Bezirksgericht Meilen

Üble Ausraster und Angriffe enden mit einer Geldstrafe

Ein Mann aus dem Bezirk Meilen musste sich wegen verbalen Attacken, Drohungen und Tätlichkeiten vor Gericht verantworten. Er entpuppte sich als tragische Figur – wurde aber verurteilt.

Ein Mann, der Kontrolleure in einem Bus übel beschimpft und mit seinem Rollstuhl angegriffen hat, ist vom Bezirksgericht Meilen zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Ein Mann, der Kontrolleure in einem Bus übel beschimpft und mit seinem Rollstuhl angegriffen hat, ist vom Bezirksgericht Meilen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Bild: Manuela Matt

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Der Mann, der im Bezirksgericht Meilen erscheinen musste, kann äusserst unfreundlich werden. Dies etwa, wenn er im Rollstuhl mit seinem Hund unterwegs ist und es mit Beamten zu tun bekommt. So geschehen im September 2017, als er in einem öffentlichen Bus in Erlenbach unterwegs war und von zwei Mitarbeitern der Busbetreibers einer Billettkontrolle unterzogen wurde.

Weil er keine Fahrkarte für seinen Hund vorweisen konnte, forderten ihn die Kontrolleure auf, sich auszuweisen.Das war bereits zu viel für den heute 64-Jährigen aus dem Bezirk, der wegen einer Krankheit an einen elektronischen Rollstuhl gefesselt ist: Er rastete aus und deckte die beiden Postauto-Beamten mit übelsten Schimpfwörtern ein. Begriffe wie Idioten und Penner gehörten dabei noch zur harmloseren Sorte, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Über den Fuss gerollt

Gröber war dann seine Drohung gegenüber dem Kontrolleur, er lasse «seinen Hund auf das Grab von dessen Mutter scheissen», eine Aussage die ihm bei der Befragung durch die Richterin nochmals vorgehalten wurde.

Doch es blieb nicht bei solchen Tiraden. Gemäss der Staatsanwaltschaft See/Oberland fuhr der Mann der Kontrolleurin im Bus auf den Fuss – und beim Verlassen des Busses und auf dem Trottoir ihrem Kollegen noch ins Bein. Dabei nahm er gemäss der Anklage Körperverletzungen zumindest in Kauf.

Ausraster leistete sich der Mann auch, als er an einer Versammlung einer Wohnbaugenossenschaft in der Region rechtes Zürichseeufer den Präsidenten als «Bastard» abkanzelte und ihm drohte, er lasse seine Familie umbringen.

Auch im Gericht ausfällig

Die Staatsanwaltschaft warf dem Beschuldigten mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie schwere Drohung und mehrfache Beschimpfung vor. Sie beantragte eine bedingte Geldstrafe sowie eine Busse oder – im Fall einer Nichtbezahlung – eine Freiheitsstrafe von 15 Tagen.

Bei der Befragung durch die Richterin wirkte der Beschuldigte zuerst gelassen und hörte sich die Fragen mit einem Lächeln an. Doch schon bald wurde er unflätig und beschimpfte den als Kläger anwesenden Kontrolleur erneut. Die Richterin musste ihm eine Busse androhen, bis er sich einigermassen unter Kontrolle halten konnte. Die Vorwürfe wies er jedoch mehrheitlich als «Bullshit» und Lügen zurück. Noch nie habe er ein Billett für seinen kleinen Hund kaufen müssen, behauptete er etwa. Der Beamte sei am Zusammenprall zudem selber schuld gewesen, weil er ihm den Weg versperrt habe.

Auch den Vorwurf, er habe an der Versammlung der Genossenschaft Todesdrohungen ausgestossen, wies er als Lüge zurück. Seine Wut auf den Kläger begründete er damit, dass ihm dieser als Mieter habe kündigen wollen, wegen seines Hundes. Er habe sich für seinen Rauswurf stark gemacht und ihn beleidigt.

Verteidiger für Milde

Der Verteidiger forderte das Gericht auf, seinen Mandanten mit Nachsicht zu behandeln. Dieser sei «in seinem Rollstuhl gefangen», lebe als IV-Bezüger in bescheidenen Verhältnissen und sei auf seinen Hund angewiesen. Der einstige Geschäftsmann habe als Folge seiner Krankheit die ganze Familie verloren und sei «vom Leben schon genug bestraft». Mit Blick auf die Anklagepunkte wies er darauf hin, dass Videoaufnahmen aus dem Bus nicht beweisen würden, dass sein Mandant vorsätzlich in die Kontrolleure gefahren sei. Zudem werde die Billettpflicht für kleine Hunde im öffentlichen Verkehr seiner Meinung nach unterschiedlich gehandhabt.

Kritik übte der Verteidiger gegenüber den Verantwortlichen der Genossenschaft, die seinen Mandanten und seinen Wunsch, den Hund behalten zu dürfen, «ohne jede Empathie» behandelt hätten. Zudem sei die Kündigung nicht rechtmässig erfolgt. Falls der Mann seine Wohnung verlassen müsse, könne er nur noch in ein Pflegeheim – und zwar ohne den geliebten Hund. Das, so der Verteidiger, wäre tragisch für den Mann, der aufgrund eines Vergleichs nun noch bis 2021 in der Genossenschaftswohnung bleiben kann. Mit Blick auf die Drohungen verwies der Verteidiger auf einen Zeugen, der davon nichts gehört haben wollte.

Der Verteidiger plädierte dafür, den Beschuldigten vom Vorwurf der Gewalt und Drohung freizusprechen und für die Beschimpfungen milde zu bestrafen. Auf eine Busse oder eine Haft sei zu verzichten, zumal der IV-Bezüger kaum Geld habe und gar nicht haftfähig sei.

Das Gericht sah jedoch nur bedingt Gründe für Milde – und verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 4500 Franken. Damit blieb sie zwar unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 7200 Franken gefordert hatte. Dafür verlängerte sie die Probezeit für den aufgeschobenen Vollzug von zwei auf drei Jahre, vor allem auch, weil der Beschuldigte keinerlei Einsicht an den Tag legte.

Bei der Busse und einer möglichen Freiheitsstrafe folgte das Gericht dem Argument des Verteidigers und verzichtete darauf. Die Verfahrenskosten von rund 2300 Franken muss der Verurteilte übernehmen.

Kein Recht gehabt

Die Richterin hielt in der Begründung fest, dass die Aussagen der Kläger ein klares Bild ergeben hätten und nachweislich korrekt seien. Die Aussage des vom Verteidiger zitierten Zeugen sei dagegen nicht verlässlich, da sie mit grosser Zeitverzögerung erfolgt seien. Gegenüber dem Beschuldigten meinte sie unter anderem, dass er für seine «massiven» Drohungen, Beschimpfungen und Tätlichkeiten überhaupt kein Recht gehabt habe. Sie seien auch nicht mit seiner schwierigen persönlichen Situation zu entschuldigen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.11.2018, 16:29 Uhr

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