Zollikon

Swisscom darf an der Seestrasse keine Mobilfunkantenne bauen

Das Baurekursgericht entscheidet gegen die Swisscom. Eine Mobilfunkantenne an der Seestrasse in ­Zollikon würde das Gesamtbild inventarisierter Häuser stören. Dies, obwohl das betroffene Gebäude ein moderner Bau ist.

«Stört das Gesamtbild der Häuser»: Die Swisscom darf keine Mobilfunkantenne an der Seestrasse bauen.

«Stört das Gesamtbild der Häuser»: Die Swisscom darf keine Mobilfunkantenne an der Seestrasse bauen.

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Schon wieder hat Zolli­kon ­eine Mobilfunkantenne an der Seestrasse 25 erfolgreich abge­lehnt. 2007 untersagte die Gemeinde der Sun­rise einen solchen Bau, Ende 2014 fand auch die Swiss­com keine Gnade. Zu Recht, hat nun das Zürcher Baurekurs­gericht entschieden, das in ­ einem neu publizierten Urteil ­ den Rekurs des Tele­kom­mu­ni­kati­ons­unternehmens abweist.

Die Zolli­ker Baubehörde stellt sich auf den Standpunkt, dass die Sta­tion mit einer 3,5 Meter hohen Antenne zwar auf die moderne Liegenschaft, ein Gewerbege­bäude, passt, aber nicht in die Umgebung. Unter anderem liegt in der Nähe die denkmalgeschützte Villa Bor­sari. Somit würde die Antenne das Orts­bild stö­ren. Die Argumente sind die gleichen wie schon beim Gesuch der Sun­rise.

Die Swiss­com versuchte, den Begebenheiten gerecht zu werden. So sollte die Antenne durch eine Kunststoffverkleidung ummantelt werden. Auf diese Weise würde der Mast auf Passanten wie ein Kamin wirken, so die Swiss­com. Das Gebäude sei zudem ­ «ein unprätentiöses volumi­nö­ses Indus­trie­gebäude mit meh­re­ren Ka­minen beziehungsweise ka­min­ähnlichen technischen Aufbauten.» Betreffend Ortsbild ar­gu­mentiert die Swiss­com damit, dass die nebenstehenden, geschützten Häuser «und das Streitobjekt nur von wenigen Stand­orten aus zusammen sichtbar» seien. Weiter verweist die Swiss­com auf ihren Auftrag, die mobilen Kommunikationsdienste in einer guten Qualität anzubieten. Die Versorgungslage sei im betroffenen Gebiet «kritisch bis schwach». Dies, weil eine Basisstation in der Nähe kürzlich aus­ser Betrieb genommen wurde.

Ungeschickte Platzierung

Die Baubehörde Zolli­kon hält ­ die kaschierte Antenne dennoch nicht für ein zulässiges Bauvor­haben. Die «doch erhebliche Grösse und ungeschickte Platzierung» machten das Streit­objekt als gebäudefremde Einrichtung sichtbar. Entsprechend falle es unter das Verbot der Schutzverordnung. Die Gemeinde betont auch, dass sie der Swiss­com mehrere Alternativstandorte ange­boten habe, welche diese «aus objek­tiv nicht nachvollziehbaren Gründen» ausgeschlagen habe.

Das Baurekursgericht stellt objek­tiv fest, dass das Gebäude ­ an der Seestrasse 25 mitten im Schutzperimeter liegt. Unter die Verordnung fallen Mobilfunkantennen ab einer Höhe von einem Meter. Die Frage stelle sich, ob die Antenne trotz Kaschierung zu einer optischen Beeinträchtigung führe. Diese Frage bejaht das Baurekursgericht. Der «Kamin» sei mit einer Höhe von 3,5 Metern und der Platzierung auf dem Attikageschoss im Zen­trum des Gebäudes «domi­nant sichtbar». Es sei nicht üblich, ­an einem solchen Ort derart grosse Kamine zu erstellen. Das Bau­rekurs­gericht erklärt die Basisstation damit für nicht zulässig.

Wegen der Versorgungs­lage verlangte die Swiss­com eine Ausnahme­bewilligung, um die Grund­versorgung anbieten zu können. Das Baurekursgericht geht darauf ein. So erklärt es einen Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2003 für ver­altet. Damals argumentierten die Bundesrichter noch damit, dass mobiles Telefonieren zur Grundversorgung gehöre, wenn der Zugang zum Festnetz nur mit gros­sem Aufwand zu bewerkstelligen sei. Allerdings differenzieren die Baurekursrichter. Zur Grundversorgung gehörten Telefonieren und das Schreiben von SMS. Beides ­ sei heute an der See­strasse möglich. Schwieriger wird es erst bei der Übermittlung von grösseren Datenmengen. Die Grundversorgung hält das Bau­rekurs­gericht damit für gewährleistet.

Auch das Argument der alternativen Stand­orte überzeugte ­ die Richter. Diese seien vielleicht teurer, doch «die Mobilfunkgesellschaften haben keinen Anspruch ... möglichst kostengüns­tige Lösungen durchzusetzen».

«Mobilfunkanlage ist nötig»

Die Swiss­com bedauert den Entscheid. Ein Vergleich mit dem Gesuch von Sun­rise sei schwierig, sagt Mediensprecher Olaf Schulze. «Das Projekt ist als Kamin verkleidet und nicht als Mobilfunkanlage erkennbar.» Klar sei aber: «Wir realisieren solche Anlagen nur dort, wo sie tatsächlich benötigt werden.» Die Alternativstand­orte schieden aus, weil sie sich nicht in die bestehende Netzstruktur einpassen liessen. Ob die Swiss­com den Entscheid an das Verwaltungsgericht weiterzieht, sei noch nicht entschieden, sagt Schulze.

Erstellt: 18.11.2015, 08:40 Uhr

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