Wanderserie

Von Tobel zu Tobel bis in die Stadt

Die letzte Etappe des Zürichsee-Rundwegs führt durch Wohnquartiere, Felder, Wälder und verwunschene Tobel von Meilen nach Zürich.

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15 Kilometer Zürichsee-Rundweg liegen zwischen Meilen und Zürich-Burgwies. Es ist die letzte Etappe der ZSZ-Wanderserie. Der Himmel ist bedeckt an diesem Freitag. Neben der Sonnenbrille ist also auch ein Regenschutz mit dabei. An den Füssen reicht indes ein Paar gute Turnschuhe.

Vom Bahnhof her geht es erst Asphaltstrassen entlang, vorbei am Feuerwehrdepot ins Meilemer Tobel. Von einem Moment zum nächsten fühlen wir uns weit weg von jeglicher Zivilisation. Über schmale Treppen und Stege geht es bergauf dem Meilemer Dorfbach entlang, der sich mal näher, mal weiter vom Weg entfernt und sich mitunter in Wasserfällen Richtung See schlängelt.

Wo Kühe Äpfel ernten

Der Weg führt alsbald aus dem Tobel hinaus. Unweit vom ehemaligen Restaurant «Luft» sehen wir erstmals wieder den Zürichsee. Dort kann man den Blick von der Fährestation in Horgen Richtung Obersee schweifen lassen. Im Hintergrund weiden ein paar Kühe von denen sich eine vornehmlich an den Früchten der Apfelbäume bedient.

Erste Station ist das Meilemer Tobel.

Immer wieder werden wir auf dieser Strecke mit eindrücklichen Ausblicken auf den See belohnt — auch bei wechselhafter Witterung. Nicht verwunderlich, verläuft der Zürichsee-Rundweg zwischen Meilen und Zürich Rehalp doch grösstenteils identisch mit dem Zürichsee-Panoramaweg. Zwischen Feldern und Kuhweiden wandern wir weiter leicht bergauf durch den einsetzenden Nieselregen. Kurz vor dem Schützenhaus Herrliberg bis zum Pfadiheim Buech verläuft die Strecke auf Asphalt. «Kann man es noch Wandern nennen, wenn man auf einer geteerten Strasse unterwegs ist?», fragen wir uns skeptisch.

Kamera im Vogelhaus

Bevor eine abschliessende Antwort zu dieser Frage gefunden ist, führt eine Weggabelung ins Schönhölzli, ein kleines Wäldchen oberhalb von Herrliberg. Zumindest für eine Weile sind wir wieder im Grünen, dann verläuft die Route erneut Richtung Wohngebiet, vorbei an Villen und imposanten Auffahrten, mannshohen Hecken und als Vogelhäuschen getarnten Überwachungskameras.

Immer wieder belohnt die Strecke mit eindrücklichen Ausblicken auf den See. Hier von Herrliberg aus.

Erst auf Erlenbacher Gemeindegebiet verläuft der Wanderweg 84 wieder auf Feldwegen. Oberhalb des Pflugsteins— dem grössten Findling im Kanton Zürich, der nach dem Abschmelzen des Linthgletschers am Ende der letzten Eiszeit liegen blieb— führt der Weg Richtung Erlenbach. Hinter einer kleinen Baumgruppe laden eine Bank und ein Brunnen zum Pause machen ein. Die Aussicht ist einmal mehr herrlich: trotz Wolken sieht man von dieser Anhöhe aus über den See nach Oberrieden, und von dort bis nach Zürich.

Es lohnt sich, den Ausblick eine Weile zu geniessen, denn es ist bis auf Weiteres der letzte Blick auf den Zürichsee. Zwischen Feldern und vorbei an einzelnen Häusern nähert man sich dem Restaurant Kittermüle. Hier quert die Route das Erlenbaches Tobel. Im Winter verwandelt es sich mit seinen vereisten Wasserfällen jeweils in ein veritables Winterwunderland. An heissen Sommertagen ist das schattige Tobel eine kühle Oase— am Tag dieses Ausflugs sind wir indes froh um die Regenjacke.

Nach einer kurzen Strecke durch den Wald finden wir uns in einem Wohngebiet wieder. Bald lassen wir Erlenbach hinter uns und spazieren über einen Feldweg weiter Richtung Küsnachter Tobel.

