Stäfa

«Mit Verlaub, das ist Schwachsinn»

Dass der Billettautomat auf dem Stäfner Perron verschwunden ist, sorgt in der Gemeinde für Unmut. Der Gemeinderat protestiert nun mit einem Brief an die SBB dagegen, dass der Apparat abmontiert wurde.

Der Billettautomat auf dem Stäfner Perron wurde von den SBB entfernt – auch weil die Sonneneinstrahlung die Lesbarkeit beeinträchtigte.

Der Billettautomat auf dem Stäfner Perron wurde von den SBB entfernt – auch weil die Sonneneinstrahlung die Lesbarkeit beeinträchtigte. Bild: Moritz Hager

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Dass die SBB auf dem Stäfner Perr­on den Billettautomaten aufgehoben haben, sorgt in der Gemeinde für Aufregung. Neu gibt es nur noch die zwei Geräte seeseitig neben der Treppe zur Unterführung. Wie hoch der Volkszorn kocht, wurde nun in den sozialen Medien durch einen Post des Gemeindepräsidenten Christian Haltner vom Mittwoch offensichtlich. «Ohne uns zu informieren, montieren die SBB den Ticketautomaten vom Bahnperron ab und verschärfen so die Situation am Bahnhof Stäfa zusätzlich», schreibt der FDP-Politiker in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Stäfe wänn . . .». Er sei empört über die SBB, fügt Haltner an.

Dass der Gemeindepräsident nicht alleine mit seiner Empörung dasteht, zeigen die Reaktionen anderer User unter dem Post des Gemeindepräsidenten. «Ich hoffe sehr, dass die Gemeinde hier Druck macht», schreibt jemand, eine andere Frau beschwert sich, dass es als Mutter mit Kinderwagen sehr mühsam sei. Auch von einem Schildbürgerstreich und davon, dass die SBB sich selbst disqualifizierten, ist die Rede. Gestern hatten sich über 45 Kommentare unter dem Post angesammelt. Mehr als 70 weitere Facebook-Nutzer drücken mit dem Daumen-nach-oben-Symbol ihre Zustimmung zu Christian Haltners Post aus.

Umweg für Billettkauf

«Ich war selbst überrascht, was der Post auslöst», sagt Haltner der ZSZ auf Nachfrage. Doch bei einem Eintrag auf Social Media belässt er es nicht. Er hat gemeinsam mit Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger im Namen des Gemeinderats den SBB einen Protestbrief gegen die Entfernung des Automaten geschrieben – und darin werden die beiden ziemlich deutlich. «Mit Verlaub, das ist Schwachsinn», schreiben sie etwa dazu, dass der Automat wegen der Sonneneinstrahlung und Vorschriften des Bundesamtes für Verkehr demontiert werden musste, wie ein SBB-Sprecher in der ZSZ vom 10. April sagte.

Viermal zusätzlich müssten Leute die Treppe bewältigen, beschreiben sie den Weg, den Fahrgäste nehmen müssen, die ein Billett lösen müssen und nicht vom See her kommen. Und weiter: Dass die Mehrzahl des Publikums von Norden, Osten und Westen her direkt den Perron kommt und nicht über das seewärts gelegene Bahnhofgebäude, wo die verbliebenen Automaten stehen. Ein Problem sieht der Gemeinderat insbesondere für Personen, die nicht gut zu Fuss sind, Koffer oder Kinderwagen dabeihaben. Tatsächlich gibt es nur im Westen eine Rampe zum Perron, bei allen anderen Zugängen handelt es sich um Treppen. Lifte gibt es gar keine am Bahnhof Stäfa. Wer also mit einem Kinderwagen ein Billettlösen will, muss diesen entweder die Treppe hinunterhieven oder einen grösseren Umweg in Kauf nehmen. Rollstuhlfahrern wiederum bleibt nur der weitere Weg über die Rampe.

SBB wollen später reden

«Wir verlangen von Ihnen, dass der Billettautomat sofort wieder auf dem Perron montiert wird», schreibt der Gemeinderat deswegen im Brief. Dass das Verhältnis zwischen SBB und Gemeinde schon länger angespannt ist, zeigt sich in der weiteren Lektüre des Briefes. «Schon letztes Jahr bei den Umbauten auf dem Perron liessen Sie zu, dass das Publikum wochenlang im buchstäblich grössten Dreck ein- und aussteigen musste», steht da. «Auch damals erhielten wir Reklamationen und wendeten uns – erfolglos – an Sie.» In der Folge wird im Brief moniert, dass die Gemeinde und ihre Organe offensichtlich keinen Stellenwert bei den SBB hätten.

«Wir wollen weiterhin im Dialog mit den SBB bleiben», betont Haltner im Gespräch mit der ZSZ. Er selbst nutzt und lobt zwar die Billett-App, betont aber, dass es Leute gebe, die eben kein Smartphone und keine App hätten. Und auch das Argument der SBB, dass das Display des Automaten gegen die Sonne ausgerichtet war, lässt der Gemeindepräsident nicht gelten. «Man hätte den Automaten einfach umdrehen können.»

Die SBB wollen zu den Vorwürfen der Gemeinde noch nichts sagen. «Der Anstand gebietet es, dass wir zuerst dem Gemeinderat eine Antwort geben», sagt deren Sprecher Reto Schärli. Er stellt aber in Aussicht, dass die Bundesbahnen zu einem späteren Zeitpunkt der ZSZ gegenüber Stellung beziehen möchten.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.04.2018, 10:35 Uhr

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