Männedorf

Irrungen und Wirrungen rund um Kinderstation in Männedorf

Ein Kantonsrat sorgt sich um die Kinderstation Brüschhalde, die der Kanton für 30 Millionen vor wenigen Jahren saniert und erweitert hat. Alles ein Sturm im Wasserglas, sagt die Klinik.

Die psychiatrische Kinderklinik Brüschhalde in Männedorf ist ungeplant zum regionalpolitischen Thema geworden.

Die psychiatrische Kinderklinik Brüschhalde in Männedorf ist ungeplant zum regionalpolitischen Thema geworden. Bild: Moritz Hager

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Es waren «lange Jahre des Planens, Rechnens und Zweifelns». Das sagte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) am 5. Mai 2017. An diesem Tag eröffnete er die erneuerte und ausgebaute Kinderstation Brüschhalde in Männedorf. Sein Satz bezog sich auf die Zeit vor 2013, bis der Kantonsrat den Kredit von 23 Millionen Franken für den Zusatzbau bewilligte. Zusammen mit der Sanierung des 1913 erstellten Altbaus kostete das Projekt 30 Millionen Franken.

31 Betten für Kinder und Jugendliche mit schweren psychischen Erkrankungen sowie neun teilstationäre Plätze in einer Tagesklinik standen seither zur Verfügung. Noch ein Satz von Heiniger blieb in den Ohren hängen: Die neue Kinderstation stärke die wohnortnahe und altersgerechte psychiatrische Versorgung im Kanton.

Wortmeldung im Rat

Aufhorchen lässt ein Satz im Bericht der zuständigen kantonsrätlichen Aufsichtskommission über die Psychiatrische Universitätsklinik (PUK). Darin heisst es, dass die heutigen «fünf stationären Angebote (ohne Rheinau) im Gebiet Lengg (ehemals Burghölzli)» konzentriert werden sollen. Die PUK erhofft sich davon Synergiegewinne. Beim Meilemer Kantonsrat Hanspeter Göldi (SP) liess die Formulierung alle Alarmglocken schrillen. Kein Wunder: Göldi ist als ehemaliger Personalvertreter in der PUK mit der Materie bestens vertraut. Er wandte sich deshalb in der Beratung um den Jahresbericht der PUK mit einer mündlichen Stellungnahme ans Parlament und appellierte für den Erhalt der Brüschhalde. Männedorf sei ideal für die Kinder und Jugendlichen. «Für den Standort sprechen neben den bereits getätigten Investitionen auch die kindergerechte Umgebung, ebenfalls können mit der angehängten Tagesklinik in Männedorf bereits Synergien gewonnen werden.»

Im Mai 2017 wurde die psychiatrische Kinderstation Brüschhalde in Männedorf eingeweiht: Hier das renovierte alte Gebäude (links) mit dem Neubau. Bild: Archiv Michael Trost.

Göldi ist bei Schliessungsplänen ein gebranntes Kind: «Bei der Schliessung der privaten Clienia-Tagesklinik in Männedorf 2018 kam unsere Intervention zu spät». Deshalb sei es wichtig, früh genug bei einer solchen Thematik einzuhaken.

Keine Schliessung

Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich hält die Sorgen für unbegründet. Die Brüschhalde in Männedorf sei von den Konzentrationsplanungen nicht betroffen, sagt Mediensprecher Marc Stutz. «In die langfristige Planung aufgenommen sind die Standorte Minervastrasse und Neumünsterallee in der Stadt Zürich, ein Teil der Rheinau sowie allenfalls die Krisenintervention an der Zürcher Militärstrasse.»

Wie aber kommt es zur Differenz zwischen dem Jahresbericht der Kantonsratskommission – wo explizit nur der Standort Rheinau von den Plänen ausgenommen worden ist – und jenem der PUK selber, in dem von der «Konzentration von kleineren stationären Einheiten» die Rede ist? Bei der PUK selber kann man sich die «Fehlinformation» nicht erklären, wie Sprecher Marc Stutz sagt. Man wolle dem nachgehen. Die Präsidentin der kantonsrätlichen Kommission «Bildung und Gesundheit», Katrin Cometta (GLP, Winterthur) kann die «unpräzise Formulierung» auf die Schnelle ebenfalls nicht nachvollziehen. Eine Debatte über einen einzelnen Standort loszutreten, sei auf jeden Fall nicht gewollt gewesen, sagt sie.

Fakt ist: Bis die kleinen PUK-Standorte konzentriert werden, dauert es ohnehin noch viele Jahre. Der Planungshorizont erstreckt sich laut der Klinik bis ins Jahr 2028.

Erstellt: 30.09.2019, 17:57 Uhr

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