, stehen fast noch besser, als ich gedacht habe. Ich rechnete mit einem stabilen und eher gemächlichen Geschäft. Es gibt aber massive Ausbaumöglichkeiten. Allerdings sind auch die Herausforderungen grösser als ich es mir vorgestellt habe.

Was für Herausforderungen?
Einerseits am Markt: Zuckerguetzli sind heute nicht mehr die Artikel, deren Verkäufe steil nach oben zeigen. Stattdessen müssen unsere Produkte gesünder werden. Der Konsument sucht nach praktischeren Verpackungen, etwa wenn man unterwegs ist, beim Sport oder beim Pendeln. Wir stellen im Jahr rund 50 neue Produkte her. Das ist schon für sich gesehen eine Herausforderung. Die Regale in den Läden sind voll. Deshalb kann es nur darum gehen, noch besser zu werden.

Aber nicht auf allen Ihren Produkten steht der Name Midor drauf: Sie stellen ja vor allem Erzeugnisse für andere Anbieter unter deren Namen her...
Man kann das auch positiv sehen: Bei uns stehen das Produkt und die Qualität im Vordergrund. Wir lassen das Produkt für sich sprechen. Aber Sie haben Recht, wir sind unter verschiedenen Marken unterwegs. Unser Hauptabnehmer ist und bleibt die Migros. Hier werden wir hauptsächlich unter Migros-Marken wie Blévita und Crème d‘Or geführt. Wir führen aber auch ein substanzielles, aber sicher ausbaufähiges Drittgeschäft, einerseits in der Schweiz, vor allem aber auch im Ausland. Dort sind wir ebenfalls unter den Eigenmarken der Retailer tätig. Darüber hinaus verfügen wir auch über eigene Marken, wie Swiss Delice, bei denen Midor als Markenartikler unterwegs ist.

Und wo wollen Sie zukünftig Schwerpunkte setzen?
Ich sehe Innovationen nicht nur als Herausforderung, sondern vor allem als Chance. Wenn wir es schaffen, unseren Innovationsgrad weiterhin hoch zu halten, dann bekommen wir mehr Platz in den Regalen und können den Kundenzuspruch weiter erhöhen. Der Erfolg hat aber auch eine Kehrseite: Unser Wachstum führt zu Platzproblemen in Meilen. Wir würden gerne noch mehr expandieren, aber das lässt der gegebene Platz am jetzigen Standort nicht zu. Grosse Areale liegen hier nicht brach, und selbst wenn wir sie bekämen, sind die Preise so hoch, dass wir uns diese als Industriebetrieb nicht leisten könnten. Von daher bleibt uns nichts anderes übrig, als sehr kreativ zu sein. Wir installieren gerade eine neue Ofenbacklinie. Um den dafür benötigten Platz zu schaffen, mussten wir ein Dutzend weitere Projekte starten, um Anlagen zu verschieben. Dazu kommen die regulatorischen Anforderungen, die ständig zunehmen, sowie der Freihandel, bei dem das Pendel gerade wieder etwas zurückschwingt.

«Der Frankenschock hat zu einer massiven Verteuerung unserer Produkte geführt».Peter Brändle

Wie steht es um die Kosten am Standort Meilen?
Das ist tatsächlich – wie in allen Industrien hierzulande – auch für uns ein Thema. Wir sind ein Schweizer Hersteller, der fast exklusiv mit Schweizer Rohmaterialien und mit Schweizer Standards arbeitet. Dazu kommt der gut dotierte Migros-Gesamtarbeitsvertrag, den wir bezahlen. Von daher ist es natürlich nicht unbedingt ein Standortvorteil, wenn man im Wettbewerb steht mit einem irgendeinem kleineren osteuropäischen Anbieter.

Wie machen Sie diesen Standortnachteil wett?
Indem wir voll und ganz auf die Qualität fokussieren und versuchen, neue Marktnischen zu besetzen und innovative Produkte herzustellen. Im Massenmarkt, etwa bei den Cafébiscuits, können wir uns nicht differenzieren, bei einem schön schokoladisierten Petit Beurre, mit eigener Prägung darauf, aber schon.

