Stäfa

Üriker kämpfen für Erhalt von Parkplätzen beim Bahnhof

Die SBB wollen ihr unverbautes Grundstück neben dem Bahnhof Ürikon möglichst gut für neue Wohnungen ausnutzen. Dafür opfern sie 35 öffentliche Parkplätze – und sie kaufen für die Überbauung sogar Land von der Gemeinde dazu.

Die Park+Rail-Anlage beim Bahnhof Ürikon zeigte sich sich am vergangenen Dienstagmorgen gut ausgelastet.

Die Park+Rail-Anlage beim Bahnhof Ürikon zeigte sich sich am vergangenen Dienstagmorgen gut ausgelastet. Bild: Michael Trost

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Entlang der Bahnlinien besitzen die SBB viel Land. Weil dieses zu einem grossen Teil brach liegt, ist die Bahn in den vergangenen Jahren in mehreren Städten und Gemeinden dazu übergegangen, ihre Grundstücke gewinnbringend zu überbauen. Das ist auch ihre Absicht beim Bahnhof Ürikon, wo für rund 30 Millionen Franken vier Mehrfamilienhäuser mit 46 Wohnungen geplant sind.

Um die Überbauung realisieren zu können, opfern die SBB ihre Park+Rail-Anlage mit heute 53 Parkplätzen. Einige wenige davon sind fix vermietet, 45 sind öffentlich. Künftig sollen es nur noch zehn sein.

Kritik am Gewinnstreben

An diesem Abbau stören sich mehrere Üriker. Teils sind Einwendungen bei der Gemeinde Stäfa eingegangen, teils kritisieren Leser das Vorhaben in Zuschriften an die ZSZ. «Die SBB gewichten ihre Immobiliengewinne höher als ihren Kernauftrag eines gut funktionierenden Bahnnetzes, zu dem aus meiner Sicht auch genügend P+R-Parkplätze gehören», findet etwa ein Anwohner des Bahnhofs. Teile von Ürikon und Hombrechtikon seien mit dem öffentlichen Verkehr kaum erschlossen und deshalb auf die Parkplätze angewiesen, sagt der Mann, der das Bauvorhaben überdies als zu voluminös erachtet.

Ein Leser, der weit oben in Ürikon wohnt, sieht dies ähnlich. Er fordert: «Wären die SBB bereit, ihr Areal nur zu versilbern statt zu vergolden, das heisst sich mit drei statt vier Immobilien zufriedenzugeben, könnten die dringend benötigten P+R-Plätze aufrechterhalten werden.»

Eine andere Sicht vertreten die SBB. Der Bund als Eigner sehe in seinem Auftrag klar vor, dass die SBB ihr Immobilienportfolio nachhaltig bewirtschaften müssten, sagt Mediensprecher Oli Dischoe. «Die Gewinne verbleiben vollumfänglich im System Bahn.» Ausserdem fordere der Gesetzgeber, dass zentral gelegene Areale verdichtet werden müssten. «Im revidierten Raumplanungsgesetz hat sich die Schweizer Stimmbevölkerung für eine solche Verdichtung ausgesprochen. Die SBB nimmt ihre Verantwortung diesbezüglich war.»

Der Mediensprecher verweist überdies auf die Nachbargemeinden. «Im Vergleich zu anderen Bahnhöfen in der Region hatte Ürikon mit durchschnittlich 2200 Ein- und Aussteigern pro Werktag bisher überproportional viele Park+Rail-Parkplätze», sagt Dischoe. Ürikon werde künftig gemessen an den täglichen Bahnkunden vergleichbar viele Parkplätze aufweisen wie andere Bahnhöfe in der Region.

Tatsächlich zeigt ein Blick auf das P+R-Angebot zwischen Zürich und Rapperswil, dass die SBB heute beim Bahnhof Ürikon relativ viele Parkplätze anbieten. So stehen in grossen Gemeinden wie Küsnacht und Männedorf weniger P+R-Parkplätze zur Verfügung. Allerdings gibt es an der Zürichstrasse in Küsnacht sowie an der Mittelwies in Männedorf grosse Parkplatzanlagen direkt beim Bahnhof, die von der jeweiligen Gemeinde betrieben werden.

Nicht nur P+R verschwindet

In Ürikon findet sich nichts Vergleichbares – im Gegenteil: Dort wird sich die Situation beim Bahnhof zusätzlich verschärfen, weil nebst der P+R-Anlage auch mehrere Parkplätze der Gemeinde verschwinden werden. Denn die SBB kaufen dieser Land ab, auf dem sich heute Gratisparkplätze befinden. Die SBB können dadurch ihren Bauperimeter vergrössern und das Grundstück besser ausnutzen. Konkret geht es um eine 240 Quadratmeter grosse Teilfläche der Stationsstrasse, die an das Grundstück der SBB grenzt und am Recycling-Unternehmen Fritschi vorbeiführt. «Die Verhandlungen sind grundsätzlich abgeschlossen», sagt der Stäfner Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger auf Anfrage. Der Verkaufspreis betrage 240 000 Franken. Bis in eine Höhe von 0,5 Millionen kann der Gemeinderat in eigener Kompetenz über den Verkauf befinden,eine Abstimmung gibt es somit nicht.

Mit der neuen Überbauung würde die Stationsstrasse – eine Sackgasse – auf ihrem letzten Teilstück verschmälert und schon früher als heute in den Sternenhaldenweg übergehen, der am gleichnamigen Rebberg entlang führt. Dadurch gingen Parkfelder für rund 18 Fahrzeuge verloren.

Im Zuge des Bauprojekts würden somit insgesamt über 50 öffentliche Parkplätze beziehungsweise rund 80 Prozent des heutigen Angebots verschwinden. Die Nachfrage wäre zu einem guten Teil vorhanden, wie eine Stichprobe an fünf Tagen zeigt. Die Gratisparkplätze der Gemeinde waren wochentags jeweils fast voll belegt, am Wochenende halb. Mindestens zur Hälfte ausgelastet war an Werktagen auch die kostenpflichtige P+R-Anlage der SBB. Am Wochenende wurde sie mindestens zu einem Drittel beansprucht. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.08.2018, 14:13 Uhr

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Buswendeschleife wird verlegt

Bus hat wenig Platz zum Wenden

Für die vier Mehrfamilienhäuser sollen nicht nur Dutzende öffentliche Parkplätze aufgehoben werden. Auch der Güterschuppen muss weichen, damit die Wendeschleife für die Busse der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) verlegt werden kann. Kritiker sind der Ansicht, dass es für die Gelenkbusse äusserst eng und die Situation nicht optimal gelöst wird.

Tatsächlich ist in den Unterlagen zum Gestaltungsplan, der noch bis zum 10. September öffentlich aufliegt,vermerkt, «dass eine auf den minimalen Platzbedarf optimierte Busschleife realisiert werden» soll. Die VZO seien allerdings nach Fahrversuchen zum Schluss gekommen, dass die neue Wendeschleife gut befahrbar wäre, heisst es in den Unterlagen. Zu beachten gelte es aber, dass nicht falsch parkierte Autos das Wenden verunmöglichen würden. Unter anderem soll deshalb eine gelbe Bodenmarkierung den Fahrbereich der Busse kennzeichnen.

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