Küsnacht/Zürich

Staranwälte, Riesenaufwand und Medienrummel

Skrupellose britische Medien, berühmte Anwälte und etliche Verzögerungen: Der Prozess um den Galeristensohn, der in Küsnacht seinen Freund getötet hat, sprengt sehr viele Rahmen.

Am eintägigen Prozess vor dem Obergericht zeigt sich ein ungebrochenes Interesse am Fall. Fast alle wichtigen Deutschschweizer Medien sind vertreten.

Am eintägigen Prozess vor dem Obergericht zeigt sich ein ungebrochenes Interesse am Fall. Fast alle wichtigen Deutschschweizer Medien sind vertreten. Bild: Symbolbild/Keystone

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Kurz nach der Tat im Dezember 2014 begann die Untersuchung. Dabei wurden rund 200 Personen polizeilich befragt. Es ging um den Hintergrund des schockierenden Tötungsdelikts. Die Polizei versuchte, im Bekanntenkreis von Opfer und Täter herauszufinden, wie es dazu kommen konnte.

Mit der Anzeige der Ex-Freundin des 34-Jährigen wegen mehrerer sexueller Übergriffe im Herbst 2015 verzögerte sich die Untersuchung weiter. Erst im Oktober 2017 gab das Bezirksgericht Meilen sein Urteil bekannt. Das war ein halbes Jahr nach dem viertägigen Prozess. Der Grund für die Verzögerung: Das Gericht hatte ein ergänzendes psychiatrisches Gutachten über den Täter in Auftrag gegeben.

Drei Anwälte im Einsatz

Erst über zwei Jahre später findet jetzt die Verhandlung an der nächsten Instanz, dem Obergericht, statt. In der Regel dauert es gut ein Jahr, bis es zur Berufungsverhandlung kommt. Im Fall der Tötung in einer Küsnachter Villa hat seit der Verhandlung in Meilen einer der Anwälte des Beschuldigten gewechselt. Statt eines amtlichen und eines erbetenen Verteidigers wurde der 34-Jährige am Obergericht von zwei erbetenen, also selbst gewählten, und bezahlten Verteidigern vertreten.

Der Neue, Staranwalt Thomas Fingerhuth, der schon die Horgner Zwillingsmörderin vertreten hat, brauchte zuerst einmal Zeit, um sich in den Fall einzuarbeiten. Als zweiter Anwalt steht dem Beschuldigten Thomas Sprenger zur Seite, der unter anderem den Küsnachter Milliardär Urs Schwarzenbach vertritt. Zusätzlich hat die vermögende Familie des Täters eigens Andreas Meili engagiert, der sich auf Medienrecht spezialisiert hat. Dieser stellte den Kontakt zu den Medien sicher und intervenierte, wenn der Familie etwas zu weit ging.

In diesem Fall schien das zuerst eher absurd zu sein. Da das Opfer aus Grossbritannien stammt, berichten auch die britischen Medien über den Fall. Diese gehen weit weniger zimperlich vor als die hiesigen Pressevertreter. So werden etwa Bilder unverpixelt gezeigt und Namen offen genannt. Doch um Probleme zu vermeiden, nutzten einige Medien wie die «Daily Mail» online sogenannte Geoblocker. So konnten die Artikel in der Schweiz nicht aufgerufen werden.

Grosser Aufmarsch

Am eintägigen Prozess vor dem Obergericht zeigt sich ein ungebrochenes Interesse am Fall. Fast alle wichtigen Deutschschweizer Medien sind vertreten. Auch Familien und Freunde von Opfer und Täter haben sich eingefunden. Schon eine halbe Stunde vor Prozessbeginn kommt man kaum in das Gebäude hinein. Es ist vollgestopft mit Besuchern. Offenbar hat ein Strafrechtsprofessor der Uni Zürich in seiner Vorlesung den Fall behandelt und seinen Studentinnen und Studenten geraten, den Prozess zu verfolgen. Doch der Ansturm ist zu gross, die vorhandenen 80 Plätze rasch gefüllt. Gut die Hälfte der Interessierten muss wieder gehen.





Erstellt: 18.11.2019, 22:03 Uhr

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