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«Unser Projekt führt zu einer optischen Verschönerung»

Ein Komitee um Hermann Gericke, Ingenieur und Unternehmer im Ruhestand, lancierte mit dem Parkdeckprojekt einen Gegenvorschlag zur Zentrumsentwicklung. Gericke ist ein vehementer Verfechter oberirdischer Parkplätze und erklärt, weshalb.

Das Parkdeckprojekt: Die obere Ebene umfasst 72 Parkplätze, die untere bietet Platz für 104 Fahrzeuge. In den Investitionskosten von 16 Millionen Franken sind zudem Abstellplätze für Motorräder und Velos sowie die Gestaltung des Aufenthaltsbereichs an der Zürichstrasse, die Werkstoffsammelstelle und eine öffentliche WC-Anlage enthalten.
Das Parkdeckprojekt: Die obere Ebene umfasst 72 Parkplätze, die untere bietet Platz für 104 Fahrzeuge. In den Investitionskosten von 16 Millionen Franken sind zudem Abstellplätze für Motorräder und Velos sowie die Gestaltung des Aufenthaltsbereichs an der Zürichstrasse, die Werkstoffsammelstelle und eine öffentliche WC-Anlage enthalten.
Visualisierung/zvg

Sie nahmen am Mitwirkungsverfahren der Gemeinde teil, das dem Zentrumsprojekt zugrunde liegt. Weil Sie Ihre Anregungen nicht berücksichtigt sahen, reichten Sie die Parkdeck­initiative ein. Sind Sie ein schlechter Verlierer? Nein. Das Problem besteht darin, dass sich am Mitwirkungsverfahren gerade mal ein Prozent der Küsnachter Bevölkerung beteiligt hat. Das ist nicht repräsentativ. Ausserdem wurden Einwände gegen eine Tiefgarage einfach ignoriert. Ich war längst nicht der Einzige, der sich dazu kritisch geäussert hat. Uns ging es mit der Initiative darum, dass die Stimmbürger die Wahl zwischen zwei Projekten haben.

Sie waren von Beginn an ein ­vehementer Gegner einer ­Tiefgarage. Warum?Ich weiss aus Gesprächen, dass sich vor allem Frauen in Tiefgaragen nicht wohlfühlen. Auch die Benützung von Liften ist für viele ein Problem. Es macht keinen Sinn, die Parkplätze für viel Geld unter die Erde zu verlegen, wenn die Leute das Angebot nicht nutzen wollen. Sie werden nach Erlenbach oder Zollikon ausweichen, wo sie ebenerdig parkieren können. Dies schon während der dreijährigen Bauzeit. Nachher bleiben sie dort. Das wäre für die Küsnachter Geschäfte verheerend.

Der oberirdische Parkplatz ist für Sie ein Begegnungsort. ­Meinen Sie das wirklich ernst?Das meine ich sogar sehr ernst. Jeden Tag kommen 800 bis 1000 Leute auf diesen Parkplatz. Das ist die wichtigste Zahl überhaupt. Sie fahren auf das Areal und gehen über den Platz, um auf den Bahnhof, in die Migros oder in einen anderen Laden im Zentrum zu gelangen. Ich treffe immer jemanden. Der Parkplatz ist ein Begegnungsort. Bei einer dreistöckigen Tiefgarage ist dies ausgeschlossen.

Der heutige Parkplatz war ursprünglich als Provisorium gedacht. Er gilt in den Augen vieler als Schandfleck. Sie hingegen sprechen von einer seit Jahrzehnten bewährten Situation. Wie kommen Sie darauf?Aus meiner Erfahrung. Ich habe dort über 2000-mal eingekauft. Es gibt keine Probleme mit der Zirkulation von der Zürichstrasse auf den Parkplatz. Man kann bequem und sicher einkaufen. Wäre es anders, hätte man dort schon längst einen Fussgängerstreifen gemacht oder eine 30er-Zone eingerichtet. Die Situation hat sich jahrzehntelang bewährt. Das bestätigen mir auch zahlreiche andere Nutzer des Parkplatzes. Unser Projekt führt zu einer optischen Verschönerung und einer nutzungsmässigen Verbesserung gegenüber heute.

«Der Parkplatz ist ein Begegnungsort. Jeden Tag kommen 800 bis 1000 Leute hierher.»

Hermann Gericke, Initiant

Das Parkdeckprojekt schafft wie das Zentrumsprojekt neue Parkplätze, aber keine neuen Angebote. Wozu braucht es dann überhaupt mehr Parkplätze?Der Bedarf an einer höheren Zahl an Parkplätzen in der Nähe des Bahnhofs und der Geschäfte wurde vom Gemeinderat erkannt. Küsnacht wird weiter wachsen. Es geht darum, auch für die nächsten 20 Jahre ein genügend grosses Parkplatzangebot zu haben, damit das Zentrum konkurrenzfähig bleibt. Kein Bedarf besteht an Gaststätten und Sälen, in Anbetracht der 13 Gaststätten und über 22 Sälen in nächster Umgebung. Bibliothek, Ludothek und Familienzentrum sind in Gehdistanz in einzigartiger Atmosphäre bestens untergebracht.

