Wahlen

Stimmenfänger Social Media

So schätzen die Kantonsratskandidaten den Einfluss und Nutzen von Social Media auf ihr Wahlergebnis ein.

Egal ob GLP, SVP oder SP – die Politiker am Zürichsee schätzen den Nutzen von Social Media für die Wählerakquise als relativ hoch ein.

Egal ob GLP, SVP oder SP – die Politiker am Zürichsee schätzen den Nutzen von Social Media für die Wählerakquise als relativ hoch ein. Bild: Daniel Hitz

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Kantonsratskandidaten buhlten vor den Wahlen teils intensiv auf Social Media um Aufmerksamkeit. Grundsätzlich keine schlechte Idee, meint Tobias R. Keller. Social Media seien ein kostengünstiges Mittel, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen und könnten andere Kommunikationsstrategien sehr gut ergänzen, erklärte der Spezialist für politische Kommunikation und Social Media im Vorfeld der Kantonsratswahlen gegenüber dieser Zeitung.

Doch wie schätzen die Politiker selber den Nutzen von Social Media ein? Die ZSZ hat mit einigen Kandidaten über den Gebrauch von Social Media und ihr Abschneiden bei den Wahlen gesprochen.

Fehlende Strategie

«Vor allem um junge Wähler zu erreichen, sind Social Media sicherlich ein gutes Mittel», sagt etwa die Kilchbergerin Margrit Haller. Die SVP-Politikerinunterhält selber aber keine Profile in den sozialen Medien. Am Sonntag verpasste die diplomierte Pflegefachfrau die Wahl in den Kantonsrat, obschon vom vierten Listenplatz aus gestartet, um gut 300 Stimmen und rangierte zum Schluss lediglich auf der siebten Position.In ihrer Einschätzung kurz nach Bekanntwerden der Wahlresultate nannte Haller die fehlende Social-Media-Strategie denn auch als Mitgrund für ihr Abschneiden. «In einen allfälligen nächsten Wahlkampf würde ich die sozialen Medien sicherlich einbeziehen.»

«Für mich sind die sozialen Netzwerke eine Art erweiterter Stammtisch.»Christa Isabelle Stünzi, GLP-Kantonsrätin

Einer, der die sozialen Kanäle ganz bewusst für seinen Wahlkampf eingesetzt hat, ist Hallers Parteikollege Adrian Wegmann. Von Listenplatz elf gestartet, rückte der Oberriedner auf den beachtlichen sechsten Rang nach vorne. Je gut 1000 Franken hat der Abteilungsleiter eines Servicecenters gemäss eigenen Aussagen während seines Wahlkampfs in die Plattformen Facebook und Youtube investiert. Mit seinen Videos hat der 40-Jährige gut 50000 Aufrufe erzielt. «Es ist davon auszugehen, dass es mir gelungen ist, mit meinen Beiträgen Leute dazu zu animieren, mich zu wählen.» Dafür spreche auch die Tatsache, dass er erst im August 2018 der SVP beigetreten sei und im Bezirk darum noch weitestgehend ein Unbekannter war, ergänzt Wegmann.

Entsprechend positiv fällt seine Social-Media-Bilanz aus:«Ich würde meinen Wahlkampf jederzeit wieder so gestalten.» Und weil nach den Wahlen eben auch vor den Wahlen sei, wolle er seine zahlreichen Follower auch künftig auf dem Laufenden halten.

Direkter Austausch

Wieder auf Social Media setzen würde auch SP-Politikerin Esther Meier. Die Zollikerin hat auf Rat ihrer Kinder einen Teil ihres Wahlkampfs bewusst auf Facebook und Instagram gemacht und rückte von Listenplatz zwei auf den ersten Rang vor. «Ich wurde diverse Male von fremden Leuten auf meine Präsenz in den sozialen Netzwerken angesprochen», berichtet sie. Wobei die Verwaltungsassistentin davon ausgeht, dass weniger ihre Beiträge zu den Kantonsratswahlen selber, als ihr wiederholter Einsatz gegen das Wassergesetz ihr zusätzliche Wählerstimmen eingebracht hätten. Meier will ihre Social-Media-Strategie deshalb auch für künftige Abstimmungen und Wahlkämpfe beibehalten.

Gehe es hart auf hart, würde auch Meiers Parteikollege Claudio Rotter auf den sozialen Wahlkampf setzen. Der Küsnachter verzichtete in den vergangenen Monaten dennoch trotz guter Ausgangslage – fünfter Listenplatz – darauf, sein privates Facebook-Profil für die Wählerakquise zu nützen. Weil er kaum Panaschierstimmen erhielt, landete Rotter zum Schluss auf Rang 9 der SP-Liste. «Das Ziel war primär die Verteidigung der beiden Kantonsratssitze der SP und nicht meine persönliche Kandidatur», erklärt Rotter. Weshalb er sein Engagement auf die Facebook-Kampagne «SP Bezirk Meilen» konzentriert habe. Für den Kommunikationsunternehmer ist deshalb klar: Systematisch bespielt, können soziale Kanäle ein wichtiges Tool für die Mobilisierung von Wählern sein.

Dem pflichtet auch die frisch gewählte GLP-Kantonsrätin Christa Isabelle Stünzi zu, die ihren zweiten Listenplatz verteidigte. «Das Ziel ist es immer, möglichst viele Menschen zum Wählen zu motivieren.» Hierfür seien Social Media eine gute Ergänzung zum klassischen Wahlkampf. Die Horgnerin, die sowohl auf Facebook und Twitter als auch auf Instagram aktiv ist, versteht die sozialen Netzwerke denn auch als «erweiterter Stammtisch». «Social Media sind für mich ein schönes Mittel für den direkten Austausch mit den Leuten.» Dieser sei ihr auch in den kommenden vier Jahren wichtig. «Ich will meine Follower auch weiterhin über mein Engagement und das der Partei auf dem Laufenden halten.»

Erstellt: 26.03.2019, 20:39 Uhr

Artikel zum Thema

Digitaler Wahlkampf: Die Social Media Strategien der Kandidaten

Kantonsratswahlen Eignet sich Social Media für den Wahlkampf in der Region? Die ZSZ hat sechs zufällig ausgewählte Kandidaten und ihre Social Media Strategie unter die Lupe genommen. Mehr...

Die Wohngemeinde als sicherer Wert

Wahlen Ein genauer Blick auf das Ergebnis der Kantonsratswahlen zeigt, wo die Kandidaten die Stimmen holten. Mehr...

Die SVP Bezirk Horgen kommt mit einem blauen Auge davon

Wahlen Trotz deutlichem Stimmenverlust konnte die SVP im Bezirk Horgen ihre vier Sitze verteidigen. Für eine Überraschung gesorgt hat die Wädenswilerin Sandy Bossert. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben