Ürikon

«Was im Bier ist, geben wir gern preis»

Durch Zufall ist der Gastronom Lorenz Hug zum Bierbrauen gekommen. Seine Begeisterung dafür war so gross, dass sich seine Frau Daniela und Bruder Patrick anstecken liessen.

Daniela und Lorenz Hug brauen zusammen mit Patrick Hug (links) in Ürikon ihr eigenes Bier.

Daniela und Lorenz Hug brauen zusammen mit Patrick Hug (links) in Ürikon ihr eigenes Bier. Bild: André Springer

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Kaum auf der Kellertreppe im Zuhause von Lorenz und Daniela Hug im Üriker Wohnquartier, liegt Malzduft in der Luft. Im Keller versteckt ist das Reich der Braukellerei Hug. Lorenz ist gerade mit dem Abläutern – der Entfernung des Malzes aus der Bierwürze – beschäftigt, Daniela und Patrick gehen ihm zur Hand.

«Die Lüftung war nicht immer hier drin», erzählt der gelernte Koch und lacht, das habe zu Beginn zu Diskussionen zwischen ihm und seiner Frau geführt. Dass das Brauen zu ihrer gemeinsamen Passion werden würde, damit haben sich die drei Kleinunternehmer selbst überrascht.

«Es war grosses Glück, dass unsere Idee so gut ankam»Lorenz Hug

Ein bisschen Stolz schwingt mit, wenn sie mit verschiedenen Sorten ihres Craft-Biers in eleganten Gläsern mit dem Schriftzug ihrer Brauerei anstossen. In den Gläsern ist das Ergebnis langer Geschmackstüfteleien von Lorenz.

«Die Geschmacksnote dieses Bieres hat uns erst nach der zwölften Rezeptur voll und ganz überzeugt», führt er aus und lässt das «Mocca Cream Stout» in seinem Glas kreisen, er habe dafür mit Hopfen und Gewürzen in verschiedenen Zusammensetzungen gespielt. Die gelernte Sommelière Daniela trug mit ihrem Flair für den perfekten Geschmack den Rest zum Ergebnis bei.

Weg vom Durstlöscher

Mit Charakterbieren möchten Hugs dem Getränk zu einem besseren Image verhelfen. «Lagerbier gibt es haufenweise», führt Patrick aus, «unser Ziel war es immer, ein Bier zu schaffen, das nicht einfach als Durstlöscher herhalten muss.» Der Bankmitarbeiter und Präsident des Cabaret Voltaire hat verschiedene Biere von Kleinbrauereien getestet und so gemerkt, dass sein Bruder gut in dieser Sparte mithalten kann.

«Lorenz kann sich immer wieder für Neues begeistern», erklärt Daniela und lacht, aber sie habe auch schnell gemerkt, dass sich das Ergebnis der Heimbrauerei sehen lassen könne. Ihr Bier gibt es nun auch in 7-dl-Flaschen zu kaufen. «Wir möchten, dass es auch einmal den Wein beim Essen ersetzen kann», so die Sommelière.

Geplant war das Biergeschäft nicht. «Ich habe von meinem ehemaligen Arbeitsteam eine Brauanlage geschenkt bekommen», sagt Lorenz, «meine Neugierde war damit geweckt.» Aus heutiger Sicht sind nicht nur die drei Hugs froh darüber, auch in ihrer Umgebung stiessen sie auf grosses Interesse. Die Professionalisierung ihres Auftritts war in den letzten Monaten ein Schritt, der sich aufgedrängt hat. Patrick lieferte das nötige Wissen für die Finanzierung und die Idee zum Crowdfunding.

Unterstützung für Bieridee

An einem Familienwochenende drückte Lorenz die Taste zum Projektstart auf der Finanzierungsplattform Wemakeit. «Ich bin ein ungeduldiger Mensch, ich konnte nicht bis am Montag warten», sagt er und schmunzelt. Sofort schnellten die Spenden in die Höhe, bereits zwei Tage später waren 60 Prozent des Zielbetrages bezahlt. «Wir fanden es anmassend, gleich den ganzen Betrag aufzuschalten, und einigten uns auf die Hälfte», erzählt Patrick, am Schluss seien aber 200 Prozent finanziert worden. Diese positive Bilanz habe sie umso mehr darin bestärkt, weiterzumachen.

«Lagerbier gibt es haufenweise. Unser Ziel war es immer, ein Bier zu schaffen, das nicht einfach als Durstlöscher herhalten muss.»Patrick Hug

«Es war grosses Glück, dass unsere Idee so gut ankam», sagt Lorenz. Der einzige Nachteil sei, dass sie beim Biertrinken sehr wählerisch geworden seien. Dafür sei er selbst geduldiger geworden. Der Gärprozess beim Bierbrauen dauert drei Wochen, eine Zeit, die er nun gut aushält. «Umso schöner ist es dann, das fertige Getränk zu probieren», sagt der Gastronom, Daniela und Patrick nicken.

Damit auch das Gebräu unten im Keller ein geschmackvolles Ende findet, ist es nun Zeit, in den Keller hinabzusteigen. Die erste Gabe Aromahopfen wird beigefügt, ausserdem eine Mischung aus Orangen, Pfeffer und Koriander. «Was im Bier ist, geben wir gern preis», sagt Lorenz Hug verschmitzt, «die richtige Mischung macht den Unterschied!»

www.braukellerei.ch

Erstellt: 08.06.2019, 13:00 Uhr

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