Rapperswil-Jona

Ein Zirkus mitten unter den Leuten

Der Circus Knie lud anlässlich seines 100-Jahr-Jubiläums zu zwei öffentlichen Arena-Vorstellungen auf den Hauptplatz in Rapperswil. Höhepunkt war Freddy Nocks Hochseilakt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aus allen Gassen strömten am Nachmittag frühlingshaft gekleidete Leute in bester Festtagslaune auf den Hauptplatz, ausgerüstet mit Handys und Kameras, Sonnenbrillen auf den Nasen und umgehängten Designertaschen, um der Jubiläumsfeier des Circus Knie beizuwohnen.

Nein, das Publikum hatte wahrlich nichts mit dem Volk gemein, das vor über einem Jahrhundert die Vorfahren der heutigen Knie-Grossfamilie bewunderte – Seiltänzer, Artistinnen und Akrobaten, die noch mit Ross und Wagen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz tingelten, ohne Zelt und ohne Winterquartier. Trotzdem, als das 3-Uhr-Geläut der Stadtkirche endlich ausklang und Papa Knie, verkörpert durch einen Schauspieler, die Vorstellung ansagte, da war alles (fast) wie früher. Die Faszination, die seit jeher von den Menschen ausgeht, welche spektakuläre Kunststücke beherrschen, packte Gross und Klein.

Erinnerungen an Grossvater

Gebannt verfolgten die Zuschauer nun das bunte Treiben auf der im alten Stil und an der derselben Stelle wie früher nachgebauten Bühne, denn, so Fredy Knie: «Diese Veranstaltung haben wir immer in den Jubiläumsjahren gemacht, um an meinen Grossvater und seine Brüder zu erinnern, die so in den Städten herumgereist sind.»

Und tatsächlich lebte die Tradition der durchziehenden Künstlertruppen wieder auf, als tanzende und jonglierende Artistinnen und Artisten, singende Clowns und muskelstrotzende Akrobaten in rascher Abfolge ihren Auftritt hatten. Umso mehr, als Vorführende und Zuschauende sozusagen auf Tuchfühlung gingen, da kein Zelt sie voneinander trennte.

Finale und sehnsüchtig erwarteter Höhepunkt der Arena-Vorstellung war natürlich der Auftritt von Freddy Nock auf dem Hochseil. Zuerst aber trat auch er in die Fussstapfen der Knie-Vorfahren und balancierte als Eugen Knie auf dem in alter Manier gespannten Seil, setzte sich auf halber Strecke auf einen Stuhl und radelte vor und zurück, besser als normale Sterbliche auf dem Veloweg. Und dann – endlich – kletterte er die lange, schwankende Leiter zum zwischen Rathausdach und Kirchturm gespannten Seil hinauf.

Unten das raunende Publikum, Köpfe nach hinten geneigt, Augen hinaufstarrend, Handys im Filmmodus, Kameras surrend, während Freddy Nock hoch oben einen Fuss vor den anderen setzte, sich zwischendurch mal bückte oder hinunter winkte – und so sicher wirkte, dass sich die Menschen auf dem Hauptplatz langsam entspannten und wieder zu schwatzen anfingen.

Eine Art Spaziergang

Für Hochseilkünstler Freddy Nock waren diese 35 Meter wohl ohnehin nicht viel mehr als eine Art Spaziergang, wenn man daran denkt, dass der Artist davon träumt, vom grossen zum kleinen Matterhorn zu balancieren, doch – so sagt er dazu – «jeder Lauf hat seine Macken, und ich muss hier genauso vorsichtig sein wie bei meinen eigenen Projekten.» Nun, auch wenn dieser Auftritt für ihn Routine gewesen sein mag, für die Stadt Rapperswil-Jona war er das sicher nicht. Stadtpräsident Stöckling jedenfalls war begeistert: «Sensationell! Freddy Nock und die ganze Arena waren die besten Botschafter für unsere Stadt seit hundert Jahren!»

Erstellt: 17.03.2019, 15:31 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles