Männedorf

«Verzicht ist auch eine Bereicherung»

Schon früh interessierte sich die Männedörflerin Hanna Fischer für Umweltthemen. Heute ist die 17-jährige Medizinstudentin aktiv in der Klimabewegung – Sorge wie auch Hoffnung prägen sie.

Hanna Fischer studiert Medizin an der Universität Zürich. Zwischen den Vorlesungen geniesst sie im Irchelpark die Natur.

Hanna Fischer studiert Medizin an der Universität Zürich. Zwischen den Vorlesungen geniesst sie im Irchelpark die Natur. Bild: Manuela Matt

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Auf einmal kommen die Leute doch noch. Immer mehr, bis es schliesslich Hunderte sind, die durch Zürichs Strassen ziehen. Mitten unter ihnen ist an jenem 14. Dezember die Männedörflerin Hanna Fischer. Und erlebt «ein sehr ergreifendes Gefühl», wie sie später sagen wird. «Zu hören, dass selbst schon ganz junge Primarschüler für unser Anliegen sprechen, hat mich zu Tränen gerührt.» Eine neue Hoffnung wird in ihr geweckt, wo eben noch die Verzweiflung überwogen hatte. Wie etwa wenige Stunden zuvor, als sich Fischer am vereinbarten Treffpunkt einfindet.

Nur gerade auf ein kleines Grüppchen von Gleichgesinnten stösst sie da. Beschämend findet es die 17-Jährige, dass nicht mehr Vertreter ihrer Generation erschienen sind. Geht es doch darum, als Jugendbewegung ein Zeichen zu setzen – an diesem ersten Klimastreik in der Schweiz.

Soziale Gründe

Das ist nun gut drei Monate her. Seitdem spielt die Klimabewegung in Fischers Alltag eine grosse Rolle. Sie ist dabei, wenn es um das Organisieren von Demonstrationen, Diskussionen oder weiterer Aktionen geht. Dafür schreibt sie Texte, nimmt wöchentlich an Treffen, Sitzungen und Veranstaltungen teil. Und warum dies alles – wo sie doch mit dem Medizinstudium schon genug ausgelastet sein dürfte? Das macht sich nicht zuletzt in ihrer sozialen Einstellung deutlich: «Das Leiden, das die Klimaerwärmung verursacht, ist nicht gerecht verteilt», sagt sie. «Es sind ja vor allem die ärmeren Regionen der Welt, die von Naturkatastrophen oder Wasserknappheit betroffen sind.» Und damit gerade die Leute, die sich kaum Flugreisen oder häufige Fleischmahlzeiten würden leisten können.

«Mit etwa acht Jahren habe ich von der CO2-Problematik gehört.»Hanna Fischer, Klimaaktivistin

Und diese zwei Dinge – Flugverkehr und Fleischproduktion – sind für Fischer denn auch «das Schlimmste»: die grössten Treiber der Erderwärmung. «Wir dürfen nicht nur für uns schauen» – den Satz hört öfters, wer mit der Studentin über ihre Motivation spricht. Sie meint ihn auch in Bezug auf die zukünftigen Generationen: «Wenn ich einmal Kinder habe, und die mich fragen, was ich gegen die Klimaerwärmung gemacht habe», erklärt sie, «dann könnte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, nichts getan zuhaben.»

Maturarbeit zum Thema

So verzichtet sie denn auch seit letztem Sommer auf Flugreisen. Ursprünglich ist es ihr Vater, der sie auf die Klimaschädlichkeit des Flugverkehrs aufmerksam macht, ihr Zeitungsartikel zu lesen gibt. Und während eines Schüleraustauschs in Lausanne beginnt sie, den Fleischkonsum in Frage zu stellen. «Es gab dort zweimal am Tag Fleisch zu essen.» Seitdem ernährt sie sich vegetarisch.

Schon früh ist ihr das Umweltthema bewusst. «Mit etwa acht Jahren habe ich von der CO2-Problematik gehört.» Für die Maturarbeit Ende 2017 verbringt sie eine Woche in einem Öko-Dorf im Tessin, recherchiert, liest – und kommt zum Schluss: «Der ökologische Fussabdruck der Schweiz muss gesenkt werden.» Das geplante Zwischenjahr mit einem Aufenthalt in Fuertaventura annulliert sie – nicht zuletzt wegen der Flugreise. Stattdessen verbringt sie in den Bergen eine Ferienwoche. Allerdings, einmal fliegt sie dann doch noch – an die Nordsee. «Das war ein grosser Traum und schon lange gebucht.» Immerhin kompensiert sie die Emissionen – und das schlechte Gewissen– mit einem doppelten Beitrag.

Ohne Parteiprogramm

«Es war mir dann zuwenig, nur für mich aktiv zu sein», sagt die 17-Jährige. So sieht sie sich beim WWF, bei den Jungen Grünen und der Gletscherinitiative um. Beim Mitmachen in der politische Partei missfällt ihr aber etwa das Angebunden sein an das Parteiprogramm: Sie wolle sich allein auf das Klimaproblem fokussieren und sich nicht noch mit anderen politischen Themen befassen müssen: Die Klimastreikbewegung kommt da also gerade recht. Gleichwohl, sie und ihre Mitstreiter brauchen die Politik zur Umsetzung ihrer Anliegen. «Es muss national etwas geschehen.»

Ob dies rechtzeitig gelingt, darüber sei sie sehr besorgt. «Bei vielen Politikern ist die Brisanz des Themas noch nicht angekommen.» Bei Bundesrätin Simonetta Sommaruga schon, wie Fischer bei einem Treffen mit einer Gruppe feststellt habe. «Sie hat uns Mut gemacht, das war sehr schön», sagt sie, die indes noch mehr mit Leuten sprechen will, die anderer Meinung als sie sind. «Denn das Thema geht ja alle an.» Und dabei sei ihr wichtig zu zeigen, dass Verzicht das falsche Wort sei. «Es ist vielmehr bereichernd, weil man viel Neues entdeckt.» Dass mittlerweile das Klimathema breit diskutiert werde, mache sie nun doch auch hoffnungsvoll. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.03.2019, 17:10 Uhr

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