Ihr Projekt ist auf die Bedürf­nisse von Autofahrern zugeschnitten. Das vom Gemeinderat favorisierte Projekt richtet sich zusätzlich an Familien, Kulturinteressierte und Gewerbetreibende – und kommt damit viel mehr Küsnachtern zugute. Das lässt auch die höheren ­Kosten in einem anderen Licht erscheinen.Das Parkdeckprojekt bedient genauso alle Alters- und Interessengruppen. Ein wichtiger Bestandteil ist die neue Fussgängeranlage, willkommen bei Schülern und Handwerkern zum Verzehr ihres Picknicks. Die obere Ebene des Parkdecks kann wie gefordert für Veranstaltungen genutzt werden. Dabei steht eine viel grössere freie Fläche zur Verfügung als beim Zentrumsprojekt. Der eingesparte Betrag von über 30 Millionen Franken kann für andere für die Bevölkerung wichtige Vorhaben wie die Sanierung der Kunsteisbahn verwendet werden.

Sie sagen, mit dem Parkdeck würden künftige Projekte nicht verbaut. Glauben Sie wirklich, dass man im Nachhinein auf einem realisierten Parkdeck noch ein Gebäude oder einen Platz für Fussgänger erstellt?Unser Projekt ist völlig offen. Man kann auch zu einem späteren Zeitpunkt noch Gebäude auf das Areal stellen. Mit der integrierten Parkanlage kommen wir dem Wunsch nach einem öffentlichen Platz sehr wohl nach. Auch die Bedürfnisse der Fussgänger sind berücksichtigt.

Der Park ist aber vergleichs­weise klein. Neben der Möglichkeit zum Verweilen empfahl das Mitwirkungsverfahren ein unterirdisches Parkhaus. Nochmals: Warum wehren Sie sich so vehement gegen die Tiefgarage?Was zur Abstimmung vorliegt, ist technisch gesehen eine Fehlleistung. Die Zufahrt über den Kreisel im Oberwachttunnel ist gefährlich. Dadurch müssen für jede Parkierung zwei Geschosse mit den Wendeln aufwärts und abwärts befahren werden, was absurd ist.

Kommen wir zurück zu Ihrem Projekt: Der Gemeinderat, Ihr Gegner bei dieser Abstimmungsvorlage, hat das Parkdeck ausarbeiten lassen. Wie ­beurteilen Sie das Resultat?Die Gemeinde hat das Parkdeckprojekt korrekt ausgeschrieben. In Anbetracht der beschränkten Zeit, die zur Verfügung stand, bin ich zufrieden. Allerdings ist von den Kosten her sicher das Maximum erreicht worden. Würde man anstelle von Beton Stahl verwenden, käme dies günstiger. Ausserdem könnte so die Bauzeit noch weiter verkürzt werden.

Ein Nachteil des Parkdeckprojekts ist, dass die Zürichstrasse gleich zweimal mit Ein- beziehungsweise Ausfahrten gequert wird. Was sagen Sie zu den Befürchtungen punkto ­Sicherheit?Ich habe diesbezüglich keine Bedenken. Der Parkplatz selber wird sicherer, weil er grosszügiger angelegt ist als heute. Für Fussgänger sind spezielle Geh­bereiche vorgesehen. Grosse Sicherheitsbedenken habe ich hingegen bei der Tiefgarage. Dort sind die Fahrgassen für die zirkulierenden Autos und Fussgänger zu schmal.

Was finden Sie denn gut am gegnerischen Projekt?(überlegt lange) Nichts, bis auf die erhöhte Parkplatzzahl.

Was stört Sie neben der ­Tiefgarage am meisten?Die dreijährige Bauzeit ist für die umliegenden Gewerbetreibenden eine Katastrophe. Damit werden Arbeitsplätze vernichtet und Existenzen gefährdet. Dazu sind die Verkehrsumleitungen für die Quartiere ein Ärgernis.

Wie schätzen Sie die Chancen Ihres Projektes ein?Basierend auf den vielen positiven Reaktionen aus der Bevölkerung, schätze ich unsere Chancen als realistisch ein.

Was halten Sie vom Szenario, dass beide Vorlagen durch­fallen?Dann würde alles so bleiben, wie es ist. Die Konkurrenzfähigkeit von Küsnacht bleibt kurzfristig erhalten. Bei zunehmender Parkplatzknappheit könnte das Parkdeck doch noch erstellt werden.

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