Ein Steinzeit-Überbleibsel

Wie alle Tobel auf der Route, ist auch jenes von Küsnacht am Ende der letzten Eiszeit entstanden.Über steile Holztreppen, Stege und Kieswege steigen wir ins Tobel hinab. Man wähnt sich beinahe in einer anderen Welt, ausser Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Dorfbachs ist es still. Auf den Abstieg folgt ein ebenso steiler Aufstieg, doch es wandert sich leicht — erneut wechseln sich Treppen und Weg ab und es dauert nicht lange, bis es geschafft ist.

Der Schübelweiher lädt bei jedem Wetter zum Verweilen ein.

Die Sonne zeigt sich zwischen den Wolken und es wird wärmer. Auf dem Schübelweiher ist eine Entenfamilie unterwegs, die sich von einer der Bänke aus beobachten lässt. Inzwischen sind wir sogar ohne Jacke unterwegs. Vom Regen bleiben wir nun verschont.

Nur ein Katzensprung vom Schübelweiher entfernt liegt der Rumensee. Beide Gewässer wurden einst künstlich angelegt— ersterer diente einer Baumwollspinnerei am Ausgang des Küsnachter Tobels. Letzterer wurde im 18. Jahrhundert als Wasserreservoir für eine Mühle und eine Sägerei in Zollikon erstellt. Heute sind beide Seen Naherholungsgebiete. Der penibel gestutzte Rasen zur Rechten steht in starkem Kontrast zur naturbelassenen Uferzone des Rumensees zur Linken. Nebst einem dichten Schilfgürtel zieht ein Zaun eine Grenze zwischen Spazierweg und Naturschutzgebiet. Aus dem dunklen Wasser ragen die Äste eines umgestürzten Baumes. Wie unheimlich das in der Dämmerung wohl aussehen mag?

Hinter dem Rumensee führt der Weg durch den Wald oberhalb von Zollikon. An der Grillstelle «Chüele Grund» machen wir Rast— nicht weil wir eine Pause brauchen, sondern um den Brunnen genauer unter die Lupe zu nehmen. Den Stein, aus dem der Brunnen gehauen ist, zieren verschiedene eingemeisselte Sujets: Eine Treppe, ein Gesicht, eine Eidechse.

Das Guisan-Denkmal in Zollikon.

Natur in der Stadt

Als wir aus dem Wald treten, sind auch die letzten Wolken verschwunden. Vorbei am General-Guisan-Denkmal und dem Blumenpflückfeld Zollikerberg, auf dem Sonnenblumen und Gladiolen um die Wette leuchten, nähern wir uns dem Hallenbad Fohrbach. Bis zur Rehalp ist es nicht mehr weit. Die Befürchtung, dass nun der restliche Weg bis zur Burgwies entlang von Tramgleisen verläuft bestätigt sich zum Glück nicht: im Wehrenbachtobel wähnen wir uns einmal mehr weitab von allem Trubel. Dem Pfadiweg folgend nehmen wir diesen letzten Abschnitt gemütlich. Vorbei anwohl von Pfadis gebastelten Kunstwerken und einem kunstvoll geschnitzten Brunnen spazieren wir dem Bach entlang, der einst nebst der Limmat die zweitwichtigste Wasserkraftachse der Stadt Zürich war.

Der Weg führt am Wehrenbach vorbei. Dieser war einst neben der Limmat die zweitwichtigste Wasserkraftachse der Stadt Zürich.

Dass wir uns längst auf Stadtgebiet befinden, merken wir erst wieder, als wir schliesslich bei der Burgwies aus dem Wald treten. Gegenüber steht das Tram Museum, ein gehetzter Besucher sprintet zur Haltestelle und verpasst die Nummer 11. Schimpfend und Händeringend sieht er dem Tram nach. Vielleicht würde ihm ein Spaziergang im Grünen gut tun.

Erstellt: 16.08.2019, 16:48 Uhr

Serie

Wandern um den See

Die ZSZ wandert: Wir schicken Redaktoren vom rechten Seeufer auf die linke Seeseite, während Redaktorinnen vom linken Ufer die rechte Seite erkunden – abseits ihrer sonst üblichen Wege. In acht Etappen geht es auf der Route 84 um den Zürichsee. Heute: Etappe 8 von Meilen nach Zürich, Burgwies.

Der Zürichsee-Rundweg zum Nachwandern:
Route auf Google Maps ansehen (auch auf Mobilgeräten möglich).
Als GPX-Datei für GPS-Geräte oder Apps (keine Garantie für Kompatibilität mit Ihrem Gerät).

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