Stäfa

Starke Bühnenpräsenz dank persönlichen Bekenntnissen

Mit einem gefühlvoll-akustischem Programm tourt Jaël Malli, oder einfach nur Jaël, wie sie auf der Bühne heisst, durch die Schweiz. Am Samstagabend trat sie im Rössli-Saal in Stäfa auf und zeigte sich von einer persönlichen Seite.

Gab ein Konzert wie unter Freunden: die Berner Sängerin und Musikerin Jaël, in Begleitung von Cédric Monnier (links) und Domi Schneider.

Gab ein Konzert wie unter Freunden: die Berner Sängerin und Musikerin Jaël, in Begleitung von Cédric Monnier (links) und Domi Schneider. Bild: Moritz Hager

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Kurz vor halb neun Uhr abends füllt sich der Saal im Rössli zusehends. Auf blauen Tischlein flackern Teelichter, die Bühne leuchtet bereits rot-blau-violett. Unter Murmeln und gedämpftem Gelächter schweifen die Blicke immer wieder zu dem schwarzen Flügel gleich neben dem weissen Keyboard, den beiden Gitarren und den Mikrophons – alles ist bereit für Jaël, Cédric Monnier und Domi Schreiber, die sie auf ihrer Tour begleiten.Jaël ist keineswegs ein Neuling auf der Bühne. 1998 stiess sie zu der Band Lunik dazu und blieb bis zur Auflösung in 2013 deren Leadsängerin. Auch Cédric Monnier, der mit Jaël als Pianist durch die Schweiz reist, war Mitglied bei Lunik. Gemeinsam mit Luk Zimmermann gründete sie das Duo MiNa, und auch mit Domi Schreiber trat sie bereits als Duo auf. 2015 gab sie dann ihr erstes Solo-Album «Shuffle the Cards» heraus. Die verschiedenen Rahmen eröffneten ihr die Möglichkeit, jeweils unterschiedliche Stilrichtungen und Launen auszuleben. Die Acoustic Tour, so erklärt die Sängerin, sei eine Vereinigung dieser Herzensprojekte.

Herzlicher Auftritt

Das Publikum verstummt, als es dunkel wird im Saal. Die Samtvorhänge schlagen kleine Wellen, dann betritt das Trio unter Applaus die Bühne. Mit ruhiger, samtiger Stimme grüsst die Bernerin: «Wie geht es euch? Schön seht ihr aus!» Voller Herzlichkeit tritt sie auf und füllt den Raum mir ihrer Präsenz. Über das Zupfen ihrer Gitarre spricht sie aus, was ihr gerade durch den Kopf geht, erzählt von den Konzertvorbereitungen – als ob sie mit einer Gruppe von Freunden reden würde. Sie hebt zu singen an, roh und aufrichtig, ihre feine Stimme wird allein vom gelegentlichen Zupfen an den Saiten ihrer Gitarre begleitet.

Sie wird lauter und kräftiger, Schreiber stimmt ein, zweistimmig schwingen sie sich zu einem Refrain hinauf, beide spielen sie nun auf den Gitarren. Das Klavier setzt erst jazzige Akzente. Das Lied fügt sich zu einer Ballade, beide Stimmen, Gitarren und Piano wogen auf und ab, steigern sich von sanftem zu immer stärkerem Klang, bis die beiden Sänger auf einen Text verzichten, ihrem Gefühl mit wortlosem Gesang Ausdruck verleihen, sich immer weiter aufwiegeln zum stimmgewaltigen Höhepunkt. Dann ebbt die Musik ab und verstummt. Applaus braust auf.

Zwischen den Liedern nimmt sich Jaël Zeit, um von ihrem Schaffensprozess zu erzählen, von den Geschichten hinter den Liedern, von den Erinnerungen, die sie mit ihnen verbindet. Immer wieder entlockt sie ihren Zuhörern ein Lachen. Sie lässt einen ganz nahe an sich heran und hat keine Scheu davor, Schmerzvolles und Dunkles zu zeigen. Ihr Bekenntnis zum Verletzlich-Sein verleiht ihr eine sehr starke, sehr eigene Präsenz.

«Ein lüpfiges Nümmerli»

Keineswegs beschränkt sie sich aber auf Melancholie. «Ein lüpfiges Nümmerli», so nennt Jaël ihr Stück «The Opposite». «Size» erzählt die Geschichte eines «ein wenig darwinistisch angehauchten Fisches», die mit einem spektakulären Klaviersolo endet. Frisch verliebt und süsslich klingt «Now You Are Mine», ein Lied, das die Sängerin kurz nach ihrer Hochzeit geschrieben hat. «Shuffle the Cards» hingegen ist wieder auf der nachdenklicheren Seite. Es ist ein Lied von dem gleichnamigen Solo-Album, das in einer turbulenten Zeit in Jaëls Leben entstand.

«Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten.» Sie empfände das als einen Fluch und einen Segen zugleich. Sie selbst habe sich damals überfordert gefühlt, musste lernen, an einer Sache, die einmal angefangen war, dranzubleiben – ein Phänomen, das sie auch auf der Ebene unserer Gesellschaft und vor allem bei den jüngeren Generationen wiederfindet. «Shuffle the Cards ist eine Ode ans Dranbleiben», sagt Jaël.

Als Finale spielen die drei Musiker «Censor», ein kraftvolles Stück, eindringlich gespielt, immer wieder wechselnd zwischen laut und leise, bis die Musik dann langsam verklingt. Lange wird applaudiert, so lange, dass das Trio nochmals hinter den Vorhängen hervorkommt und ein letztes Ass aus dem Ärmel schüttelt: «Through Your Eyes», ein altes Lunik-Stück. Dann verbeugen sie sich ein letztes Mal, und als sie nicht mehr auf der Bühne zu sehen sind, gehen im Saal die Lichter wieder an. Für einige kurze Sekunden herrscht noch Stille. Dann erheben sich die Gespräche wieder, Stuhlbeine scharren über den Boden, Normalität kehrt zurück – der Eindruck bleibt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.03.2017, 16:02 Uhr

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