Meilen

«Überleben werden Spitäler, die sich auf Leistungen fokussieren»

Vernetzung ist das Schlüsselwort für die Zukunft der Regionalspitäler, darin sind sich die Gesundheitspolitiker im Bezirk Meilen einig.

Diskutierten über die Zukunft des Gesundheitswesens: Podiumsleiter Willy Oggier, Thomas Wirth, Beatrix Frey-Eigenmann, Lorenz Schmid und Hanspeter Göldi (von links).

Diskutierten über die Zukunft des Gesundheitswesens: Podiumsleiter Willy Oggier, Thomas Wirth, Beatrix Frey-Eigenmann, Lorenz Schmid und Hanspeter Göldi (von links). Bild: Manuela Matt

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Wie soll es mit dem Spital Männedorf weitergehen? Diese Frage stand nicht nur als Titel über der von der Bezirkspartei der CVP organisierten Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Jürg Wille Saal, sie diente Moderator Willy Oggier auch gleich als Einstieg in die gut zweistündige Diskussion. Zuvor forderte der Gesundheitsökonom die vier anwesenden Kantonsrätinnen und Kantonsräte auf der Bühne allerdings dazu auf, in einem Wort die Ära des scheidenden Zürcher Gesundheitsdirektors Thomas Heiniger (FDP) zusammenzufassen.

Beatrix Frey-Eigenmann (FDP Meilen) nannte Heiniger einen Musterschüler. «Es gab wohl kaum je ein Gesundheitsdirektor, der ein neues Gesundheitsgesetz so konsequent und ernsthaft umgesetzt hat», begründete die Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Männedorf ihre Wahl. Aus Sicht der Spitäler selber würde sie Thomas Heiniger indes die Rolle eines Super-Konditions-Trainers zuweisen, ergänzte Frey-Eigenmann. «Er hat uns nichts geschenkt und die Zürcher Spitäler fit getrimmt.»

Hanspeter Göldi (SP Meilen) nannte den abtretenden Gesundheitsdirektor derweil einen Lernenden. Ähnlich sah dies auch Lorenz Schmid (CVP Männedorf), der Heiniger das Prädikat Schülerknabe verlieh. Deutlich kritischer äusserte sich hingegen Thomas Wirth (GLP Hombrechtikon): Er setzte hinter die Ära Heiniger das Wort eigenmächtig. «Gerade in den letzten Jahren gab es mit der Einführung des Notfalltelefons oder des elektronischen Patientendossiers einiges, das nicht transparent genug lief.»

Weniger Fachgebiete im stationären Bereich

Auch bei der Frage, wo denn in den nächsten Jahren die grössten Herausforderungen im Zürcher Gesundheitswesen lägen, waren sich die vier Gesundheitspolitiker, die sich mitten im Wahlkampf befinden – am 24. März wählen die Zürcher Stimmberechtigten ihr Parlament – weitestgehend einig. Die Zahlungsbereitschaft der Patienten nehme ab, während ihre Qualitätsanforderungen immer höher würden, hielt Frey-Eigenmann fest. Hier gelte es ein Gleichgewicht zu finden. «Überleben werden jene Spitäler, die sich über die Grundversorgung hinaus auf gewisse Leistungen fokussieren.» Ein Schlüsselwort hierfür sei die Vernetzung. Die verschiedenen Fachdisziplinen und Sektoren, seien dies nun Hausärzte, Spitäler oder Spitex, müssten enger zusammenarbeiten. Dem pflichtete auch Thomas Wirth bei: «Entscheidend ist es, dass die Barriere zwischen den Spitälern und den Arztpraxen durchlässiger wird.»

Auch Hanspeter Göldi sprach davon, dass die einzige Zukunft der Spitäler im Bezirk Meilen in der Zusammenarbeit mit anderen Leistungsträgern läge. «Die Politik muss nun die Rahmenbedingungen dafür schaffen.» Dem pflichtete auch Lorenz Schmid bei: «Der mörderische Konkurrenzkampf muss aufhören.» Das Spital Männedorf könne nur dann überleben, wenn es die ambulante Grundversorgung ausbaue und sich mit den Hausärzten und den kommunalen Spitex-Organisatoren vernetze. Der CVP-Politiker geht in seinen Forderungen gar noch einen Schritt weiter: Im stationären Bereich soll sich das Spital Männedorf auf wenige Fachgebiete wie etwa die Gerontologie spezialisieren. Die übrigen stationären Leistungen sollen nur noch in Zusammenarbeit mit Zentrumsspitälern oder anderen Regionalspitälern erbracht werden. Seine Forderung hat Schmid kürzlich auch in einem Schreiben an die Gemeindepräsidenten der acht Trägergemeinden des Spitals Männedorf kund getan.

Eine Permanence für Männedorf

«Wir haben eine Strategie und diese wird auch laufend weiterentwickelt», konterte Stefan Metzker, Direktor des Spital Männedorf, das Votum Schmids aus den Reihen des Publikums. Zudem konzentriere sich das Spital bereits heute auf die Altersmedizin. Mit einer Beschränkung der stationären Angebote auf die Altersgruppe der Über-65-Jährigen könnte das Spital Männedorf aber schlicht nicht überleben, hielt Metzker fest.

Nach dem Votum des Spitaldirektors öffnete Moderator Oggier die Diskussion auch für die übrigen gut 60 Anwesenden im Publikum. So wollte Hanspeter Amrein (SVP Küsnacht), seines Zeichens ebenfalls Kantonsrat, von den anwesenden Gesundheitspolitikern wissen, ob ein Spital wie dasjenige in Männedorf nicht auch eine Permanence haben sollte. Eine Gruppenpraxis oder eine Permanence sei definitv etwas, wofür das das Spital Männedorf offen sei, versicherte Beatrix Frey-Eigenmann. Auch die männlichen Diskussionsteilnehmer zeigten sich von dieser Idee angetan.

Kantonsratskandidatin Andrea Leutwyler (BDP Hombrechtikon) fokussierte in ihrem Appell auf die explosionsartig steigenden Gesundheitskosten. «Es können alle etwas dazu beitragen, dass die Kosten nicht weiter steigen, indem sie nicht mit jedem Wehwehchen zum Doktor rennen.» Dem schloss sich auch Frey-Eigenmann an: «In Sachen Krankenversicherung haben wir alle ein GA erster Klasse und jeder kann etwas dazu beitragen, dass dieses auch für alle erschwinglich bleibt.»

Er brauche gar kein GA der ersten Klasse, ihm reiche die zweite Klasse, widersprach Hanspeter Göldi. Dennoch ortete auch er das grösste Sparpotenzial bei der Prävention, die bei jedem selber anfange. «Jeder weiss, dass eine ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung wichtig ist.» Ebenso funktioniere es gerade nicht, hielt derweil Lorenz Schmid dagegen. «Es weiss auch jeder um die Folgen des Klimawandels.» Geflogen aber werde trotzdem. Darum sei es jetzt an der Zeit für eine politische Direktive.

Erstellt: 05.02.2019, 17:35 Uhr

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