Laientheater

Lokale Theatervereine zeigen breites Repertoire

Im Bezirk Meilen findet sich ausser in Herrliberg in jeder Gemeinde eine Laientheatergruppe. Nachwuchsprobleme kennen die wenigsten.

Ein unübertroffenes Bühnenbild der Küsnachter Schauspielgruppe Die Kulisse: Auf Stoffbahnen projizierte Wasserbilder zum Stück «Undine».

Ein unübertroffenes Bühnenbild der Küsnachter Schauspielgruppe Die Kulisse: Auf Stoffbahnen projizierte Wasserbilder zum Stück «Undine». Bild: Archiv Zürichsee-Zeitung

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Zwischen Herbst und Frühling herrscht Hochsaison in der lokalen Theaterszene. Während einige Theatergruppen – etwa diejenige in Oetwil, die Niklausbühne Hombrechtikon, der Männedörf- ler Dramatische Verein und das Atelier-Theater Meilen – schon letztes Jahr ihre neuesten Produktionen präsentierten, stehen bei anderen die Premieren im laufenden Jahr noch an.

Zwei Dramatische Vereine

Die gebotenen Stücke variieren zwischen amüsanten Komödien und witzigen Schwänken, meistens in Mundart vorgetragen, bei denen sich Verwechslungen, Verheimlichungen und mysteriöse Geschäfte jagen und es am Ende zu ungewohnten Wendungen kommt. Aber auch Krimis und anspruchsvolle Kost von Autoren der Weltliteratur locken das Stammpublikum in die Säle. Mit anderen Worten: Das mannigfaltige Angebot und nicht selten eine Spielkunst auf höchstem Niveau von angefressenen Laiendarstellerinnen und -darstellern bieten für jeden Geschmack etwas.

Denselben Namen tragen gleich zwei Theatervereine. Beide gehören zu den ältesten In­sti­tu­tio­nen der Region: Im 19. Jahrhundert entstanden sind sie in Männedorf und Uetikon und als Dramatischer Verein bekannt. Ersterer (DVM) besteht schon seit 1872, Letzteren (DVU) gibt es seit 1881.

2013 verbuchten die Uetiker mit dem Musical «My Fair Lady», wo schon die aufwendigen Kostüme eine Augenweide waren, grossen Erfolg, und ein Jahr später kam Franz Hohlers «Di lätz Tür» zur Aufführung. Hohler sass gar an der Premiere im Publikum.

Der langjährige DVU-Regisseur Jeannot Hunziker aus Hombrechtikon bekleidet auch im Zumiker Dorftheater, das seit 1982 besteht, dieses Amt. Sechs Jahre nach den Zumikern stellten spielfreudige Amateure auch in Zolli- kon eine Theatergruppe zusammen und bieten seither Jahr für Jahr abwechslungsreiche Inszenierungen. Der Genremix reicht vom Drama bis zur Eigenproduktion. Im April steht heuer der Krimi «Warte, bis es dunkel ist» an.

Mit der Pfadi fing alles an

Eine besondere Tradition pflegte einst die Theatergruppe Amaryllis aus Hombrechtikon, die 1990 von schauspielbegeisterten Pfadimitgliedern ins Leben gerufen wurde. Von Anfang an wurden die Stücke selbst geschrieben und in eigener Regie realisiert, was rasch zum Markenzeichen werden sollte. Mit den Jahren fanden die berufstätigen Spieler jedoch kaum mehr Zeit für dieses enorme Engagement. Dar­um beschäftigen die Hombrechtiker seit 2004 mit Roland Rüegg einen professionellen Regisseur.

Auch werden seit einigen Jahren Produktionen «eingekauft», die Rüegg in der Regel auf Mundart umschreibt und auf sein En­sem­ble zuschneidet. Mit turbulenten Lustspielen sichert sich die Laiengruppe immer wieder einen vollen Gemeindesaal. Nicht zuletzt darum, weil das Amaryllis-Team jeweils vor den Aufführungen ein feines Abendessen serviert. Im April werden es Bündner Spezialitäten sein, weil «Chasch Gift druf näh» sich in den Bündner Bergen abspielt.

Seit über 50 Jahren wird bei der Erlibacher Volksbühne (EVB) eine Komödie oder ein ernstes Stück auf Schweizerdeutsch aufgeführt. 2012 hat man sich mit dem 2005 gegründeten Junior-Ensemble zusammengeschlossen. Seither stehen drei Generationen unter der Leitung von Nathalie Portmann auf der Bühne. Gerade hat die EVB das Stück «Ich wott hei», das die 38-jährige Regisseurin verfasste, zur Aufführung gebracht.

Mehrheitlich Bauersleute

Es waren mehrheitlich Bauersleute, die sich einst zur Theatergruppe Bergmeilen zusammengeschlossen haben, um die «Bergler» im alten Restaurant Vorderer Pfannenstiel einmal im Jahr zu unterhalten. Nachdem mangels Darstellern die Gruppe in einen Dornröschenschlaf verfallen war, wurde sie 1988 erneut ins Leben gerufen. Inzwischen treten die Bergmeilemer im Gasthof Löwen im Dorf auf. Am 4. März ist Premiere von «Gschpässigi Lüüt».

