Nachruf

Er sah Bildung und Kulturförderung als Lebensaufgaben

Walter Kobelt ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Als Präsident der Lesegesellschaft Stäfa prägte er das Kulturleben der Gemeinde.

Walter Kobelt ist am 14. Oktober im Alter von 90 Jahren verstorben.

Walter Kobelt ist am 14. Oktober im Alter von 90 Jahren verstorben. Bild: Archiv Sabine Rock

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Walter Kobelt hatte zwei Berufungen: Als Lehrer an der Sekundarschule Stäfa vermittelte er Jugendlichen während vier Jahrzehnten nicht nur Wissen, sondern begleitete sie ein Stück auf ihrem Weg ins spätere Berufsleben. Fast ebenso lang prägte er als Präsident der Lesegesellschaft Stäfa das kulturelle Leben in der Gemeinde mit dem Anspruch, allen Bevölkerungsgruppen Kultur von hoher Qualität zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen.

Als der in Rapperswil aufgewachsene Lehrersohn 1955 in Stäfa seine «Lebensstelle» als Sekundarlehrer fand, ahnte er nicht, wie stark ihn die Förderung und Vermittlung von Kultur künftig beschäftigen würde. 1959 beauftragte ihn die Schulpflege, aus Beständen der Schulhäuser und der Lesegesellschaft Stäfa die erste Freihand-Bibliothek Stäfas aufzubauen. Im Jahr darauf trat er in den Vorstand der Lesegesellschaft ein und leitete bis 1966 deren Bibliothekskommission.

Sein Einsatz, die Ausleihe von Büchern attraktiver zu gestalten, lohnte sich: Die Anzahl von Besuchern und Ausleihen stieg sprunghaft an und der Bestand an Medien wuchs von Jahr zu Jahr. Obschon heute Informationen, Wissen und Unterhaltung vermehrt über elektronische Wege vermittelt werden, war Walter Kobelt bis ans Lebensende überzeugt, «dass das Buch als Kulturdokument nie ganz verschwinden wird».

Präsident der Lesegesellschaft für über 30 Jahre

Von der Musik als weiterem Kulturgut war er ebenso angetan: Noch bevor die Lesegesellschaft Walter Kobelt 1966 zu ihrem Präsidenten wählte, setzte er den Wunsch nach öffentlichen Konzerten, der in einem kleinen Kreis von Stäfnern gekeimt hatte, zielstrebig und mutig um. Obschon der damalige Gemeindepräsident davon abriet, organisierte Kobelt mit zwei Lehrerkollegen ein erstes Konzert des Zürcher Kammerorchesters in der reformierten Kirche Stäfa.

Der Anlass fand in der Bevölkerung viel Zuspruch und statt des befürchteten Defizits resultierte ein Gewinn von 1000 Franken. Beflügelt durch diesen Erfolg, begründete der Vereinsvorstand ein jährliches Kulturprogramm mit Konzerten, Theateraufführungen und diversen Formen der Kleinkunst. Es bildet nebst der Bibliothek Stäfa und dem Museum zur Farb bis heute einen der drei Pfeiler der Lesegesellschaft.

Walter Kobelt hielt bis 1997 das Steuer des Vereins fest in Händen. Dabei verlor er ein Ziel nie aus den Augen: Kultur darf weder das Privileg der grossen Zentren noch einzelner Bevölkerungsgruppen sein. Vielmehr soll sie nahe bei den Menschen sein und in den Gemeinden gepflegt werden.

So schrieb er im Rückblick auf das anspruchsvollste Vorhaben seiner Präsidentschaft, die Vorbereitung der Festivitäten zum Jubiläum «200 Jahre Stäfner Handel», die von November 1994 bis September 1995 dauerten: «Zu meinen schönsten und bleibenden Eindrücken gehört das überwältigende Echo der Stäfnerinnen und Stäfner auf meinen Appell, an diesen Festlichkeiten mitzuwirken.»

Als die Lesegesellschaft im laufenden Jahr ihr 200-jähriges Bestehen als Verein feierte, nahm er mit Freude Anteil an den diversen Aktivitäten. Wäre er dabei auch etwas stolz gewesen, so würden wir sagen: Zu Recht.

Der Autor ist Präsident der Lesegesellschaft Stäfa.

Erstellt: 20.10.2019, 12:19 Uhr

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