Und wie reagiert der Markt?
Wir sind in der Schweiz sowohl der grösste Guetzli- als auch der grösste Glacé-Hersteller, bezogen auf den Absatz. Im Ausland gibt es natürlich viel grössere Anbieter. Aber auch dort haben wir Erfolg. Jene Retailer, die unsere Produkte probieren, sind von uns überzeugt. Es ist allerdings bereits ein Erfolg, einen Termin zu erhalten und über die ersten Preisverhandlungen hinauszukommen. Bis 2015 waren wir stärker im Exportgeschäft unterwegs. Dann kam der Frankenschock – mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, der zu einer massiven Verteuerung unserer Produkte führte. Das hat zu Einbussen beim Umsatz und bei der Profitabilität geführt. Eine unserer Prioritäten ist es denn auch, den Schweizer Markt zu halten, wobei es auch hier noch Chancen gibt, und das Exportgeschäft weiter aufzubauen und internationaler werden.

Hat Midor vom schönen Wetter im Sommer profitiert?
Natürlich geht es beim Glacémarkt derzeit viel stärker vorwärts als bei den Backwaren. Bei letzteren spüren wir, dass die Leute die chocolatierten Biscuits eher meiden und sich diese hoffentlich für die kommenden Winterabende aufsparen. Insgesamt sind wir aber zufrieden. Wir werden unsere Ziele dieses Jahr erreichen. Wir sind vor allem zuversichtlich für nächstes Jahr mit einer ganzen Anzahl an neuen, auch veganen Produkten.

Wie hat sich die Mitarbeiterzahl in Meilen entwickelt?
Wir stehen jetzt bei 600 Beschäftigten in Meilen. Und wir schaffen Stellen, vor allem im Bereich Entwicklung und Marketing. Auf der anderen Seite sind wir bestrebt, die Abläufe immer noch besser und schneller und mit weniger manuellen Eingriffen zu vollziehen. Netto sind wir einige wenige Stellen am schaffen. Wir sind dem Standort Meilen verpflichtet, sowohl für die Mitarbeiter, aber auch hinsichtlich der Investitionen. Wir investieren jedes Jahr 15 Millionen Franken in den Standort Meilen, um à jour zu bleiben. Wir führen hier einen der breitesten Technologieparks der gesamten Industrie.

Gibt es Alternativen zum Standort Meilen?
Nein, das prüfen wir aktuell nicht. Es gibt einen unschätzbaren Vorteil, den Meilen bietet: Alles ist unter einem Dach – inklusive der Betriebsfeuerwehr – und mit kurzen Wegen. Es gibt das Personalrestaurant Midorama, wo sich alle Mitarbeitende treffen und austauschen können. Dazu kommen viele Angebote ausserhalb der Arbeitszeiten, wie zum Beispiel diverse Sportvereine Das ist wichtig für den Zusammenhalt. Um besser zu werden und die geforderten Innovationen leisten zu können, müssen die Leute miteinander sprechen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.09.2018, 15:43 Uhr

Midor

Die Midor AG mit Sitz in Meilen ist seit 1928 ein Unternehmen der Migros-Gruppe und beschäftigt rund 600 Mitarbeitende – alle am Standort Meilen. Midor ist Schweizer Marktführerin im Bereich Back- und Eiswaren und gehört zur Gruppe der Migros Industrien. Midor ist das älteste aller 21 M-Industrieunternehmen. Hauptabnehmer der Midor-Produkte – Biscuits, Eiscrème, Dessertpulver, Apérogebäcke und Fasnachtschüechli – ist die Migros.

Die Coco Ice-Land Glacelinie gewann 2017 in der Kategorie «Food» den ersten Platz beim Vegan Award 2017. Daneben produziert das Unternehmen zahlreiche Marken und Eigenmarken für internationale Konzerne in weiteren 20 Ländern. Das Exportgeschäft von Midor ist für rund 10 Prozent des Umsatzes in der Höhe von 210 Millionen Franken (2017) verantwortlich. Einziger Produktionsstandort ist Meilen. (ths)

Zur Person

Peter Brändle ist seit 1. April 2018 CEO der Midor AG in Meilen. Davor war Brändle während sechs Jahren bei der Naturkosmetik-Firma Weleda AG in Arlesheim BL tätig, wo er unter anderem das Frankreich-Geschäft verantwortete. Peter Brändle ist promovierter Betriebswirt HSG mit Vertiefung in Internationalem Management. Der 41-jährige ist Mitglied des Vorstandes von BiscoSuisse, dem Schweizerischen Verband der Backwaren- und Zuckerwaren-Industrie. (red)

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