Erlenbach

Expertinnen nahmen Luxusgüter unter die Lupe

Ein Auktionshaus lud zu einem Schätzungstag für Luxusgüter in die Jugendstilvilla Erlengut. Expertinnen und Experten schauten sich Schmuck, Uhren, Handtaschen, Münzen und Briefmarken genau an.

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Das geübte Auge sieht es auf den ersten Blick: «Sehr schön, eine gut erhaltene Special Edition», sagt Gabriela Blöchlinger, als sie den Ring sieht. Als Schmuckexpertin begutachtet sie das Stück an diesem Samstag. Der Ring gehört einer Dame, die mit ihrem Mann aus dem Rheintal für den Schätzungstag nach Erlenbach gekommen ist. Zu diesem eingeladen hat das Auktionshaus Rapp mit Sitz in Wil SG.

In der bald 50-jährigen Geschäftstätigkeit hat es schon Pretiosen für rund eine halbe Milliarde Franken versteigert. Etwa 300 Interessierte kamen ins Erlengut, um Wertvolles schätzen zu lassen oder sich in der Ausstellung Objekte anzuschauen, die im März an einer Auktion in Wil versteigert werden.

Der zu schätzende Ring ist eine Einzelanfertigung von Bucherer. Gefertigt wurde er aus Weissgold, Email und Diamanten, wie Blöchlinger erklärt. Ob es bei den glitzernden kleinen Steinchen auch wirklich um Diamanten handelt, erfährt die Expertin dank einem Diamantenprüfgerät, das sie an den Ring hält. «Es misst die Leitfähigkeit der Steine.» Ein weiteres Merkmal seien Stempel, mit denen die Hersteller Schmuckstücke versehen. «Damit bürgen sie für die Echtheit der verwendeten Materialien», sagt Blöchlinger.

«Eine passende Kulisse»

Den Preis, den der Ring bei einer Auktion erzielen könnte, wird Blöchlinger dem Ehepaar unter sechs Augen nennen. Im Handel mit Luxusgütern ist Diskretion gefragt. Will die Besitzerin den Ring tatsächlich an einer Auktion verkaufen, wird zuerst eine Versicherung abgeschlossen. Dann untersucht ein Gemologe – also ein Spezialist für Edelsteine – den Ring noch genauer mit einem Mikroskop. Blöchlinger schaut ihn in einem ersten Mal mit einer Lupe an.

Neben Blöchlinger sind auch Expertinnen und Experten für Uhren, Münzen, Briefmarken und Handtaschen anwesend. Der Standort Erlenbach sei günstig für einen Schätzungstag, sagt die Geschäftsführerin des Auktionshauses, Marianne Rapp Ohmann. «Die Nähe zu Zürich ist wichtig. Hier wird viel mit Luxusgütern gehandelt.» Die Jugendstilvilla Erlengut biete eine passende Kulisse.

Bieten wie früher

Die Käufer indessen wohnen in der ganzen Welt. «An der letzten Auktion hatten wir unter anderem Bietende aus Neuseeland, den USA und aus Asien», berichtet Rapp. Ein Grossteil bietet online. Doch auch wie früher, mit dem Telefon, oder wie ganz viel früher, also vor Ort mit der Hand, kann geboten werden. Im dicken Katalog ist jeder Gegenstand detailliert beschrieben: Mit Ringgrösse, Gewicht, Verarbeitung oder Karatzahl.

«Immer wieder bringen Interessierte aber auch Fälschungen mit», berichtet Handtaschenexpertin Beatrix Hennig-Eijsbouts. «Oft handelt es sich dabei um geschenkte Taschen.» Ist die Tasche echt, steigt ihr Wert häufig mit dem Alter. So auch bei der schwarzen Hermès-Handtasche aus Krokodilleder, die an der nächsten Auktion ersteigert werden kann. Für 4000 Franken wurde sie 1976 gekauft, wie ein Blick auf die Quittung zeigt, die im Originalkarton beigelegt ist.

Beim Wiederverkauf spielt laut der Expertin auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine Rolle: «Für die gebrauchte Handtasche braucht es nicht wieder neues Leder.» Unterstützt wird Hennig-Eijsbouts heute von der Stylistin und Shoppingberaterin Ana Maria Haldimann. Für sie ist klar: «Man muss nicht immer Neues kaufen. Eine Vintage-Tasche zum Beispiel sorgt für einen individuellen Stil.»

In der Ausstellung sind nebst Luxus-Handtaschen auch edle Uhren zu sehen, wie etwa eine Rolex Sea-Dweller für Herren. Auf 12 000 Franken ist das Startgebot an der Auktion festgelegt. In 500-Franken-Schritten erhöht sich der Preis bei jedem Gebot. Ein erster geschätzter Preis kann sich vom tatsächlich erzielten stark unterscheiden, wie Rapp Ohmann berichtet. So kam an einer Auktion ein mit Saphir und Rubinen besetzter Ring unter den Hammer. Das Startgebot lag bei 7000 Franken. «Verkauft wurde er schliesslich für 14 000 Franken.»





Erstellt: 19.01.2020, 16:17 Uhr

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