Wanderserie

Viele Wege führen nach Meilen

Die zweitletzte Etappe des Zürichsee-Rundwegs führt von Stäfa nach Meilen, durch Tobel, Wälder und über Felder. Doch es geht nicht alles nach Plan.

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Ohne pfadfinderische Grundausbildung im Kartenlesen setzt die Orientierungslosigkeit ein erstes Mal bereits am Bahnhof Stäfa ein. Es gilt, sich vom Anhaltspunkt See zu entfernen, hangaufwärts zu gehen, das Gewässer stets auf der Linken zu halten. So ist das Ziel Meilen zu erreichen - auf dem einen oder anderen Weg.

Der Aufstieg vom Dorf in Richtung Risitobel ist schweisstreibend, das T-Shirt klebt schon unangenehm am Rücken. Auch der schattenspendende Wald, den man bald betritt, hilft kaum. Wenige Leute sind unterwegs an diesem Morgen, was kaum überrascht: Wer nicht bei der Arbeit ist, weilt wohl in den Sommerferien. Einzig Hündeler und Velofahrer - meist auf dem Elektro-Mountainbike - sind anzutreffen. Das Risitobel als erstes Ziel der Wanderung kommt nicht in Sicht. Ob das wohl daran liegt, dass die Wahl auf die Umgehung des Wanderwegs fiel, die bei Schiessbetrieb einzuschlagen ist?

Ein erstes Highlight der Etappe: Die Leisibachstrasse oberhalb von Stäfa.

Hölzerne Helden

Bei der Bergstrasse führt der Weg aus dem Wald aufs offene Feld. Zu den Hundebesitzern und Radlern gesellt sich eine dritte, mit Wanderstöcken ausgestattete Gruppe von Unternehmungslustigen. Das Gespräch dreier aufwendig frisierter Damen im Eilschritt dreht sich um Ernährung. Mit demselben Thema beschäftigt sind die Rotmilane und Mäusebussarde, die über dem Feld kreisen und kreischen. Sie sind auf Nahrungssuche. Die Greifvögel werden vorerst aber übertönt, und zwar von schweren Maschinen am Himmelszelt. Ein Helikopter, allem Anschein nach einer der Armee, überfliegt das rechte Seeufer.

Die Gallier wurden Opfer von Vandalen - aber sie stehen noch.

Bei der ZSA Pfannenstiel, wo der Schlamm aus dem Abwasser der Gemeinden Männedorf, Egg, Hombrechtikon, Mönchaltdorf, Oetwil und Stäfa verwertet wird, führt der Weg wieder in den Wald. Wenig später stehen einem hölzerne Helden der Kindheit gegenüber: Asterix, Obelix und Idefix. Die Männedörfler Waldkorporation hat den Oetwiler Künstler Richi Merk im Jahr 2005 damit beauftragt, aus einer markanten dreistämmigen Buche, die gefällt werden musste, ein Denkmal zu fertigen. Mittels Motorsäge entstand das Kunstwerk der sympathischen Gallier.

Wandern im Wohnquartier

Zwischen dem Waldrand und den orangen Wänden des Kompetenzzentrums Appisberg, das sich der beruflichen Integration von physisch und psychisch beeinträchtigten Personen annimmt, führt die Wanderroute bald in ein Wohnquartier. Die Wanderung hat mittlerweile meditative Züge angenommen. Aus der Gedankenwelt reisst nur hie und da ein Rascheln auf Fusshöhe. Eidechsen flüchten von den heissen Steinmauern in die Hecken, welche die beschaulichen Gärten vom Trottoir trennen.

Die Brähenstrasse am Waldrand oberhalb von Männedorf bietet diverse Sitzgelegenheiten mit Ausblick.

Die anstehende Steigung der Stötzlistrasse setzt dem meditativen Marschieren ein jähes Ende. Sportliche Verausgabungen sind jetzt gefordert. Besonders anstrengend ist die Steigung, weil sie unnötig zurückgelegt wird. Sie gehört nicht zum Zürichsee-Rundweg, doch die Wanderwegweiser sind hier zahlreich. Der fälschlicherweise eingeschlagene Wanderweg führt zum Pfannenstiel. Also geht es retour, nun mit Smartphone und Navigations-App in der Hand.

Bei der Crossfit-Halle in Uetikon reckt ein junger, englischsprechender Mann in Sportkleidung sein Smartphone in Richtung Bauernhof auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Schwarz-weisse Kälber liegen dort im Schatten eines Birnbaums. Die Idylle muss abgelichtet werden. Dieselbe Farbe wie die Nutztiere haben die Katze, die den Vorbeischreitenden wenige Meter weiter um die Beine streicht und der am Himmel vorbeigleitende Storch. Sie runden die Reise aus zoologischer Sicht ab. Der Zürichsee-Rundweg hat sich inzwischen mit der sogenannten «Pilger-Route» vermengt, die Velofahrer von Kreuzlingen nach Meilen führt.

Gelangt man beim Biohof Frohberg an, so ist man dem Etappenziel in Meilen nahe.

Unverhofft zur Hängebrücke

Gegen Ende der Reise machen sich - nicht zuletzt aufgrund ausbleibender Markierungen - nochmals Orientierungsprobleme bemerkbar. Diese lenken den Redaktor bereits beim Beugenbach in Richtung See. Eigentlich führt der Rundweg bis zur Meilemer Burgruine und erst dann ins Dorf. Aber auch hier gibt es Sehenswürdigkeiten, etwa die Hängeseilbrücke über das Tobel beim Beugenfall. Mit über 60 Metern Länge ist es die längste Hängeseilbrücke im Kanton, belehrt eine Informationstafel. 26 Meter über dem Beugenbachtobel schaukelnd lässt sich bilanzieren: Abkürzungen und Umwege haben auch ihren Reiz.

Erstellt: 13.08.2019, 13:59 Uhr

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