Privatschulen

«Unser staatliches Schulsystem ist eines der besten weltweit»

In Zürich besuchen rund 7 Prozent der Kinder eine Privatschule. Im Kanton St. Gallen dagegen sind es nur 2,4 Prozent. Markus Fischer, Generalsekretär Verband Schweizerischer Privatschulen, erklärt.

Markus Fischer ist Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Privatschulen.

Markus Fischer ist Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Privatschulen. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Privatschulquote in Zürich beträgt 7 Prozent, in St. Gallen nur 2 Prozent. Wie erklären Sie sich diesen Unterschied?
Markus Fischer: Die Situation am Zürichsee ist charakteristisch für die Schweiz. Privatschulen häufen sich in städtischen Gebieten und deren Agglomerationen. Tendenziell ländliche Kantone wie St. Gallen weisen dagegen weniger Privatschulen auf. Und je weiter eine Region von der städtischen Agglomeration entfernt ist, desto mehr nimmt die Privatschuldichte ab.

Was für einen Einfluss hat die Stadtnähe auf die Schulwahl?
In wirtschaftlichen Ballungszentren wie Zürich gibt es viele internationale Firmen. Deren Mitarbeitende sind meist nur für drei, vier Jahre in der Schweiz, deswegen schicken sie ihre Kinder in International Schools. Städte und ihre Agglomerationen ziehen ausserdem gut ausgebildete Personen in Kaderpositionen an. Diese haben hohe Ansprüche an die Ausbildung ihrer Kinder und wollen sie mit einer zusätzlichen Fremdsprache oder einem besonderen pädagogischen Schwerpunkt fördern.

Gibt es in ländlichen Regionen vermehrt Privatschulen mit einem religiösen Schwerpunkt?
Diese Beobachtung mache ich nicht. Allgemein würde ich behaupten, dass die Anzahl Privatschulen mit einer religiösen Ausrichtung über die Jahre eher gleichbleibend, wenn nicht sogar leicht abnehmend ist. Mit einer Religionsmarke auf den Bildungsmarkt zu treten, ist heute nicht mehr so attraktiv wie noch vor 100 Jahren.

Unterscheidet sich die Situation der Privatschulen in der Schweiz von anderen Ländern?
International gesehen haben wir mit 4 bis 5 Prozent eine eher tiefe Privatschulquote. Das liegt womöglich daran, dass unser staat­liches Schulsystem eines der besten weltweit ist. Der Entscheid zur Privatschule wird in den meisten Fällen also nicht deswegen gefällt, weil der Standard der Staatsschule zu tief ist, sondern weil sie andere Bedürfnisse nicht decken kann. Sei das die Fremdsprachigkeit, eine gezielte Förderung in einem Schwerpunkt, wenn sich das Kind nicht mit der Lehrperson verträgt oder wegen einer Beeinträchtigung besondere Hilfe braucht.

Diesen Entscheid kann aber nur fällen, wer sich eine Privatschule leisten kann. Kritiker sagen, Privatschulen führten zur sozialen Trennung der Bevölkerung.
Es ist so, nicht jeder kann sich eine Privatschule leisten. Schätzungsweise liegen die Jahresbeiträge zwischen 10 000 und 16 000 Franken. Das kann sich nur die gut verdienende Mittel- bis Oberschicht leisten. Es gibt aber auch einige Schulen, die sich in diesem Punkt durch Fördermassnahmen hervorgetan haben. Ausserdem kommt es an vielen Staatsschulen zur Trennung von armen und reichen, bildungsnahen und bildungsfremden Familien. Vergleicht man Schulen in Ein­wanderer­quar­tie­ren mit jenen aus Nobelvierteln, sieht man da kaum eine soziale Durchmischung. In reichen Gemeinden, wo sich nur gut verdienende Familien Miete oder Liegenschaftspreise leisten können, gibt es Klassenzusammensetzungen, die sich nicht von einer Privatschule unterscheiden.

Erstellt: 28.08.2018, 09:27 Uhr

Artikel zum Thema

Bei den Privatschulen gibt es einen Stadt-Land Graben

Privatschulen In den Bezirken Meilen und Horgen gibt es nicht nur überdurchschnittlich viele Privatschulen, auch deren Ausrichtung unterscheidet sich von jenen in anderen Regionen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles