Männedorf

Tagesklinik in Männedorf schliesst schon früher als geplant

Ende Mai stellt die Tagesklinik der Clienia-Gruppe ihren Betrieb in Männedorf ein. Schon jetzt nimmt die Zahl der Patienten ab: Erste Betroffene aus der Region werden bereits in Wetzikon betreut.

Das Psychiatriezentrum in Männedorf bleibt bestehen. Das Angebot wird aber in eine Gruppenpraxis umgewandelt, die Tagesklinik geht zu.

Das Psychiatriezentrum in Männedorf bleibt bestehen. Das Angebot wird aber in eine Gruppenpraxis umgewandelt, die Tagesklinik geht zu. Bild: Manuela Matt

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Die Clienia Privatklinikgruppe schliesst die Tagesklinik des Psychiatriezentrums Männedorf und wandelt das sozialpsychiatrische Ambulatorium in eine Gruppenpraxis um. Patienten aus dem Bezirk Meilen müssen sich deshalb künftig in den Tageskliniken der Clienia in Wetzikon und Uster behandeln lassen.

Als Clienia diese Neuigkeit im vergangenen Dezember bekannt gab, erntete sie in der Region viel Kritik. 74 Kantonsräte stellten eine dringliche Anfrage im Parlament. Ärzte, Psychiater und Patienten sammelten Unterschriften gegen das Vorhaben. Der Widerstand änderte nichts: Clienia schliesst die Tagesklinik trotzdem. Sie macht wirtschaftliche Gründe dafür geltend.

Wie nun bekannt geworden ist, wird das Angebot sogar etwas früher aufgehoben als ursprünglich angekündigt. Statt auf den 1. Juli schliesst die Klinik spätestens bis Ende Mai. Dies haben die beiden Psychiater Martina Rufener und Markus Süss, die sich gegen die Schliessung wehrten, in einem Newsletter publik gemacht.

Das wird reduziert

Die Clienia-Gruppe bestätigt auf Anfrage der ZSZ diesen Termin. Charlotte Walder Briner, Verantwortliche Kommunikation der Clienia Schlössli, die auch für den Standort Männedorf zuständig ist, spricht von einem «gestaffelten Übergang in die neue Betriebsform». Patienten würden jeweils für eine bestimmte Zeit, meist einige Monate, in die Klinik kommen und an einem bestimmten Programm teilnehmen. «Zurzeit laufen die Programme aus, und neu eintretende Patienten werden natürlich bereits nach Wetzikon zugewiesen. Auch Mitarbeitende haben nach Wetzikon gewechselt.»

Der notfallpsychiatrische Versorgungsdienst in Wetzikon ist bereits aufnahmebereit – jener in der Region wird per Ende April eingestellt. Die Männedörfler Gruppenpraxis wird sich aber gemäss dem Auftrag der Ärztegesellschaft Zürich weiterhin regelmässig am Notfalldienst beteiligen. Ebenfalls aufgegeben wird ab Juli der Sozialdienst. Dieser werde von den Krankenkassen nicht finanziert und sei Aufgabe der Gemeinden, sagt Charlotte Walder Briner.

Auch wenn mehrere Behandlungsmöglichkeiten gestrichen werden, bleibt das Psychiatriezentrum an der Bergstrasse in Männedorf bestehen. Es nimmt weiterhin gewisse Aufgaben wahr. Entgegen der Behauptungen im Newsletter der beiden Psychiater würden die Gruppentherapien nicht eingestellt, sagt die Clienia-Sprecherin. Auch neuropsychologische Abklärungen, die bislang von der Memory Clinic durchgeführt wurden, soll es weiterhin geben. Bestehen bleibt auch der sogenannte Konsiliardienst, der beispielsweise psychiatrische Diagnostik für das Spital Männedorf und Altersheime erbringt.

Hingegen trifft es zu, dass komplexe psychiatrische Behandlungen in der zukünftigen Gruppenpraxis in Männedorf nicht mehr angeboten, sondern in Wetzikon konzentriert werden. Wie die neue Gruppenpraxis aufgestellt sein wird und wer sie leitet, will die Clienia-Gruppe demnächst kommunizieren. Derzeit bestehe das Behandlungsteam aus elf Personen, weitere Rekrutierungen würden laufen, sagt Walder Briner.

Soziale Einrichtungen in Sorge

Für die Psychiater Rufener und Süss ist die Schliessung der Tagesklinik in Männedorf dennoch ein Rückschritt. «Von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, der Fachstelle für Erwachsenenschutz und der Alkohol- und Suchtberatung Bezirk Meilen wurden Sorgen geäussert, wie sie ihre Klienten psychiatrisch begleiten lassen können», schreiben sie im Newsletter. «Schon heute ist es schwer, Therapieplätze zu finden. Die wichtige niederschwellige Anlaufstelle steht in Zukunft nicht mehr zur Verfügung.»

Solche Bedenken tauchten bereits unmittelbar nach der Ankündigung der Clienia-Gruppe auf, die Tagesklinik in Männedorf schliessen zu wollen. Kritisiert wurde vor allem, dass viele psychisch Kranke in der Region überfordert sein würden, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln den Weg ins Zürcher Oberland auf sich zu nehmen. Der Regierungsrat, bei dem mehrere Kantonsräte mit einer Anfrage interveniert hatten, ist der Meinung, der längere Weg sei für die betroffenen Patienten zumutbar.

Erstellt: 04.04.2018, 16:49 Uhr

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