Meilen

SVP feiert mit Rösti, Ghacktem und Biss

An ihrem 100. Geburtstag befasste sich die SVP/BGB Meilen zwar auch mit ihrer Vergangenheit. Doch mit Wahlkampf und Frauenstreiktag dominierte vor allem die Gegenwart.

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In den Schweizer Städten streiken Frauen, in Meilen sprechen Männer. Es ist Freitagabend, die SVP/BGB Meilen feiert im Ländeli ihren 100. Geburtstag und für Albert Rösti, Präsident der SVP Schweiz und einer der Ehrengäste am Fest, ist es eine Wohltat, hier zu sein. Es gebe Orte, an denen ziehe es einem im Magen alles zusammen, sagt er, und es gebe Orte, da fühle man sich wohl. Der eine Ort, das war an diesem Tag der Bundesplatz, auf dem Rösti demonstrierende Frauen entgegenkamen – «Mann, dieses Gepfeife, dieses Geschrei! Da wurde es mir unwohl.» Der andere Ort, das ist nun das Ländeli, wo der SVP-Präsident unter Seinesgleichen ist. «Liebi Froue und Manne», sagt er, blickt in die Runde und stellt erfreut fest: «So viele erfolgreiche und intelligente Frauen hier!»

Tatsächlich, der runde Geburtstag der Ortspartei ist nicht eine reine Männerveranstaltung, auch wenn das männliche Geschlecht in der Mehrheit ist. Röstis zum Teil hämische Bemerkungen zum Frauenstreik, zum «verblödeten Klimahype» und zum «gefährlichen Rahmenabkommen mit der EU» kommen auch bei den anwesenden Frauen gut an. An der Seeanlage in Obermeilen steigt eben nicht nur ein Geburtstagsfest, hier geht es vor allem auch um Wahlkampf. Schon Adrian Bergmann, interimistischer Ortsparteipräsident, hat sich in seiner Eröffnungsrede kämpferisch gegeben. Die Partei bleibe weiterhin auf lokaler und nationaler Ebene gefordert, hat er gesagt und die Anwesenden auf die Wahlen im Herbst eingepeitscht.

Blocher erzählt Anekdoten

Ausgerechnet SVP-Doyen Christoph Blocher zieht da nicht recht mit. Er schliesse sich seinen Vorrednern an, sagt er zwar. Aber dann erzählt der Herrliberger, der in Meilen seine politische Laufbahn startete, lieber von früher und gibt Anekdote um Anekdote von sich. Wie er als Neuzuzüger in Meilen plötzlich zur treibenden Kraft im Kampf gegen die Ansiedlung der Alusuisse in Meilen wurde. «Die brauchten einen, der gut reden konnte», sagt er. Und ja, das konnte er. So gut, dass man ihm in der Partei, der er 1970 beitrat, zu Beginn am liebsten das Reden verboten hätte. «Einige sagten mir, ich solle die ersten Jahre zuerst einmal zuhören». Das hat ihn, man ahnt es, wenig beeindruckt: 1974 war Blocher bereits Gemeinderat in Meilen und von da an durchlief er praktisch sämtliche möglichen politischen Stationen bis hin zum Bundesrat.

Zurück blickt auch Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP), der einzige Redner, der nicht das SVP-Parteibuch hat. Als Gemeindepräsident gratuliere er oft und gerne Jubilarinnen, die geistig und körperlich in bester Verfassung seien, sagt er. Die SVP sei übrigens nicht die erste Partei in Meilen, die ihren 100. Geburtstag feiere. Vor zwei Jahren jubilierte die SP, im vergangenen Jahr die FDP. Die SVP, sagt Hiller weiter, sei in Meilen seit jeher eine staatstragende Partei gewesen. «In den letzten 100 Jahren hat sie in Meilen die meisten Gemeindepräsidenten gestellt.» 100Jahre seien denn auch noch lange nicht genug, findet daraufhin der junge Patrick Walder, neuer Präsident der kantonalen SVP, der eine weitere Grussbotschaft überbringt.

Grüsse vom Sünneli

Hauptredner des Abends ist allerdings ein anderer SVP-Vertreter, einer, der schon als junger Mann eine fulminante Politkarriere hingelegt hat, mit seiner guten Laune stets als «Sünneli» galt und nun im politischen Ruhestand ist. Alt Nationalrat Toni Brunner sinniert über die drei Buchstaben «BGB», die sich hartnäckig im Namen der Meilemer Ortspartei gehalten haben. Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei – in jedem Wort stecke für ihn etwas drin, sagt der Landwirt. Vor allem erzählt er aber, wie es ihm seit seinem Rücktritt geht. Die Politik, sagt er, vermisse er überhaupt nicht, und doch mag man ihm dies nicht ganz glauben, wenn man sieht, wie er die Anwesenden mit seiner fröhlichen Art auf den Wahlkampf einstimmt.

Ganz weg von der Politik ist er jedenfalls auf seiner bäuerlichen Scholle nicht, und aktuelle Ereignisse weiss er immer noch zu kommentieren. So landet er, wenn er von zwei seiner Kühe erzählt, die sich heute Morgen angemurrt hätten («Ich habe gemerkt, zwischen den Damen liegt Spannung in der Luft»), schnell beim Frauenstreik. Dieser ist beim Jubiläumsanlass der Meilemer SVP ohnehin immer wieder präsent. Zum Beispiel dann, als der Küsnachter Nationalrat Roger Köppel verspätet eintrifft («Ich bin im Frauenstreik stecken geblieben – das glaube ich nicht!»). Und natürlich weiss auf den Festbänken, bei Ghackets mit Hörnli, Wein und Bier, jeder seinen Kommentar zum Tag abzugeben. Die Meinungen dazu fallen höchst unterschiedlich aus: Unnötig oder kontraproduktiv finden es die einen, nur Spott dafür übrig haben die anderen, manche wiederum zeigen Verständnis. «Es ist schon richtig, dass die streiken», sagt etwa ein älterer Herr. «Es kann doch nicht sein, dass die weniger verdienen.»

Erstellt: 16.06.2019, 18:36 Uhr

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