Zollikon/Zumikon

Über 300 Unterschriften für freigestellte Religionslehrerin

Mehr als 300 Personen haben eine Petition gegen die Freistellung der Religionslehrerin der katholischen Kirchgemeinde unterschrieben. An der Kirchgemeindeversammlung vom Montag erwarten sie nun Antworten auf ihr Anliegen.

Seit der abrupten Freistellung der Religionspädagogin umhüllt ein Nebel des Schweigens die katholische Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon. Dieser soll sich am Montag im Zuge der Kirchgemeindeversammlung endlich lüften. In diversen schriftlichen Anfragen fordern die Gemeindemitglieder von ihrer Kirchenpflege mehr Transparenz.

Seit der abrupten Freistellung der Religionspädagogin umhüllt ein Nebel des Schweigens die katholische Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon. Dieser soll sich am Montag im Zuge der Kirchgemeindeversammlung endlich lüften. In diversen schriftlichen Anfragen fordern die Gemeindemitglieder von ihrer Kirchenpflege mehr Transparenz. Bild: Michael Trost

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Nachdem die langjährige Religionslehrerin der katholischen Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon wegen Differenzen im zwischenmenschlichen Bereich von ihrem Amt freigestellt worden war, war der Aufschrei in der Kirchengemeinde gross. Ein Gruppe besorgter Eltern lancierte aus Solidarität mit der Lehrerin gar eine Webseite und startete eine Petition gegen die drohende Kündigung der beliebten Pädagogin.

Über 300 Unterschriften sind dabei in nicht einmal zwei Monaten zusammengekommen. Vor kurzem hat die Elterngruppe ihr Gesuch bei Bischof Vitus Huonder und Generalvikar Josef Annen eingereicht. Von der Petition erhoffen sie sich endlich zufriedenstellende Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.Im Hinblick auf die Kirchgemeindeversammlung vom Montag haben zudem diverse Gemeindemitglieder schriftliche Anfragen an die Kirchenpflege gestellt. Einige davon wurden auch auf der Webseit «nicht-mit-mir» aufgeschaltet.

Ein Thema, das sich dabei beinahe durch alle Anfragen zieht, ist jenes nach der Art und Weise, wie die Kirche über die Geschehnisse informiert hat: «Weshalb ist die Kommunikation seitens der Kirchenpflege und Pfarrei so hinhaltend und intrasparent», schreibt etwa ein Kirchenmitglied. Bereits direkt nach der abrupten Freistellung der Religionslehrerin hatten besorgte Eltern kristisiert, dass die Kirchenpflege nie offen darüber informiert habe, welche Verfehlungen der Pädagogin vorgeworfen werden.

Fast alle Mitarbeiterinnen durch Männer ersetzt

Kritisch hinterfragt wird indes auch die Rolle von Pfarrer Heinz Meier. «Hat die katholische Kirchenpflege geprüft, ob eine einstweilige Trennung von Pfarrer Heinz Meier eine Massnahme zur Lösung der zwischenmenschlichen Differenzen im Seelsorgeteam wäre», heisst es etwa in einer Anfrage. Ein weiteres Schreiben erkundigt sich nach dem Wahrheitsgehalt eines Gerüchtes, wonach es schon einmal zu persönlichen Differenzen zwischen Pfarrer Meier und einer ihm unterstellten Mitarbeiterin gekommen sei. Daran anschliessend wird die Frage gestellt, wie die Kirchenpflege sicherstelle, dass im Seelsorgeteam eine angemessene Vertretung beider Geschlechter herrsche. «Fast alle Mitarbeiterinnen, die unter Pfarrer Heinz Meier gekündigt wurden oder gekündigt haben, wurden durch Männer ersetzt.»

Weder Kirchenpflegepräsident Urs Häfliger noch Pfarrer Heinz Meier wollen sich derzeit zur Thematik äussern. Nicht zuletzt deshalb blicken die Kirchenmitglieder mit hohen Erwartungen auf die Kirchgemeindeversammlung vom Montag. «Wir hoffen auf Klarstellungen, denn der Eindruck, der sich bei uns verfestigt, ist dass es hier in Wahrheit um eine Causa Pfarrer Heinz Meier handelt», schreiben die Initianten der Webseite «nicht-mit-mir» in einer Mitteilung.

Der Generalvikar will nicht zuständig sein

Aufgrund der Vorkomnisse haben sich verschiedene Kirchgemeindemitglieder bereits Ende Oktober schriftlich an Bischof Vitus Huonder und den Generalvikar des Kantons Zürich, Josef Annen, gewendet. Der Churer Bischof habe darauf hin jedoch lediglich den Erhalt des Schreibens bestätigt und sie an Generalvikar Josef Annen als Personalverantwortlicher verwiesen, heisst es von Seiten der Beteiligten. Generalvikar Annen hingegen zeigte in seinem Antwortschreiben, welches dieser Zeitung vorliegt, mehr Verständnis für das Anliegen der Eltern. So versicherte er den Bittstellern, er sei über die Spannungen in ihrer Kirchgemeinde ebenso besorgt wie sie selber und er werde im Rahmen seiner Möglichkeiten alles unternehmen «die positive Entwicklung im Seelsorgeraum Zollikon-Zumikon» zu unterstützen.

Nicht einmal zehn Tage später erhielten die besorgten Eltern dann aber erneut Post aus dem Zürcher Generalvikariat, diesmal mit einem für sie weit weniger zuversichtlichen Inhalt: «Als Generalvikar respektiere ich die Autonomie der Kirchengemeinde und kann weder der Kirchenpflege noch dem Pfarrer dreinreden», schreibt Annen. Als Personalverantwortlicher sei er zuständig für die Suche, das Vernetzen und die Neuanstellung von kirchlichem Personal. Ab dem Moment der Anstellung selber handleten die Kirchenpflege als Arbeitgeber und der Pfarrer als Linienvorgesetzer in eigener Verantwortung. «Konkrete Entscheidungen kann ich nicht treffen.» So habe er im Fall von Zollikon-Zumikon alles in seiner Macht stehende unternommen, macht der Generalvikar klar.

Aufgeben werden die Zolliker und Zumiker Katholiken trotzdem nicht: «Wir sind mündige Christen, von denen ein verantwortungsbewusstes Handeln gefragt ist», schreiben sie. Gleiches verlangen sie auch von ihrer Kirche.

Kirchgemeindeversammlung der katholischen Kirche Zollikon-Zumikon: Montag, 26. November, 19.45 Uhr, Pfarreizentrum St. Michael in Zollikerberg.

Erstellt: 23.11.2018, 14:51 Uhr

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