Hombrechtikon

Wo Hürlimann draufsteht, ist noch immer Hürlimann drin

Das Stammhaus der einstigen Brauerei Hürlimann in Feldbach ist heute noch mit auffälligen Inschriften versehen. Doch wer hat diese eigentlich auf die Fassaden gemalt – und wann? Eine Spurensuche.

Klartext an der Fassade: Die einstige Hürlimann-Brauerei in Feldbach fällt auch dank der beiden Inschriften auf - und ist heute ein Restaurant.

Klartext an der Fassade: Die einstige Hürlimann-Brauerei in Feldbach fällt auch dank der beiden Inschriften auf - und ist heute ein Restaurant. Bild: Moritz Hager

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Das markante Gebäude am Strassen­kreisel in Feldbach fällt jedem Auto- oder Velofahrer auf, der von Rapperswil her kommt: «Stammhaus der Brauerei Hürlimann» prangt in grossen Lettern auf dem Haus, das heute das Restaurant Redneck Heaven beherbergt. Ergänzt wird die Inschrift weiter unten auf der Fassade: In dieser Liegenschaft habe von 1836 bis 1865 Hans Heinrich Hürli­mann aus Hombrechtikon die von ihm gegründete Bierbrauerei betrieben, heisst es da in älterer Schrift, und 1866 habe sein Sohn­ in Zürich-Enge die ­bekannte Brauerei Hürlimann gegründet.

Was hier an der Wand steht, ist richtig. Das belegen die historischen Fakten, die von Chronisten zugänglich gemacht wurden und auch bei Wikipedia nachlesbar sind. Nicht klar ist jedoch, wann genau die Hürli­manns nach dem Abgang aus Feldbach und dem Umzug von Hans-Heinrich Hürlimanns Sohn Albert nach Zürich das Gebäude in Hombrechtikon verkauften.

Recherchen in Hombrech­tikon, bei der heutigen Besitzerin des Hürlimann-Biers – der Feldschlösschen-Gruppe – sowie dem kantonalen Denkmalschutz blieben ohne Ergebnis. Und Martin Hürlimann, der letzte Vertreter der Brauereidynastie, der vielleicht über die Geschichte des Hauses Bescheid wusste, starb im Jahr 2000.

Was der Besitzer weiss

Völlig unklar ist auch, wann und von wem die Inschriften auf dem Gebäude platziert wurden. Das bestätigt Stefanie Magel, die bei der kantonalen Denkmalpflege für die Inventarisierung mitverantwortlich ist. In Akten finde man wenig über das alte Brauereihaus in Feldbach, zumal es nicht unter Denkmalschutz ­stehe. Die Inschriften dürften laut Magel aber «eher neueren Datums sein und aus dem 20. Jahrhundert stammen».

Jürgen Sulger, Gemeindeschreiber von Hombrechtikon, sagt zwar, dass man das Gebäude als «potenziell schützenswert» ins kommunale Inventar auf­genommen habe. Zum Urheber der Inschriften kann er hingegen nichts sagen.

Das gilt auch für den heutigen Eigentümer des Hauses, Urs Ochs­ner aus Tuggen. Der Mann, der im Immobilienbereich tätig ist und das Gebäude 1996 erwarb, weiss hingegen: Die Inschriften wurden vor rund einem Jahr erneuert – und zwar «originalgetreu», wie er sagt. Ochsner hat die nötigen Arbeiten selber durchführen lassen und einen Maler beauftragt. Ochsner weiss auch, dass die Inschriften schon da ­waren, als er das Haus kaufte. Doch von wem stammen sie? Da muss er passen.

Das müssen auch Walter Schmid vom Verein Pro Hombrechtikon, der ansonsten sehr viel über die Geschichte des Dorfes weiss, oder Balz Schlittler vom Forum Feldbach. Sie geben zwar Tipps zu Leuten, die mehr wissen könnten, doch auch diese Quellen helfen nicht weiter.

Wo die Suche endet

Ergiebiger ist das Grundbuchamt von Stäfa und Hombrech­tikon. Es teilt auf Anfrage mit, dass vor Urs Ochsner eine Frau namens Nelly Ott Besitzerin des Hauses am Kreisel war (ab 1981). Vorher war es, für lange Zeit, ein Albert Öchsli (seit 1947) und noch früher ein August Schenkel. Aufgrund des Schriftbildes der grossen Inschrift könnte es Öchsli gewesen sein, der ans Hürli­mann-Stammhaus erinnern wollte. Da er im Rahmen dieser Recherche nicht zu finden ist, bleibt das jedoch eine Vermutung.

Als Möglichkeit, mehr herauszufinden, bleibt noch ein Besuch im ehemaligen Brauereihaus. Vielleicht taucht ja dort ein Hinweis auf. Die Pächterin des Restaurants, Susan Gehringer, winkt jedoch ab. Immerhin hat sie noch Hürlimann-Bier im Angebot, sozusa­gen als flüssige Referenz ans Haus. Die Suche endet daher mit einer Stange – und einem Prost auf die Inschriften. «Good Food & Drinks» steht ja auch noch auf einer Reklametafel am Haus ­– und das passt doch ganz gut zur Tradition dieses Hauses.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.08.2017, 11:49 Uhr

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