Uetikon

Eisenskulpturen treffen auf Kunststoff-Roboter

Der Uetiker Künstler Andreas Mantel lässt Eisenskulpturen mit anderen Materialien in Dialog treten. Die Vernissage geprägt hat auch Roboter Pepper, der für einmal die Begrüssung der Gäste übernommen hat.

Roboter Pepper übernahm die Begrüssung.

Roboter Pepper übernahm die Begrüssung. Bild: Manuela Matt

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Öffnet sich die gläserne Schiebetür des Gemeindehauses Uetikon, fällt der Blick nicht etwa auf das präferierte Material des renommierten Künstlers Andreas Mantel, Eisen – sondern auf einen kleinen Kerl aus Kunststoff. Der 1,20 Meter grosse Roboter Pepper übernimmt am Samstag sowohl die Begrüssung als auch die Einführung in die Werke des Eisenplastikers. Autonome Kunstführungen seien die Zukunft, sagt Kurator Thomas Kain, dessen Idee es war, seinen Platz für einmal einem Roboter zu überlassen.

Dass dieser an einer Kunstausstellung zum Popsong «Gangnam Style» tanzt, mag ein bisschen gewöhnungsbedürftig anmuten, erheitert aber die Besucher und Besucherinnen dennoch. «Das ist für die Leute vielleicht noch lustig», sagt Mantel dazu, «ich hoffe aber, dass meine Sachen im Zentrum stehen.» Grund genug gibt es dafür: Der Blick rundum zeigt das Schaffen eines Künstlers, der seine Bestimmung gefunden hat.

Erinnerungen an Tansania

Da stehen Objekte, in welchen naturnahe Materialien wie Schiefer, Leder oder Ton mit Eisen zu einem Gesamtwerk verbunden werden. Pflanzengebilde wanken hin und her, eine mächtige Walflosse mit Goldrand ragt aus dem Boden, eiserne Skulpturen umfassen afrikanisch anmutende Gesichter. Der Schein trügt nicht, Andreas Mantel hat diese eigens von einem Schnitzerstamm in Tansania fertigen lassen. Tansania war auch der Ort, der Mantel zu seinem wichtigsten Werk «Blutzoll» veranlasste.

Später steht die Kunst im Vordergrund. Bild: Manuela Matt

1994 bereiste er das ostafrikanische Land und traf auf Ruandas Völkermord, der über die Grenzen schwappte. Unmöglich, die Augen davor zu verschliessen. «Kein Mensch soll geopfert werden für eine übergeordnete Idee», sagt Mantel bestimmt. Jeder Tag sei ein Bonus, das sei ihm seither bewusst. Steht er neben seinem Werk, bahnt sich das Erlebte wieder den Weg zurück an die Oberfläche. Dieser Hintergrund lässt verstehen, was dieses Werk nebst seiner Eigenwirkung so einmalig macht.

Ob Andreas Mantel mit Schiefer oder gar Glas die Härte des Eisens bricht, die Objekte zeugen von handwerklichem Können und einer leidenschaftlichen Verspieltheit. Schwingt bei den einen grosser Ernst mit, zeigt der Eisenplastiker bei anderen seine humorvolle Seite. Noch fehlt seinem Ersatzkurator Roboter Pepper die künstliche Intelligenz, dies zu erkennen. Er läuft strikt nach Programmierung. Die anwesenden Kinder freut es, sie tanzen lieber noch ein bisschen mit ihm.

Die Ausstellung «Andreas Mantel. Zum Leben erweckt – Eisenplastiken im Dialog mit anderen Materialien» ist bis zum 30. November im Gemeindehaus Uetikon zu sehen.

Erstellt: 25.08.2019, 18:59 Uhr

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