Stäfa

Über das Theater und das Schreiben

Sie ist Schriftstellerin und war Theaterpädagogin, Stückeschreiberin und Regisseurin – Elisabeth Beer vermittelte am Frauenbrunch einen lebendigen Eindruck von ihrem vielfältigen Schaffen.

die 73-jährige Elisabeth Beer berichtete von ihrem vielseitigen Schaffen.

die 73-jährige Elisabeth Beer berichtete von ihrem vielseitigen Schaffen. Bild: Michael Trost

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Ihren Schauspielern, für die sie jahrelang Theaterstücke inszenierte und die vor der Premiere nicht selten über Lampenfieber klagten, wusste Elisabeth Beer stets guten Rat: «Steh hin und sage deinen Text auf, die werden dir schon nicht den Kopf abbeissen.» An diesen Ratschlag hat sich die Referentin am Mittwoch am Frauenbrunch der reformierten Kirche Stäfa erinnert, als sie mit «etwas erhöhtem Puls», wie sie verriet, vor den 40 Zuhörerinnen stand, wohl wissend, dass diese gerade ihr Frühstück verspeist hatten und ihr also nichts mehr drohte.

Debüt mit 60 Jahren

Mit dieser auflockernden Anekdote begann die in Meilen aufgewachsene und seit 1977 in Stäfa lebende Schriftstellerin über ihre verschiedenen Tätigkeiten zu berichten. Zunächst über ihre Arbeit am Theater, denn mit dem Schreiben hat die Mutter zweier erwachsener Kinder spät angefangen: Erst im Alter von 60 Jahren gab sie 2006 ihren ersten Roman («Im Mantel unterwegs») heraus, 2010 erschien «Haus am See» und vor vier Jahren gelang ihr mit «Sternenberg oder das Wachsen der Sehnsucht» der dritte und bislang letzte Wurf.

Der Gang-go für alles

Als Primarlehrerin in Stäfa hatte Beer mit ihren Schülern auch immer Theater gespielt, das sei für diese stets ein Vergnügen gewesen. Dann, mit 40, habe sie ins Leere hinaus gekündigt: «Ich wollte nur noch Theater machen.» Sie hat sich in Regie, aber auch in diversen Sparten der Schauspielerei weitergebildet und landete mit diesem Rüstzeug am Zürcher Gastspieltheater, welches mit Märlistücken auf Tournee ging. «Als Regie-Assistentin war ich nicht nur der Gang-go, sondern übernahm eine der wichtigsten Aufgaben bei einer Inszenierung, indem ich das sogenannte Regie-Buch führte», erzählte sie über ihren Einstieg in die Theaterwelt. Jede Änderung, die der Regisseur während den Proben vornahm, musste sie im Buch festhalten, damit die Schauspielenden beim nächsten Mal wussten, was zuletzt abgemacht worden war. Ihr wichtigstes Requisit sei der Radiergummi gewesen, «weil ständig alles abgeändert wurde».

Lustiges Schauspiel

Danach wollte sie an ein richtiges Theater, wie sie ausführte, und klopfte bei der Intendantin des Theaters am Neumarkt an. Beim damaligen Regisseur, einem «Macho-Typen», der es immer besser wusste, musste Elisabeth Beer nach eigener Aussage zwar einiges einstecken, konnte vom Profi indes viel profitieren. In dieser Zeit wirkte sie daneben als Theaterpädagogin in Zürich, wo sie zum Teil schwierige Jugendliche erfolgreich fürs Theaterspiel öffnen konnte. Schliesslich leitete die heute 73-Jährige während eines Jahrzehnts die Theatergruppen in Bergmeilen und Oetwil. Für sie schrieb sie Komödien in Mundart und wirkte als Regisseurin. Diese Laiendarsteller galt es für ihr Rollenspiel zu sensibilisieren, indem sie vollen Einsatz zeigten. Halbbatziges tolerierte Beer nicht. Als eine Darstellerin einen Tobsuchtsanfall nach mehrmaligem Wiederholen einfach nicht hinkriegte und die Regisseurin darauf enerviert anschrie, was sie denn von ihr verlange, habe Beer nur geantwortet: «Eben das!»

Dann las die Referentin aus der Komödie «De fräch Willi» vor, die sie für die Meilemer geschrieben hatte. Dabei übernahm sie die Rollen von drei Frauen, die nebeneinander in einer Wäscherei bügelnd palaverten. Je nachdem, welche sie zitierte, bewegte sie sich von links zur Mitte und nach rechts. Elisabeth Beer interpretierte diese komischen Figuren mit Gestik und Mimik so authentisch, dass sie Gelächter und Zwischenapplaus erntete.

Im Gegensatz zum Theaterstück seien die Figuren in ihren Romanen nicht fix und berechenbar, sondern würden sich im Verlauf des Schreibprozesses weiterentwickeln, und nicht immer in die Richtung, die die Autorin vorgesehen hatte. Spontane Einfälle und Eingebungen, die ihr oft nachts zufielen, lasse sie aber stets zu. Und wenn sie mal gar nicht weiterweiss, geht Elisabeth Beer jäten oder auf einen Spaziergang und hat alsbald den Begriff gefunden, der ihr am PC einfach nicht in den Sinn kommen wollte. Ein Auszug aus «Sternenberg», in dem sie das Schicksal des Bauernmädchens Margrit Kägi nachzeichnet, rundete den unterhaltsamen Vortrag ab. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.03.2019, 08:55 Uhr

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