Stäfa

Ein Hund veränderte seinen Blick auf die Welt

Die Aufnahme des rumänischen Strassenhundes Cody hat das Leben von Martin Skalsky um 180 Grad gedreht. In seinem neuen Dokumentarfilm hält der Regisseur fest, welche Fragen das Verhältnis zwischen Mensch und Tier aufwirft.

Der Strassenhund Cody hat das Leben von Martin Skalsky gehörig auf den Kopf gestellt.

Der Strassenhund Cody hat das Leben von Martin Skalsky gehörig auf den Kopf gestellt. Bild: Patrick Gutenberg

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Ein schwarzes Fell, die Schnauze ergraut: Der 10-jährige Cody ist ein eher unscheinbarer Hund. Bei seinem Spaziergang durch Stäfa heftet er sich dicht an Martin Skalskys Ferse, auch ohne Leine.

Einen Film über einen Hund zu drehen, hätte dem 41-jährigen Filmmusiker und Regisseur vor einigen Jahren nicht ferner liegen können. Doch dann ist ihm vor rund sechs Jahren Cody begegnet – ein Schnitt in seinem Leben. «Vielleicht hat auch eher er mich adoptiert», erzählt Skalsky nachdenklich. Der Filmmusiker, der zusammen mit dem ehemaligen Stäfner Christian Schlumpf die Firma «Triplet Studios» führt, war damals geschäftlich in Berlin und hat den Hund ungeplant an dessen Zwischenpflegestelle getroffen.

Ein schwer vermittelbares Tier, habe man ihn dort genannt. Kein Wunder, der Vierbeiner ist nur knapp der Tötung von Rumäniens Strassenhunden entkommen, die in Rumänien bei Strassenhunden immer noch üblich ist.

«Ich bin verliebt», habe ihr Bruder am Telefon gesagt, entsinnt sich Jannine Both, Skalskys Schwester. Sie lebt mit ihrer Familie in Stäfa und führt Cody und Skalsky immer wieder in die Gemeinde am Zürichsee. Ihr Bruder sei immer für Überraschungen gut, aber einen Hund bei sich aufnehmen zu wollen, damit habe er alles Bisherige geschlagen. Skalsky lacht und streicht Cody über das schwarze Fell. «Ich konnte einfach nicht anders.» Cody habe ihn bei ihrer ersten Begegnung von oben bis unten beschnuppert und sich dann vor seine Füsse gesetzt: Er wollte bleiben.

Der Trailer zum Film. Quelle: youtube.com

Ethische Fragen als Thema

«Damals habe ich gedacht, er kommt einfach zu meiner Frau Selina und mir dazu», erinnert sich der Regisseur. Aber die Spuren von Codys Vergangenheit als Strassenhund zeigten sich immer wieder. «Ich begann, mich intensiv mit seiner biologischen Abstammung und seiner Herkunft zu befassen», erklärt der 41-Jährige. In Rumänien erfuhr er, dass Cody mit der Hundedame Blanche sein Quartier auf der Strasse geteilt hat. «Der romantische Gedanke erwachte, diese beiden wieder zusammenzuführen und diese Dramaturgie auf Grossleinwand zu bringen», sagt Skalsky.

Mit seinem Geschäftspartner und Musiker Christian Schlumpf hatte er auch gleich einen weiteren Profi für die Filmmusik mit im Boot. Eigentlich gute Voraussetzungen für den Start des Projektes. Dass sich aber eine menschliche Vorstellung nicht einfach Tieren überstülpen lässt, hat er schnell gemerkt.

 «Ich begann, mich intensiv mit seiner biologischen Abstammung und seiner Herkunft zu befassen.»Martin Skalsky

Versuchte er in der Vorrecherche zu seinem Dokumentarfilm den Hintergrund der «dog days» - der Hundeleben – zu ergründen, führte dies zu neuen Fragen. Warum massen wir Menschen uns an, über andere Lebewesen zu bestimmen? «Ich begann, vieles mit anderen Augen zu betrachten, was ich vorher als selbstverständlich empfand oder vielleicht auch einfach gut verdrängen konnte», erzählt Skalsky. Der Austausch mit weiteren Filmprotagonisten wie einem Tierrechtsphilosophen trugen ihren Teil zu einer sehr breiten Auseinandersetzung bei: Der Film, der eigentlich eine tierische Liebesgeschichte werden sollte, wuchs zu einem persönlichen Dokumentarfilm, der diverse Spektren des Zusammenlebens aller Lebewesen auf der Erde beleuchtet.

Gesünder dank Hund

Durch die Aufnahme von Cody ist Skalsky nicht nur vom Filmmusiker zum Regisseur geworden, auch in seinem Privatleben hat diese Spuren hinterlassen. Unterdessen lebt der frühere Stadtzürcher mit seiner Familie auf dem Land, die Berliner Aussenstelle seiner Filmmusikfirma ist verwaist. «So viel zu reisen wurde mit Cody unmöglich», sagt Martin Skalsky dazu. Cody habe ihm die Natur wieder näher gebracht, was sich auch auf seine Gesundheit ausgewirkt habe. Musste er früher seine hohen Blutdruckwerte kontrollieren, ist das heute nicht mehr nötig. «Der Hund hat Martin gezwungen, sein Leben ein bisschen ruhiger und beständiger zu führen», bringt es seine Schwester Jannine Both auf den Punkt.

Vorerst wird das Leben von Martin Skalsky und dem schwarzen, unscheinbaren Cody aber noch einmal ziemlich aufregend: «Cody – the dog days are over», der Film, der die beiden noch stärker zusammenrücken liess, kommt am 24. Oktober in die Schweizer Kinos.

Mehr Informationen zum Film finden Sie hier: Link

Erstellt: 20.10.2019, 12:03 Uhr

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