In Stäfa ist das Statttheater mit den Operatten eine fixe Grösse im Kulturleben der Gemeinde. 1991 vom inzwischen verstorbenen Musiker, Komponisten und Regisseur Tomas Wullschleger ins Leben gerufen, wird das En­sem­ble seit vier Jahren von Michael Schwyter geleitet. Derzeit stehen die Operatten bis März in der Shakespeare-Komödie «Sturm» auf der Bühne.

Für Nachwuchs ist gesorgt

Mit den Theaterratten pflegen die Stäfner seit 2003 auch den Nachwuchs. In ihrer letztjährigen Produktion «Kabale und Liebe» berührten die jungen Darsteller mit erstaunlicher Authentizität. Erst seit 2014 besteht das Nachwuchsensemble Die Junge Kulisse in Küsnacht. Die Darstellenden zwischen 18 und 23 Jahren bewiesen bereits mit ihrer ersten Produktion «Der Volksfeind» von Thornton Wilder, dass sie schauspielerisch viel zu bieten haben. Sie machen Theater auf einem Niveau, das demjenigen der Küsnachter Schauspielgruppe Die Kulisse, die die Jungen unterstützt, ebenbürtig ist.

Auch das 1993 gegründete Atelier-Theater Meilen kennt keine Nachwuchsprobleme: Seit 2004 tritt eine Kinder- und Jugendgruppe als La Scaletta auf, zudem inszeniert die Taschenoper Operella Opern mit jungen Menschen in der Gesangsausbildung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.01.2016, 10:32 Uhr

Interessenten gesucht

Seit 1971 führte die Theatergruppe des seit fast 70 Jahre bestehenden Stäfner Jodlerchörlis anlässlich eines Chränzlis seine Stücke auf, jeweils nach dem Liederteil der Jodler. Von den einst drei Aufführungen wurden diese ab 2008 auf zwei reduziert. Nun wird der Jodleranlass vom 12. und 13. März erstmals ohne eine Theateraufführung auskommen müssen. Denn im sechsköpfigen harten Kern treten nicht nur einige Personen, dar­un­ter der Regisseur, aus beruflichen Gründen kürzer, auch der langjährige Bühnenbauer zieht sich zurück.

Trotz einem erfolgreichen Aufruf auf Facebook wollte sich kein einziger Interessent die vielen Proben über ein halbes Jahr antun, um lediglich an zwei Daten aufzutreten.

«Für uns stand aber immer auch der Spass an den Proben im Zen­trum», gibt Rosmarie Burkhard, die seit 1983 dabei ist, zu bedenken. Doch sie gibt noch nicht auf: «Wir werden weitersuchen und hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder spielen werden.»

Interessierte melden sich bei rosmarie.burkhard@hotmail.ch oder unter Telefon 044 920 48 56.

Hohes Niveau

Herausragende Inszenierungen gelingen der Küsnachter Schauspielgruppe Die Kulisse. Schon bald nach ihrem Theaterdebüt 1988 mit «Unsere kleine Stadt» von Thornton Wilder anlässlich der Feierlichkeiten «800 Jahre Küsnacht» war die Kulisse fest im Dorf verankert. Waren es anfänglich vier Spieldaten, an denen das Publikum «mit anspruchsvollen Stücken in schriftdeutscher Sprache» (so verlangen es die Vereinsstatuten) verwöhnt wurde, hat sich heute die Zahl verdoppelt. Unvergesslich ist das zum 25-Jahr-Jubiläum gezeigte Bühnenspektakel «Die Dreigroschenoper» von Bertolt Brecht und Kurt Weill 2012: Wegen der 30 Akteure auf der Bühne verliess die Kulisse erstmals den intimen Rahmen des Pfarreizentrums und spielte in der Hesli-Halle. Eigens für dieses Stück haben jene Spielerinnen und Spieler, die neben der Sprechrolle über ein beachtliches Liederrepertoire verfügen mussten, private Gesangsstunden genommen.

Unübertroffen ist auch das Bühnenbild zu «Undine» von Jean Giraudoux vor zwei Jahren: Dabei wurden Wasserbilder so auf Stoffbahnen projiziert, dass gar ein 3-D-Effekt entstand. Die diesjährige Premiere von «Faust (hoch) 3» ist am 1. April.

Nicht minder raffiniert war letztes Jahr auch das Bühnenbild des Atelier-Theaters Meilen (ATM) für Oscar Wildes «Bunbury oder Ernst sein ist alles»: Ein überdimensioniertes Sofa beherrschte die Szene und liess die Figuren winzig erscheinen. Auch das ATM verpflichtet sich anspruchsvollem Sprechtheater in Hochdeutsch aus der klassischen und modernen Literatur. Jedes Jahr werden ein bis zwei eigene Inszenierungen geboten, die das Publikum in der intimen Atmosphäre der Heubühne in Feldmeilen geniessen kann.

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