Küsnacht

Taucher verunglückt an riskanter Stelle

Am Dienstagabend endete ein Tauchunfall beim Küsnachter Tauchplatz Terlinden tödlich. Ein Mitglied des Tauchclubs Küsnacht erklärt, was das Tauchen hier so speziell – aber auch gefährlich macht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein 47-Jähriger ist am Dienstagabend bei einem Tauchgang im Zürichsee bei Küsnacht tödlich verunfallt. Trotz der Hilfe mehrerer weiterer Taucher und der aufgebotenen Sanität verstarb der Mann noch auf der Unfallstelle, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte. Laut ersten Erkenntnissen ist der Taucher ertrunken.Der Mann machte mit mehreren Kollegen einen Tauchgang beim Hafen Goldbach auf der Höhe der Seestrasse 39. Als er kurz vor 21 Uhr in Probleme geriet, brachten ihn seine Begleiter an die Wasseroberfläche und ans Ufer. Dort leisteten sie erste Hilfe, bis die Sanität und ein Rettungshelikopter eintrafen.

Beim verunglückten Mann handelt es sich um einen erfahrenen Taucher, sagt Polizeisprecher Beat Jost auf Anfrage. Die genauen Umstände des Unfalls werden nun von den Behörden untersucht. Im Fokus stehen laut Jost auch die technischen Geräte. Im Einsatz standen nebst der Kantonspolizei Zürich, der Sanität und einem Rettungshelikopter die Gemeindepolizeien Meilen-Herrliberg-Erlenbach und Oetwil am See sowie die Feuerwehr Küsnacht.

Gefährlicher Steilhang

Werner Schönmann kennt sich am Unfallort, dem Tauchplatz Terlinden, bestens aus. Das Mitglied des Küsnachter Tauchvereins Züri-Sub taucht schon seit über 40 Jahren und weiss, was für Gefahren der Tauchsport birgt. «Das Terlinden ist sehr beliebt», sagt Schönmann. Man könne nahe parkieren und sich auf der Wiese im Park genügend ausbreiten. «Das Gebiet ist oben eher flach und einfach zu betauchen.Doch dann kommt ab 30 Metern ein Steinhang.»

Die auf über 40 Meter abfallende Steilwand sei für viele Taucher verlockend, aber auch äusserst gefährlich, sagt der erfahrene Taucher. Eine grosse Rolle beim sicheren Tauchen spielt dabei die Tarierung, also das Ausgleichen eines Gewichts, um ein Gleichgewicht herzustellen. Beim Tauchen bedeutet tarieren, den Ausgleich von Auftrieb und Abtrieb zu erreichen. So ist das Schweben in der gewünschten Wassertiefe möglich. Eine gute Tauchausrüstung und Steuerung sind eine Voraussetzung, um im Wasser kontrolliert ab- oder auftauchen zu können. «Wenn man unter Wasser Probleme mit der Tarierung bekommt, kann man wie ein Stein untergehen», erklärt Schönmann. Wenn die Steilwand dann auch noch so tief sei wie in Küsnacht, komme man zu spät am Grund zu Halt.

Nur in Begleitung tauchen

Ein weiterer Risikofaktor, der laut Schönmann oft zu Tauchunfällen führe, sei die Selbstüberschätzung nach Pausen. «Viele gehen im Winter nicht tauchen, weil es ihnen zu kalt ist», sagt der Küsnachter. Wenn bei wärmeren Temparaturen wieder getaucht werde, sei eine Fehleinschätzung der Fähigkeiten nicht selten. Dass der Verunfallte am Dienstagabend um 21 Uhr tauchen ging, sei nicht unüblich «Es kann zu jeder Tageszeit getaucht werden», sagt das Club-Mitglied. Ein Nacht-Tauchgang sei aber anspruchsvoll und könne nur durch einen gewissen Erfahrungsgrad gemeistert werden, da man nicht viel sehe und vom Licht abhängig sei.

«In Begleitung zu sein, ist das A und O beim Tauchen», sagt der Küsnachter. Zuerst werde die Ausrüstung gemeinsam und Schritt für Schritt kontrolliert. «Sollten unter Wasser doch technische Schwierigkeiten auftauchen, kann der Partner helfen und zum Beispiel die Luft mit ihm teilen.» Nebst technischen können auch medizinische Probleme zu einem Unfall führen. Deshalb wird laut Schönmann ein ärztliches Zeugnis verlangt, wenn jemand einen Kurs besuchen möchte – sei es beim Tauchclub in Küsnacht oder in den Malediven. (zsz.ch)

Erstellt: 13.04.2016, 17:19 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare