Hombrechtikon

Start-up setzt auf seine Mutterhaus-Gene

Die Biotechfirma Qiagen stand letztes Jahr kurz vor ihrem Auszug aus Hombrechtikon. Dank der Verselbstständigung einer Geschäftseinheit innerhalb der Qiagen sieht die Zukunft für den Standort weiterhin gut aus.

Mit der Hombrechtikon Systems Engineering AG von Hombrechtikon aus den weltweiten Markt für  Laborautomation aufmischen wollen CEO Michael Collasius (rechts) und VR-Präsident Hans Noser.

Mit der Hombrechtikon Systems Engineering AG von Hombrechtikon aus den weltweiten Markt für Laborautomation aufmischen wollen CEO Michael Collasius (rechts) und VR-Präsident Hans Noser. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Hombrechtikon Systems Engineering (HSE) AG hat in ihrem jungen Leben schon einiges erlebt. Das Start-up ist vor kurzem vom Garstligweg 8, dem Sitz des Mutterhauses Qiagen Instruments, an den Garstligweg 6 in Hombrechtikon gezogen, in den von Qiagen vor ein paar Jahren erstellten Erweiterungsbau.

Hier trifft die seit Anfang 2017 operativ tätige HSE AG für ihre über 50 Mitarbeitenden optimale Bedingungen an, um ihr Geschäft aufzubauen. Der Umzug an die neuen Lokalitäten war zwar kurz, aber von hoher Symbolkraft.

Seit 1998 in Hombrechtikon

Geplant und gebaut hatte Qiagen den im Frühjahr 2012 eröffneten Erweiterungsbau als Innovationscenter mit Personalrestaurant und Büroplätzen. Darin sollten rund 150 eigene Mitarbeitende Platz finden. Mittlerweile sind nach einem Strategiewechsel die Büroflächen zum Teil fremdvermietet. Auch die HSE AG hat sich als Spin-off von Qiagen abgenabelt und im modernen Geschäftshaus häuslich eingerichtet.

Qiagen ist auf Probenvorbereitungs- und Testtechnologien für die molekulare Diagnostik und Life Sciences spezialisiert und war 1998 an den Garstligweg 8 in Hombrechtikon gezogen. Seither wurde der Standort als Kompetenzzentrum zur Weiter- und Neuentwicklung von Plattformen zur Laborautomation betrieben. Zuletzt arbeiteten 200 Mitarbeitende für Qiagen Instruments in Hombrechtikon. Deren Geräte gehören weltweit zur Standardausrüstung und spielen auch bei DNA-Analysen zur Überführung von Tätern eine Rolle.

Im Rahmen einer Strategieüberprüfung im vergangenen Jahr hat sich Qiagen entschieden, die Gerätekompetenz zur medizinischen Dia­gnos­tik weitgehend auszulagern, in Form eines Manage­ment-Buy-outs (MBO) an eben die HSE AG. Dank dem Verkauf bleibt Qiagen dem Standort Hombrechtikon erhalten – allerdings in einer stark abgespeckten Version als reine Auftrags- und Verkaufsorganisation, ohne Produktion und Entwicklung. Mit dem Umbau will Qiagen seine geografische Präsenz vereinfachen und profitabler werden.

Standorte konsolidiert

Ohne das MBO, das die Kosten­basis für Qiagen deutlich senkt, hätte der komplette Auszug des holländischen Unternehmens aus Hombrechtikon respektive die Verlagerung der hiesigen Aktivitäten nach England gedroht. Qiagen sei daran, seine Standorte weltweit zu überprüfen, sagt Michael Collasius. Der promovierte Biochemiker ist der ehemalige Standortleiter von Qiagen Instruments in Hombrechtikon und Mitgründer und -besitzer der HSE AG. Zusammen mit Hans Noser, dem Geschäftsführer des ebenfalls in Hombrechtikon angesiedelten Industrienetzwerks Toolpoint, ist er die treibende Kraft hinter dem Firmenprojekt. Während Noser als Verwaltungsratspräsident verantwortlich zeichnet, leitet Collasius die operativen Geschicke der HSE AG.

Die Rechnung soll im besten Fall für beide Seiten aufgehen: Qiagen verspricht sich von dem Schritt mehr Flexibilität, um die Leistungen und Technologien auf dem Gebiet der Laborautomation kostengünstiger einkaufen zu können. Die HSE AG wiederum hofft darauf, dass die eigene Auslastung durch die freie Auftragsvergabe der eigenen Serviceleistungen an Drittkunden gestärkt wird und die Kosten letztlich ­gesenkt werden können.

Globaler Wachstumsmarkt

«Wir sind die zu mietende Automationsabteilung im Bereich Medizinische Diagnostik, etwa für die Genom-Analyse oder die personalisierte Medizin», umschreibt Collasius das Tätigkeitsfeld der HSE AG. Dabei hilft neben der Positionierung im globalen Wachstumsmarkt Medizinaltechnik auch die eigene Herkunft als langjähriger Produktehersteller. Neukunden gibt es gemäss Collasius bereits sowohl in der Schweiz, die als Standort im Gesundheitsbereich traditionell stark ist, als auch im Ausland. «Auch wenn wir unsere Nachhaltigkeit erst noch belegen müssen, so gibt es schon einige grosse Projekte», erklärt Collasius.

Nach wie vor ist Qiagen der Hauptabnehmer der Erzeugnisse von HSE. Die ehemalige Eigentümerin, mit der ein Servicevertrag besteht, liefert dem aufstrebenden Jungunternehmen das wichtige Grundgerüst in Sachen Umsatzvolumen. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Dennoch ist es das erklärte Ziel der HSE AG, die eigene Kundenbasis zu erweitern, «um das Klumpenrisiko zu minimieren». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.05.2017, 14:04 Uhr

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