Küsnacht

Zehntes Schuljahr nur noch für Jugendliche mit Bildungsdefizit

Das Berufsvorbereitungsjahr wird von vielen Jugendlichen als Übergangslösung genutzt. Der Bildungsrat des Kantons Zürich will das ändern und nur noch Kandidaten mit Bildungsdefizit zulassen.

Die Tempus-Schule in Küsnacht bietet für Jugendliche aus dem Bezirk Meilen das Berufsvorbereitungsjahr an.

Die Tempus-Schule in Küsnacht bietet für Jugendliche aus dem Bezirk Meilen das Berufsvorbereitungsjahr an. Bild: Manuela Matt

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Der Einstieg ins Berufsleben hat seine Tücken: Obwohl gemäss Hochrechnungen von 2016 rund 10 000 Lehrstellen im Kanton Zürich unbesetzt geblieben sind, stehen manche Junge nach der Schule ohne Lehrstelle da. Viele von ihnen schalten ein Berufsvorbereitungsjahr – auch bekannt als zehntes Schuljahr – ein. 15 Prozent der Jugendlichen im Kanton nützen dieses Angebot. In den letzten zwei Jahren waren das jeweils knapp 2000. Zu viele, sagt der Zürcher Bildungsrat.Er hat daher beschlossen, die Zulassung für das Berufsvorbereitungsjahr einzuschränken. Ab dem Schuljahr 2017/2018 sollen nur noch Jugendliche ein Überbrückungsjahr einschalten dürfen, die nach der obligatorischen Schulzeit zu grosse Bildungsdefizite aufweisen, um eine Lehrstelle anzutreten.

Acht Klassen in Küsnacht

Das öffentliche Berufsvorbereitungsjahr wird im ganzen Kanton an zehn Orten angeboten, im Bezirk Meilen an der Schule Tempus am See in Küsnacht. Diese führt zurzeit acht berufsvorbereitende Klassen. Die gesamten Schülerzahlen bewegten sich in den letzten Jahren zwischen etwa 80 und 110, wobei die Schülerinnen und Schüler nicht nur vom rechten Seeufer kommen, sondern auch aus Egg und Maur.

Ab dem 1. April können sich die Interessenten für das Schuljahr 2017/18 in Küsnacht anmelden. Rolf Steiger, der Rektor der Tempus-Schule, rechnet nicht damit, dass sich die neuen Zulassungskriterien gravierend auf seine Schule auswirken werden. «Es könnte sein, dass ein paar wenige Schülerinnen und Schüler nicht mehr hineinkommen», mutmasst er. Tatsächlich sind die neuen Aufnahmerichtlinien nicht sehr verschieden von der bisherigen Formulierung. Eine völlig andere Praxis ist daher kaum zu erwarten.

Die Schule Tempus am See wird räumlich und organisatorisch von der Schulgemeinde Küsnacht getragen. Das ist historisch bedingt. Den Schulbetrieb finanzieren aber hauptsächlich die Gemeinden, aus denen die Schüler kommen, der Kanton und die Eltern. Über die Aufnahme entscheidet die Tempus-Schule selber nach einem Gespräch. Sie lässt sich aber in jedem Fall auch von der Sekundarschule beraten, aus der die Kandidaten kommen.

Präzisierung der Bedingungen

Wie Marc Kummer, Amtschef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes (MBA), er-klärt, sind die neuen Anpassungen der Zulassungsbeschränkungen lediglich eine Präzisierung der bestehenden Zulassungsvoraussetzungen. Die Jugendlichen, die grundsätzlich fähig sind, eine berufliche Grundbildung anzutreten, aber keine Lehrstelle finden, weil sie beispielsweise nicht bereit sind, von ihren persönlichen Idealvorstellungen abzurücken, sollten bereits jetzt nicht in ein Berufsvorbereitungsjahr aufgenommen werden, sagt der Amtschef.

Die Aufnahmekriterien beinhalten laut Kummer unter anderem kognitive (Lern-)Schwierigkeiten, welche durch Zeugnisnoten und Stellwerktests belegbar sind. Auch mangelnde Deutschkenntnisse begünstigten die Zulassung. Die Anpassung der Zulassungsvoraussetzung erfolgte im Auftrag der Leistungsüberprüfung 2016, laut der bei den Berufsvorbereitungsjahren Einsparungen von jährlich 1,4 Millionen Franken vorzunehmen sind. «Indem wir sicherstellen, dass nur diejenigen Jugendlichen, welche ein Berufsvorbereitungsjahr benötigen, ein solches besuchen, können Kosten gespart werden», sagt Kummer.

Zudem erhofft sich die Bildungsdirektion, die Zweckentfremdung des zehnten Schuljahrs als Überbrückung zu verhindern und so den direkten Berufseinstieg zu fördern. Selbst wenn das für einige Jugendliche bedeutet, dass sie nicht ihre Traumstelle antreten können.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.03.2017, 18:30 Uhr

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