Unwetter

Sturm «Sabine»: Jetzt wird aufgeräumt

Wintersturm Sabine tobte auch in der Nacht auf Dienstag. Erneut sind die Einsatzkräfte am Zürichsee gefordert: Vor allem umgestürzte Bäume müssen beseitigt werden.

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Sturm «Sabine» fegte am Montag und Dienstag über die Schweiz. In der Zürichseeregion erreichte der Sturm am Montagmorgen verbreitet 100 km/h oder mehr. In der Nacht auf Dienstag folgte dann eine zweite Sturmspitze. Bis zum Dienstagmorgen wurden in der Region folgende Spitzenwerte gemessen: Wädenswil 110 km/h, Schmerikon 115 km/h und auf dem Uetliberg fast 160 km/h.

Die Kantonspolizei Zürich verzeichnete wegen des Sturms seit dem frühen Montagmorgen rund 190 Meldungen auf dem ganzen Kantonsgebiet (ohne Zürich und Winterthur). Durch umgefallene Bäume sowie unbefestigte Gegenstände sei es zu verschiedenen Behinderungen auf Strassen und Schienen gekommen.

In der Nacht auf Dienstag sind nochmals über 100 Einsätze dazugekommen, wie die Kantonspolizei Zürich in einer Mitteilung schreibt. Bis 5:30 Uhr waren die Strassen über den Albispass gesperrt. Noch länger gesperrt waren alle parallel verlaufenden Strassen zur A3 zwischen Thalwil und Horgen sowie der Hirzelpass. Auch am rechten Zürichseeufer waren diverse Waldstrassen gesperrt. Ausserdem musste am Dienstagnachmittag nochmals ein losgerissenes Schiff «eingefangen» werden.

Die Aufräumarbeiten nach dem Sturm – hier im Enderholz zwischen Horgen und Hirzel – sind am Dienstag im Gange.

Video: Markus Hausmann

Video: Hier fegt Sturm «Sabine» über den Zürichsee

Video: Christian Dietz-Saluz/Martin Steinegger

Die Polizei wurde unter anderem aufgeboten, weil die starken Windböen Trampoline, Steine und weitere Gegenstände davonwehten. Die Verkehrspolizei rückte an diverse Verkehrsunfälle aus, bei denen Fahrzeuge oder Anhänger umkippten oder die Lenkerinnen und Lenker die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren haben. Die Seepolizei stand rund 15 Mal wegen losgerissener Boote im Einsatz.

In Adliswil wurden zwei Personen bei Versuch, ein weggeblasenes Festzelt von der Strasse zu nehmen, verletzt. Sie mussten mit Rettungswagen ins Spital gebracht werden. Die gesamte Schadenssumme kann gemäss Kantonspolizei momentan noch nicht beziffert werden.

Schulen bleiben zu, Schiffe kämpfen mit Problemen

In diversen Schweizer Gemeinden fiel am Montag der Schulunterricht aus – so auch in Hombrechtikon. Wie die Schule Hombrechtikon auf ihrer Website schreibt, wird erst ab Dienstagmittag wieder nach Stundenplan unterrichtet. In Männedorf wurde der Kindergarten-Besuch am Morgen für freiwillig erklärt. Auch in Adliswil hat man reagiert: Wie die Stadt auf ihrer Website schreibt, habe man sich dazu entschlossen, heute Montag alle Kinder über Mittag bis um 15 Uhr in der Schule zu behalten. «Die Kinder werden von Lehrpersonen betreut und mit Essen versorgt», heisst es in der Mitteilung.

Da Meteo Schweiz die Sturm-Warnstufe 4 bis Dienstag verlängert hat, hat die Stadt Adliswil dann im Lauf des Morgens entschieden, dass am Dienstag sämtliche Schulen geschlossen bleiben. Eltern, die auf die Fremd-Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, können diese in Betreuungeinrichtungen in den Schulhäusern Dietlimoos, Kopfholz, Werd, Wilacker anmelden.

Die vollständige Mitteilung der Stadt Adliswil.

In Wädenswil wurde der Waldkindergarten vorläufig abgesagt, wie es auf Anfrage heisst. Zudem müssen alle Schulkinder während den Pausen in den Schulhäusern bleiben.

Fähren blieben im Hafen

Die Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG hatte ihren Betrieb am Montag von 7 bis etwa 15 Uhr komplett einstellen müssen. Dem Fährenunternehmen hat das Sturmtief «Sabine» aussergewöhnliche Umstände beschert, wie Geschäftsführer Martin Zemp erklärt. Beim Orkan «Lothar» zu Weihnachten 1999 habe die Fähre zwei Stunden pausieren müssen, bei «Burglind» vor zwei Jahren eineinhalb Stunden. «Dass wir einen halben Tag nicht fahren können, das gab es noch nie.»

Am Montagnachmittag konnte wenigstens wieder mit den beiden grössten Schiffen «Meilen» und «Burg» im Viertelstundentakt gefahren werden. Kurzfristig kam auch die «Horgen» zum Einsatz.

