Zürichsee

Vision zur Entwicklung der Region Zürichsee erhält eine Interessensgruppe

CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid blitzte mit einer Anfrage zu einer U-Bahn am See beim Regierungsrat ab. Zu Unrecht, findet er. Deshalb hat der Politiker eine Gruppe von Interessierten zusammengebracht.

CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid trägt die Vorschläge der Planungsgruppe Hecht in den Zürcher Kantonsrat.

CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid trägt die Vorschläge der Planungsgruppe Hecht in den Zürcher Kantonsrat. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Wie könnten die Mobilitätsprobleme der Region Zürichsee in Zukunft gelöst werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit kurzem der Männedörfler CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid, der bislang vor allem als Gesundheitspolitiker aufgetreten ist. Ende Jahr wollte er vom Regierungsrat wissen, wie dieser sich zur Idee einer unterirdischen Bahninfrastruktur sowie zu einem Bike-Trail auf dem heutigen Trassee der S-Bahn stellt. Der Regierungsrat verwies auf die laufende Planung – und beantwortete die Frage nach den Kosten gar nicht erst.

Deutliche Wertsteigerung

Schmid will die «mutlose Antwort» des Regierungsrats nicht akzeptieren. Deshalb lud er gestern im Zürcher Tiefenbrunnen zum Mediengespräch. Es sei erstmals gelungen, Leute aus verschiedenen Bereichen an einen Tisch zu holen, sagte er. Anwesend waren unter anderen der in Uetikon aufgewachsene Architekt Hannes Strebel und der Küsnachter Architekt Urs Esposito. Die beiden haben unter dem Namen Planergruppe Hecht eine umfassende Vision zur Entwicklung der Seeregion vorgelegt. Diese wiederum hatte zur Anfrage Schmids den Ausschlag gegeben.

Der ebenfalls anwesende Markus Dudler, Rechtsanwalt und Präsident des Hauseigentümervereins Küsnacht und Umgebung, befand die Vision als «sehr gut». Sie bringe einen in der Planung weiter, auch wenn es schlussendlich anders realisiert werde. Die Folgen einer Untertaglegung der Bahn für die Immobilien: eine deutliche Wertsteigerung, die für den Durchschnittsbürger fast nicht mehr bezahlbar wäre.

Zumikons Gemeindepräsident Jürg Eberhard (FDP) war kurzfristig verhindert und liess sich zur Situation in seiner Gemeinde folgendermassen zitieren: «Der Forchbahntunnel ist für Zumikon ein unbezahlbarer Standortvorteil.» Als Kind habe er den Bau des Tunnels mitverfolgt. Er könne sich gut an die Zeit erinnern, als die Forchbahn noch durch das Dorf fuhr. Für ihn ist ein Bahntrassee kein attraktiver Anblick im Wohngebiet.

Ausweg: Wert abschöpfen

Darüber, dass ein Bahntrassee – oder auch eine Seestrasse – das Siedlungsgebiet unnötig zerschneidet, war sich die Runde weitgehend einig. Bauingenieur Stefan Maurhofer von der Hochschule für Technik Rapperswil sprach über die Realisierbarkeit einer U-Bahn. Sie sei technisch und finanziell umsetzbar. Man müsse in anderen Dimensionen denken als die SBB. Diese rechne bei Tunnels mit einem Durchmesser von neun bis zehn Metern. «Für eine U-Bahn reichen sechs Meter.» Damit würden sich laut Maurhofer auch die Kosten in einem realistischen Rahmen bewegen.

Hannes Strebel sprach von einer weiteren Finanzierungsmöglichkeit: «Der Mehrwert, den die Liegenschaften erzielen würden, könnte abgeschöpft werden», sagte er. Und Urs Esposito rechnete vor, dass allein in Küsnacht Bahnhofareal und Trassee einen Wert von 100 Millionen Franken hätten. Sprich: Wenn die SBB verkauften und stattdessen in eine neue Verkehrsinfrastruktur investierten, wäre dies laut Esposito ein Nullsummenspiel.

Regelmässige Treffen

Architekt Michael Stünzi, Mitglied der Planungs- und Baukommission Thalwil, schliesslich bezeichnete den Bezirk Meilen wegen der kleinen Perimeter als «verkrustet». Erst wenn man sich als Metropolitanraum wahrnehme, könne sich etwas im grösseren Stil ändern. Ob aber die Vision der Planungsgruppe Hecht oder in einem ersten Schritt die U-Bahn am rechten Ufer je realisiert werden, ist höchst ungewiss. Mit Lorenz Schmid haben die Planer einen politischen Sparringspartner, der erst noch wiedergewählt werden will. Auf ein grosses Echo ist er bei seinen Kantonsratskollegen im Bezirk bisher nicht gestossen. Reagiert hätten eher die Politiker auf kommunaler Ebene. Schmid will am Thema dranbleiben und eine Interessengruppe bilden, die sich halbjährlich trifft. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2019, 12:06 Uhr

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