Männedorf

Clienia hält an Schliessung der Tagesklinik fest

Die Privatklinik-Gruppe Clienia bleibt bei ihrer Ankündigung, die Tagesklinik und sozialpsychiatrische Angebot in Männedorf zugunsten einer Gruppenpraxis aufzugeben. Noch ungewiss ist, welche Leistungen die neue Praxis anbieten wird.

Nun ist es definitiv: Die Tages­klinik und das sozialpsychiatrische Ambulatorium in Männedorf wird geschlossen.

Nun ist es definitiv: Die Tages­klinik und das sozialpsychiatrische Ambulatorium in Männedorf wird geschlossen. Bild: Manuela Matt

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Vor gut zwei Monaten kündigte die Clienia-Gruppe eine Reorganisation im ambulanten Bereich an. In Männedorf betroffen: Die Tagesklinik und das sozialpsychiatrische Ambulatorium. Erstere sollte aufgehoben werden, das sozialpsychiatrische Angebot in Wetzikon konzentriert werden. Stattdessen kündigte die Clienia die Schaffung einer Gruppenpraxis an. An diesen Plänen ändert auch der Protest von Ärzten, Patienten und Politikern nichts.

Wie die Clienia-Gruppe am Montag mitteilte, hält sie an der geplanten Reorganisation fest. Zum breiten Widerstand aus Männedorf äussert CEO David Bosshard Verständnis. Er lässt sich mit folgenden Worten zitieren: «Das zeigt, wie geschätzt und gut verankert unsere Angebote in Männedorf sind und waren.» Anders als im November kommuniziert, ist die Verlagerung des sozialpsychiatrischen Ambulatoriums nach Wetzikon in der Mitteilung vom Montag nicht mehr explizit erwähnt. Vielmehr heisst es nun: «Gruppen- und Spezialangebote wie zum Beispiel die Psychoonkologie, die Adipositassprechstunde und natürlich die Konsilien können in Männedorf auch unter dem Dach der Gruppenpraxis fortgeführt werden.» Die Gestaltung liege in den Händen der heutigen Therapeutinnen und Therapeuten sowie des Geschäftsführers.

Angebot noch offen

Welche konkreten Leistungen die künftige Gruppenpraxis erbringt, kann Bosshard auf Nachfrage noch nicht genauer umreissen. «Hierzu laufen aktuell Gespräche.» Und weiter: «Wir sind zuversichtlich, dass ein konstruktiver Dialog entstehen wird.» Grund für die Reorganisation ist die sich verschärfende wirtschaftliche Situation im Gesundheitswesen. Die Clienia argumentierte bei ihrer Ankündigung Ende letzten Jahres mit dem Eingriff des Bundesrats in die Tarifstruktur und dem jahrelangen Tarifstreit im tagesklinischen Bereich im Kanton Zürich.

In einer Antwort des Regierungsrats an die dringliche Anfrage des Meilemer SP-Kantonsrats Hanspeter Göldi zur Schliessung war die Rede von einer knapp 80-prozentigen Auslastung an allen drei Standorten Männedorf, Wetzikon und Uster. Welche Auslastung die Clienia in den Tageskliniken anstrebt, ist nicht zu erfahren: Sie müsse so hoch sein, dass die Tagesklinik kostenmässig konkurrenzfähig seien. Für eine Konzentration im Oberland hätten die Grösse der Alterstagesklinik in Uster sowie die geografische Lage und die Synergien mit der Sozialpsychiatrie am Standort in Wetzikon gesprochen, heisst es weiter seitens Clienia.

Änderung im Notfalldienst

Auswirklungen hat die Reorganisation auch auf den Notfalldienst. Heute steht in psychiatrischen Notfällen der Tagesarzt des Psychiatriezentrums Männedorf zur Verfügung. Ab Juli wird laut der Clienia der gesetzliche notfallpsychiatrische Versorgung gemäss Leistungsauftrag des Kantons Zürich in Wetzikon konzentriert. Die Gruppenpraxen würden in regelmässigen Abständen 24-Stunden-Dienste in ihren Bezirken gemäss Auftrag der Ärztegesellschaft Zürich leisten wobei sich die Regelung dazu in Überarbeitung befinde.

Wie viele Patienten von der Neuorganisation betroffen sind, ist ungewiss. Ende November waren in Männedorf 720 psychisch Kranke registriert. «Die künftige Versorgung ist massgeblich abhängig von der Bereitschaft der Therapeutinnen und Therapeuten, in der künftigen Gruppenpraxis tätig zu sein», sagt Bosshard. Sie seien überzeugt, dass mit konstruktivem Willen viel möglich sein werde. Die bestehenden Gruppenpraxen Winterthur, Oerlikon, Dietikon und Zürich würden dies tagtäglich beweisen.

Göldi fordert Konzept

Kantonsrat Hanspeter Göldi (SP) fordert von der Clienia ein klares Konzept für den Standort Männedorf. «Wir müssen wissen, wie unsere Patienten im Bezirk versorgt werden.» Es könne nicht sein, dass sie nach Wetzikon gehen müssten. Letzte Woche hat er zusammen mit Kantonsratskollege Lorenz Schmid (CVP) aus Männedorf seine Forderungen CEO David Bosshard dargelegt. Für das sozialpsychiatrische Angebot im Bezirk müsse eine Lösung gefunden werden, betont Göldi.

Erstellt: 29.01.2018, 11:21 Uhr

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