Ironman

Umleitungschaos am Triathlon

Stäfa stellt das Organisationskomitee des Ironman-Triathlons doppelt auf die Probe. Sowohl die Velostrecke als auch der Strassenverkehr müssen hier am Sonntag umgeleitet werden. Auf 250 Metern kommen sich beide gefährlich nahe. 

Gefährliches Nadelöhr in Stäfa: Die einspurige Bahnhofwiese bis zum Kreisel teilen sich Velorennen und Strassenverkehr. Foto: Moritz Hager

Gefährliches Nadelöhr in Stäfa: Die einspurige Bahnhofwiese bis zum Kreisel teilen sich Velorennen und Strassenverkehr. Foto: Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Ironman Zurich übermorgen Sonntag ist der bedeutendste Triathlon in der Schweiz. Rund 2000 Athletinnen und Athleten schwimmen 3,8 Kilometer im Zürichsee, fahren 180 Kilometer Velo und laufen einen Marathon. Dieses Jahr müssen die Triathleten auf ihren zwei Runden auf dem Rennvelo zwischen Kilchberg und dem Zürcher Oberland in Stäfa eine Extraschlaufe einlegen, um einer Baustelle auf der Seestrasse auszuweichen.

Die improvisierte Route führt kurz nach Männedorf in die Lattenbergstrasse über den «Hexentanz» (siehe Kasten) via Häldelistrasse, Bahnhofwiese und Unterführung beim Bahnhof Stäfa zurück auf die Seestrasse Richtung Feldbach.

Die Ironman-Strecke führt dieses Jahr über den Hexentanz in Stäfa. ZSZ-Reporter Christian Dietz-Saluz hat die steile Passage unter die Räder genommen. Video: Moritz Hager, Christian Dietz-Saluz

Die zweite Baustelle betrifft den Strassenverkehr, der dem Triathlonrennen möglichst nicht in die Quere kommen soll. Deshalb wurde letzte Woche in Stäfa und Umgebung vom OK ein Flyer verteilt. Darin ist genau beschrieben, wie der Verkehr zwischen Stäfa und Hombrechtikon umgeleitet wird, weil wegen dieser Veranstaltung der direkte Weg über Aberenstrasse, Frohberg und Lächlerstrasse komplett gesperrt wird.

Ein falscher Flyer

Doch dieser Flyer birgt einen entscheidenden Fehler: Von der Bergstrasse sollten nämlich alle Fahrzeuge in die Grundstrasse umgeleitet werden. Der obere Teil der Grundstrasse ist aber wegen einer Baustelle bis Mitte August gesperrt.

Der Renndirektor des Ironman, Lukas Rüedi, bedauert diese Panne. «Das ist dumm gelaufen, irgendwo im Dreieck zwischen Gemeinde Stäfa, kantonalem Tiefbauamt und unserer Organisation ist diese Information verloren gegangen.» Deshalb wurde die Beschreibung der Umleitung unverändert vom letzten Jahr übernommen.

Beide über Bahnhofwiese

Das OK wusste bis Beginn dieser Woche nicht, dass der Strassenverkehr unmöglich so wie geplant umgeleitet werden kann. Inzwischen wurde eine Lösung gefunden. Neu wird der Strassenverkehr über die Bergstrasse bis fast zuunterst im Dorf in die einspurige Bahnhofwiese geführt und nach dem Kreisel wieder aufwärts zur Goethestrasse. Von dort geht es via untere Grundstrasse zur Tränkebachstrasse, zur Dorfstrasse und zur Laubisrütistrasse Richtung Hombrechtikon. Dieser Notplan hat allerdings einen gefährlichen Schönheitsfehler. Auch die Triathleten werden wegen ihrer Umleitung von der Seestrasse mit dem Velo die Bahnhofwiese befahren. Diese schmale Strasse endet nach rund 250 Metern an einem Kreisel mit engem Radius. Während die Wettkämpfer dort rechts in die Unterführung abbiegen, um zurück auf die Seestrasse zu gelangen, muss der übrige Verkehr eine Dreiviertelrunde um den Kreisel nach links zur Goethestrasse fahren.

Steiles Spektakel

«Wir sichern diese heikle Passage mit Verkehrskadetten», sagt Rüedi. Eventuell müssten zwischendurch Autos aufgehalten werden, um ein reibungsloses Nebeneinander von Rennen und Normalverkehr zu gewährleisten. «Das ist weder für uns noch für den Strassenverkehr optimal», fügt der Renndirektor an. «Aber es ist die einzige Lösung.»

Immerhin bringt die umgeleitete Velostrecke in Stäfa einen unverhofften Höhepunkt. Vom von Reben geprägten Lattenberg ins Dorf führt die Passage über den Hexentanz: eine kurze, extrem steile und schmale Rampe, die dem gefürchteten Heartbreak Hill in Kilchberg diesmal den Rang des steilsten Anstiegs des Ironman abläuft.

Erstellt: 18.07.2019, 16:55 Uhr

Artikel zum Thema

Wo überall mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen ist

Ironman Gesperrte Strassen und Umfahrungen wegen dem Ironman: Rund um den Zürichsee zieht der Grossanlass erhebliche Verkehrseinschränkungen nach sich. Eine Übersicht. Mehr...

Seriensieger Schildknecht freut sich auf den Hexentanz

«Hexentanz» nennen die Einheimischen eine schmale Wegpassage im Westen von Stäfa Richtung Männedorf. Sie führt auf dem Trassee der ehemaligen Alten Landstrasse durch eine steil gegen den See abfallende Nagelfluhdecke ins Weinbaugebiet Lattenberg.

Bei den Fuhrleuten war die bis zum Bau der Seestrasse 1842  unumgängliche Steigung besonders gefürchtet. Die Grüninger beklagten sich 1813 nach einem Unfall über den «steilen Berg» und den «tiefen Abgrund», wie auf den Infotafeln am Hexentanz vermerkt ist. Die Gossauer kamen 1820 mit den fast 20 Meter langen Balken für ihre Kirche «nur mit grosser Mühe und etwelcher Schädigung» zurecht.

Den Landwirten brachte der Hohlweg Ärger und Verdruss. Durch die enge Passage fiel der Wind stets mit Wucht in die Ebene ein und zerzauste sie derart, als ob ausser Rand und Band geratene Hexen durch die nach der Ernte sauber aufgerichteten Heuhaufen getanzt wären. Von dieser mündlichen Überlieferung rührt der Flurname her.

Für die Triathleten ist der Hexentanz eine Klippe mehr auf ihrer Rennstrecke. Ronnie Schildknecht hat den Ironman Zurich schon neunmal gewonnen. Der Lokalmatador aus Langnau freut sich auf die Umleitung der Velostrecke über den steilen Hexentanz. Der 39-Jährige schätzt es, wenn nach vielen flachen Kilometern am See ein Rhythmuswechsel erfolgt. «Zwei Minuten aus dem Sattel tun gut, das ist meine Ansicht. Andere empfinden dies vielleicht nicht so.» Schildknecht setzt sich einen Podestplatz zum Minimalziel. Ein zehnter Sieg «in meinem Wohnzimmer» wäre für ihn die Krönung seiner Laufbahn.

Auch Ironman-Renndirektor Lukas Rüedi sieht im Hexentanz eine «coole Abwechslung für die Athleten». Bei der Streckenbesichtigung habe er sich sogar gedacht, dass hier einige Velofahrer wohl absteigen und ihr Rennrad schieben werden. Die Hexen würden dies mit schaurigem Gelächter quittieren. (di)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben