Zürichsee

Wassersportler bringen Vögel in Bedrängnis

Mensch und Tier kommen sich am und auf dem Zürichsee vermehrt in die Quere. Im Winter und in der Brutzeit kann das für Wasservögel fatale Folgen haben.

Junge Haubentaucher brauchen einige Wochen, bis sie sich selbständig ernähren können.

Junge Haubentaucher brauchen einige Wochen, bis sie sich selbständig ernähren können. Bild: Symbolbild/Keystone

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Ein frisch vermähltes Ehepaar, das trotz Verbot einen Hochzeitsfilm im Kaltbrunner Riet drehte, sorgte kürzlich über die Region hinaus für Schlagzeilen. Der Fall der verliebten Filmprotagonisten im Wasser- und Zugvogelreservat ist exemplarisch für ein grösseres Problem: «Immer mehr Menschen suchen Erholung an und auf Gewässern und damit im Lebensraum verschiedener teils sensibler Vogelarten», sagt Sophie Jaquier, Biologin der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach.

Neben den Kursschiffen und Fähren sind auch auf dem Zürichsee fast ganzjährig Fischer, Ruderer, Schwimmer, Kitesurfer und Standup-Paddler unterwegs. «Auf dem offenen Wasser können Vögel Gefahren schon von Weitem erkennen», sagt Jaquier. Dadurch werde es den Feinden zwar erschwert, sich unbemerkt anzunähern, aber: «Auch Menschen werden auf grosse Distanzen wahrgenommen.» Das verursacht Stress für die Vögel. Selbst aus einem Kilometer Entfernung könne ein einzelner Standup-Paddler ganze Vogelschwärme aufscheuchen.

«Auf Zürichsee gravierend»

Dabei führe die Flucht störungsempfindlicher Arten wie Reiherenten, Haubentauchern und Gänsesägern zu einer Kettenreaktion, sagt Jaquier. «Schwäne, Blässhühner und Stockenten, die eigentlich an Menschen gewöhnt sind, werden durch den Reflex ihrer Artgenossen aufgescheucht.»

Besonders problematisch sind solche Störungen im Winter und im Frühling in der Brutzeit. «Bei kalten Temperaturen wirkt sich zusätzlicher Stress negativ auf die Energiebilanz und damit die körperliche Verfassung der Vögel aus», sagt Jaquier. Im Frühling wiederum könne es gefährlich werden für die Jungen, wenn sie von ihren Eltern getrennt würden. Dann seien sie Feinden wie Raubvögeln, Möwen und Fischen schutzlos ausgeliefert.

Auch beim Verein Zürichsee Landschaftsschutz (ZSL) ist man sich des Problems bewusst: «Am Zürichsee ist die Situation besonders gravierend, da die Schilfgürtel, welche von den Tieren als Ruheplätze genutzt werden, häufig sehr schmal sind», sagt Vorstandsmitglied Peter Stünzi.

Zunahme von Sportarten

Als Problemgebiete nennt er etwa das Delta der Linth, die Halbinsel Au sowie die Bucht bei Feldbach. Während im Kanton Schwyz mit gelben Bojen markierte Wasserschutzzonen dafür sorgen, dass Wassersportler einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu den Wasservögeln einhalten, fehlen solche Schutzgebiete auf der Zürcher und St. Galler Seite des Sees. Das würde der ZSL gerne ändern. «Von politischer Seite ist bisher aber leider noch nichts passiert», sagt Stünzi.

Sophie Jaquier ist überzeugt, dass sich das Problem in den letzten Jahren verschlimmert hat: «Die Zahl der Sportarten hat zugenommen und dadurch sind auch immer mehr Menschen auf den Seen unterwegs.» Als Beispiel nennt sie das Standup-paddeln. Eine Nachfrage bei der Kantonspolizei Zürich bestätigt Jaquiers Eindruck. «Die Wassersportaktivitäten mit Segel- und Motorschiffen haben in den letzten Jahren zwar nicht zugenommen», sagt Ralph Hirt vom Mediendienst der Kantonspolizei. «Jedoch sind auf dem See vermehrt Standup-Paddler anzutreffen.»

Eindeutig signalisieren

Umso wichtiger sei es, dass die bedeutensten Gebiete für sensible Arten – wie etwa das Kaltbrunner und Nuoler Riet – weitgehend frei von menschlichen Störungen bleiben, sind sich Jaquier und Stünzi einig. Neben der eindeutigen Signalisierung der heiklen Zonen sei auch die Eigenverantwortung der Wassersportler und Sportgeräteverleiher gefragt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.02.2018, 17:09 Uhr

Wo Wasserschutzzonen fehlen, ist Eigenverantwortung gefragt

Bei den Sportgeräteverleihern und Wassersportschulen am Zürichsee ist das Problem bekannt. «Es ist unsere Aufgabe, die Kunden auf richtiges Verhalten auf dem See hinzuweisen», sagt Gerry Lutz vom Standup-Paddleboard-Verleih Gearloose in Erlenbach. Die Grundregel: Wasservögel aus der Ferne zu beobachten ist erlaubt, man sollte den Tieren aber nicht zu nahe kommen. Schilfgebiete, in denen die Vögel häufig Schutz suchen, sind zu umfahren.

«Besonders in der Brutzeit muss man Rücksicht nehmen», sagt Lutz.
Auch die Stäfner Wakeboardschule Ceccotorenas informiert ihre Kunden über die Naturschutzregeln auf dem See. «Für Wakeboarder gilt, dass sie einen Abstand von 300 Metern zum Ufer einhalten müssen, Standup-Paddler und Pedalo-Fahrer werden informiert nicht näher als 25 Meter ans Ufer zu fahren», sagt Tobias Müller von Ceccotorenas. «Ob sich die Leute daran halten, können wir aber nicht kontrollieren.»

Klare Regeln gefragt

Die Menschen nähern sich den Vögeln aber nicht nur aus einer Richtung an: «Auf dem See werden sie durch Wassersportler aufgeschreckt, auf dem Land durch Spaziergänger und Hunde», sagt Stünzi. Während der Kanton Schwyz klar definierte Wasserschutzzonen auf dem Zürich- und Obersee kennt, fehlen entsprechend definierte Gebiete in den Kantonen Zürich und St. Gallen. Für Peter Stünzi ist klar, dass sich das ändern muss.

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