Am Dienstag normalisierte sich die Lage mit dem ablaufenden Sturm. Lediglich die kleinste Fähre «Schwan» blieb wegen der letzten Böen am Morgen noch am Ufer, sagt Martin Zemp. Die in einigen Kantonsteilen schon begonnenen Sportferien hätten zum Glück die Lage entlastet. Pech war dafür, dass mit der «Zürisee» gerade eine sturmfähigere Fähre in Revision ist.

ZSG: Probleme vor allem am rechten Seeufer

Kurz vor Mittag musste auch die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) teilweise vor «Sabine» kapitulieren: Die Querverbindung Männedorf-Wädenswil wurde vorübergehend eingestellt. Das lag vor allem an den starken Böen am rechten Zürichseeufer, die das An- und Ablegen erschwerten (siehe Video).

Diese Fahrt des Querschiffs Männedorf-Wädenswil war eine Herausforderung für Mensch und Maschine:

Video: Martin Steinegger

Seit dem frühen Morgen kämpften die ZSG-Schiffe mit Problemen: Gemäss ZSG-Mediensprecherin Elena Stadelmann konnte beispielsweise die Station Erlenbach nicht angefahren werden. Verzögerungen gab es auch in Wädenswil und Männedorf. Die grosse Seerundfahrt am Nachmittag musste gekürzt werden, sie fällt zwischen der Halbinsel Au und Rapperswil aus.

Ansonsten werde versucht den Kursfahrplan einzuhalten – mit einer wesentlichen Einschränkung: «Die Kapitäne entscheiden situativ, ob sie eine Station anfahren oder nicht», sagt Stadelmann. Daher könne es zu Ausfällen kommen. Was den Montagabend und Dienstag betrifft, beobachten die ZSG fortlaufend die Wetterlage und entscheiden danach, ob und wie der Kursfahrplan eingehalten werden kann. Im Verlauf des Dienstages normalisierte sich der Betrieb.

Dieser Windsurfer nutzt die Böen vor Feldmeilen für seine eigenen Zwecke:

Video: Christian Dietz-Saluz

Auch bei der Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg (LAF) ging man am Montag kein Risiko ein. Die LAF stellte den Betrieb vorsorglich für den ganzen Tag ein. Seit Dienstagvormittag läuft der Betrieb wieder.

In Thalwil ist eine Tanne auf die Oberdorfstrasse gestürzt. Die Feuerwehr Thalwil bestätigt den Einsatz. Die Tanne sei über 80-jährig und riesig – mindestens 20 Meter hoch, wie eine ZSZ-Leserin berichtet: «Die Tanne wäre fast auf das Haus meiner Mutter gefallen».

80-jähriger Baum wird Opfer von Sabine: Die Tanne verfehlte das Haus an der Thalwiler Oberdorfstrasse nur knapp. Bild: André Springer.

Wie die Feuerwehr Küsnacht bestätigt, sind in den Wäldern von Küsnacht etliche Bäume umgestürzt und man habe deshalb zum Schutz der Bevölkerung sämtliche Waldstrassen auf dem Gemeindegebiet gesperrt. Auch in den Wäldern am Zimmerberg werden Spaziergänger von den Behörden angehalten, die Wälder zu meiden. (pst/mst)

Erstellt: 11.02.2020, 10:53 Uhr

Schwächer als Burglind und Lothar

Sturm «Sabine» hat in der Zürichseeregion am Montagmorgen verbreitet schwere Sturmböen gebracht. An der Wetterstation Wädenswil wurde am Vormittag eine Spitzenböe von 110 km/h registriert. In den höheren Lagen – zum Beispiel auf dem Uetliberg – erreichte der Wind bis gegen 160 km/h.

Damit ist der Sturm am Zürichsee vergleichbar stark ausgefallen, wie die beiden letzten kräftigen Stürme dieses Winters: «Lolita» am 28. Januar (108 km/h in Wädenswil) und «Petra» am 4. Februar (105 km/h).

Rekordverdächtig sind die im Rahmen von «Sabine» aufgetretenen Windstärken aber nicht. Die stärkste jemals in Wädenswil gemessene Windböe beträgt 151 km/h. Gemessen wurde dieser extreme Wert am 4. Januar 2018 im Rahmen des Sturms «Burglind». Allerdings trat diese Böe «nur» in einem kleinräumigen Bereich in einem im Sturm eingelagerten Wintergewitter auf. Andernorts waren die Windspitzen bei «Burglind» entsprechend deutlich tiefer.

Auch der legendäre Wintersturm «Lothar», der am 26. Dezember 1999 im Flachland des Schweizer Mittellandes verbreitet Orkanböen und bis heute vielerorts unerreichte Sachschäden brachte, war um einiges stärker als «Sabine»: Bei Lothar wurde in Wädenswil eine Spitzenböe von 131 km/h gemessen. (mst)



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