Selbstanzeigen

Am Zürichsee zeigen sich mehr Steuersünder selbst an

Die Anzahl reuiger Steuersünder wächst in den Bezirken Meilen und Horgen weiter an. Die Erträge der Gemeinden variieren stark. Bei vielen Nachsteuerfällen handelt es sich um Bagatellfälle.

Beim Zürcher Steueramt sind 2018 deutlich mehr Selbstanzeigen eingegangen als im Vorjahr. Grund: Start des Informationsaustauschs

Beim Zürcher Steueramt sind 2018 deutlich mehr Selbstanzeigen eingegangen als im Vorjahr. Grund: Start des Informationsaustauschs Bild: Symbolbild/Keystone

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Mit einem Rekord beendete das Steueramt des Kantons das Jahr 2018: es hat soviele Selbstanzeigen wie noch nie erhalten. 7250 sind es und damit nochmals deutlich mehr als im alten Rekordjahr 2017, als es deren 6200 waren. In der Schweiz können sich Steuerpflichtige seit 2010 einmal im Leben straflos selber anzeigen.

Auch rund um den Zürichsee ist die Zahl der straflosen Selbstanzeigen gestiegen, wie eine Umfrage der ZSZ bei den Gemeinden der Bezirke Horgen und Meilen zeigt. Nicht alle waren bereit, Informationen über Selbstanzeigen und damit erzielte Erträge bekannt zu geben. Anhand der erhaltenen Daten lassen sich aber Tendenzen erkennen. So ist die Zahl der straflosen Selbstanzeigen in Wädenswil seit dem letzten Jahr von 21 auf 30 Fälle gestiegen. In Herrliberg waren es 2017 13 Fälle, ein Jahr später deren 19. In Küsnacht sind es 45 Fälle, gleich viele wie im Vorjahr.

Die meisten Gemeinden unterscheiden in ihren Auswertungen die Selbstanzeigen nicht explizit von anderen Nachsteuerverfahren. Oft machen Selbstanzeigen aber eine Mehrzahl davon aus. In Horgen ist die Zahl der Nachsteuerfälle seit 2017 von 34 auf 58 Fälle angestiegen. Uetikon verzeichnete 20 Fälle, im Vergleich zu 14 Fällen im Vorjahr.

Erträge stiegen nur teilweise

Die 2018 erledigten Selbstanzeigen brachten dem Kanton und den Gemeinden rund 98 Millionen Franken ein. Mit den Erträgen verhält es sich ähnlich wie mit der Anzahl Fällen: Nur wenige Gemeinden schlüsseln auf, wieviel Ertrag aus Nachsteuerfällen auf Selbstanzeigen zurückzuführen ist. Wädenswil tut dies: die Stadt erzielte rund 306 000 Franken Ertrag durch Selbstanzeigen, während es 2017 222 000 Franken waren. Auch Küsnacht liefert detailierte Daten: Nach 1,6 Millionen Ertrag durch Selbstanzeigen im vorletzten Jahr waren es im letzten 3,5 Millionen. Es handle sich bei den einzelnen Nachsteuerverfahren im 2018 um markant höhere Beträge, sagt Annette Stahel, Assistentin der Gemeindeschreiberin.

In Meilen betrug der gesamte Ertrag aus Nachsteuerfällen 1,1 Millionen, was laut Roger Steurer von der Finanzabteilung der Gemeinde ein höherer Betrag sei als sonst. Es handle sich jedoch um einen einmaligen Effekt der Einführung eines neuen Rechnungssystems, das Restbeträge aus dem Vorjahr auch als Ertrag verbucht. Einordnend äussert sich Martin Mähli, Abteilungsleiter Steuern der Gemeindeverwaltung Horgen: «Die jährlichen Nachsteuern schwankten in den vergangenen zehn Jahren zwischen 40 000 und 950 000 Franken. Auch das Jahr 2018 liegt mit rund 250 000 Franken in diesem Bereich.»

In Herrliberg und Uetikon stieg zwar die Anzahl an Nachsteuerfällen, der Ertrag sank aber. Uetikon verzeichnete 2018 sechs Nachsteuerfälle mehr als im 2017, nahm aber nicht einmal einen Sechstel ein, nämlich rund 92 000 Franken. Herrliberg verzeichnete elf Nachsteuerfälle — und sechs Selbstanzeigen — mehr als im Vorjahr, der Ertrag war aber mit 593 000 Franken nicht einmal halb so gross wie damals. Das bedeutet, dass es sich bei den Nachsteuerverfahren und den Selbstanzeigen meist um Bagatellfälle handelte. «Im Jahr 2017 hatten wir pro Fall durchschnittlich bedeutend mehr Ertrag», sagt der Herrliberger Steuersekretär Bernhard Peyer.

Wirkungsmacht des AIA

Der Kanton führt den Anstieg an Selbstanzeigen auf den Automatischen Informationsaustausch (AIA) zurück, der Anfang 2017 zwischen zahlreichen Ländern in Kraft getreten ist. Ausländische Steuerbehörden beliefern die Schweiz seither automatisch mit Kontendaten von Schweizer Bürgern in jenem Land.

Im Dezember 2018 hat der Kanton erstmals solche AIA-Meldungen erhalten. Steuersünder im Kanton Zürich können sich solange straflos anzeigen, bis die Steuerkommissäre deren Akten in den Hände halten. «Wer noch etwas versteuern muss und sich bis jetzt nicht bei uns gemeldet hat, sollte das blitzartig tun», sagt Roger Keller, Kommunikationsbeauftragter der Finanzdirektion des Kantons Zürich. In Horgen ist man gegenüber der Wirkungsmacht des AIA zurückhaltend: «Der AIA steckt noch in den Anfängen und dürfte einige reuige Pflichtige dazu bewegen, ihre ausländischen Bankguthaben zu deklarieren», sagt Mähli. «Ob mit diesem System die wirklich grossen Steuerbetrüger zur Strecke zu bringen sind, muss sich noch beweisen.»

Erstellt: 20.01.2019, 14:49 Uhr

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