Hombrechtikon

Trügerische Idylle auf dem Land

Die Niklausbühne führt mit «Du chunsch no uf d’Wält» ein Lustspiel auf, dessen Handlung die Autorin Hanny Frey an die Zürcher Goldküste versetzt.

Amüsantes Schauspiel: Das Ensemble der Niklausbühne probt für die Vorpremiere vom kommenden Montag.

Amüsantes Schauspiel: Das Ensemble der Niklausbühne probt für die Vorpremiere vom kommenden Montag. Bild: Moritz Hager

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Die Kulisse ist gelungen und nimmt das gesamte Bühnenbild ein. Gestaltet hat es Christian Wäfler, der selber im Stück mitwirkt, mit seinem Team. Zum einen ist da die Fassade eines Bauernhauses mit Geranien vor dem Fenster und einer einladenden Sitzbank mit Tisch vor dem Haus. Hier wohnt die Bauersleute Ueli und Kläri Wenger (Thomas Fritschi und Esther Karlen). Im Haus daneben leben ihre Nachbarn Edi und Rösi Linder (Edith Hartmann und Christian Wäfler). Dazwischen steht ein imposanter Brunnen, aus dem echtes Wasser fliesst und hinter dem sich die soufflierende Rösly Fritschi versteckt.

Fritschi ist Vereinspräsidentin und macht seit 35 Jahren in der Niklausbühne mit, im gegenwärtigen Stück ausnahmsweise nicht als Darstellerin. Dafür treten ihr Sohn und dessen Tochter auf, «womit drei Generationen der Familie auf der Bühne stehen», wie die 74-jährige Präsidentin an der kürzlich stattgefundenen Theaterprobe sagt. Für Enkelin Annika Fritschi, die in die Rolle der verwöhnten und frechen Goldküstengöre Josi schlüpft, ist es der erste Auftritt im Ensemble. Überhaupt spielen da einige junge Menschen, woraus man schliessen kann, dass das Hombrechtiker Ensemble keine Nachwuchsprobleme kennt.

Ein «Räf» als Nachbarin

Rasch wird klar, Wengers sind die harmlosen Friedliebenden. Sie wollen endlich ihre Pensionierung fortan als Hobby-Bauern geniessen. Bei Linders geht es weniger ruhig zu und her. Er ist der pensionierte Elektriker, der das ganze Haus verkabelt und in die Luft zu sprengen trachtet, was sie auf die Palme bringt und dauernd in voller Lautstärke stänkern lässt. Edith Hartmann spielt das «Räf» so leibhaftig gut, dass man ihr am liebsten den Hals umdrehen möchte, damit sie endlich Ruhe gibt.

Das «Gschtürm» ist vorprogrammiert, als Wengers eine Zweizimmerwohnung im zu gross gewordenen Bauernhaus aus Versehen an zwei verschiedene Interessenten vermieten: Da ist David Linder (Patrick Bischofberger), Enkel der Linders und die junge Verkäuferin Ruth (Angelika Nater), die dringend eine Unterkunft suchen. Am Ende beschliessen die beiden, sich die Wohnung als WG zu teilen. Die neugierige Rösi mischt sich natürlich ein und beschimpft diesen Zustand als skandalös.

Für sie kommt es aber schlimmer. Ihr Edi vermietet der Sekretärin Conny (Noemi Toma), die stets wie aus dem Trückli in hochhackigen Schuhen herumstolziert, ein Zimmer bei sich, ohne Rösi darüber in Kenntnis zu setzen. Da Conny sich von der Gemüsebäuerin Fränzi (Judith Casu) als Managerin einstellen lässt, braucht auch sie eine Bleibe auf dem Land.

Alles läuft aus dem Ruder

Zur gleichen Zeit kreuzt die aufgetakelte Laura (Elvira Hauenstein) aus der Stadt mit ihrer vorlauten Tochter Josi (Annika Fritschi) ein. Laura war vor 30 Jahren bei Wengers im Landdienst und will nun, dass Josi dasselbe sozusagen als Lebensschule absolviert. Doch die denkt nicht daran, überhaupt einen Finger krumm zu machen, landet dennoch widerwillig bei Fränzi, die sie in ihren Gemüsegärten beschäftigen soll.

Was folgt, ist Fränzis nimmer enden wollendes Klagelied über Josis freches Maul und über die übereifrige Conny, die laufend Gemüse verkauft, das noch gar nicht geerntet wurde. Auch bei den zwei WG-Bewohnern gibt’s Krach, weil sie aufräumt und er nichts mehr findet. Als dann eines Tages Laura im langen schwarzen Kleid daherkommt und Rösi von oben herab abkanzelt, geraten sich die beiden ungleichen Frauen zänkisch in die Haare. Ein Schauspiel, das das Publikum köstlich amüsieren wird.

Wie in diesen Streitereien Friede einkehren soll, ist ein Rätsel, das sich erst im dritten Akt aufklären wird. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, lebt doch das Stück gerade von dieser Spannung. Dass schliesslich der gerissenen Josi vieles zu verdanken ist, darauf würde man nie kommen.

Vorpremiere Montag, 13.11., 19.30 Uhr (Eintritt 10 Fr.). Premiere: Freitag, 17.11., 20 Uhr (ab 18 Uhr offen) mit Nachtessen. Kath. Kirchgemeindesaal, Bahnhöfliplatz 2, Hombrechtikon. Weitere Daten und Vorverkauf: www.niklausbuehne.ch oder Tel. 079 278 22 74. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.11.2017, 15:34 Uhr

Die Autorin

Bäuerin schreibt fürs Theater

Die heute 72-jährige Autorin Hanny Frey aus dem aargauischen Möriken war einst selber Bäuerin und Familienfrau. Als die Kinder ausgezogen waren, fing sie zu schreiben an. Während 20 Jahren sind so 30 Theaterstücke aus ihrer Feder entstanden. Ihr Lustspiel «Du chunsch no uf d’Wält» schrieb sie zwar vor 20 Jahren. Doch es hat von der Aktualität, was sowohl das Zwischenmenschliche als auch die technischen Errungenschaften der heutigen Zeit betrifft, nichts eingebüsst.

Klaus Trottmann, der seit 15 Jahren Regie führt, versichert, dass das Stück telquel übernommen wurde. Es ist Zufall, dass die Aargauerin die Handlung an den Zürichsee in die Goldküstenregion versetzt, wobei das Ensemble der Niklausbühne das Stück natürlich in Hombrechtikon ansiedelt. Wie von Trottmann weiter zu erfahren ist, reist Hanny Frey eigens an, um sich die Aufführung an einer Sonntagsvorstellung in Hombrechtikon anzuschauen. (mz)

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